Xing gibt Gas

Nach dem beschlossenen Wechsel in der Chefetage geht es bei Xing jetzt rasch weiter mit den Veränderungen: Durch die Übernahme der New Yorker Firma socialmedian soll das Hamburger Social Network zurück an die Speerspitze im Bereich Web 2.0 finden. Künftig sollen die Mitglieder von Xing die Möglichkeit haben, relevante “Business-News” aus externen Quellen miteinander auszutauschen. Xing ist dann nicht nur Social-Networking-Plattform, sondern auch eine Aggregationsplattform für Neuigkeiten aller Art und Social Media wie beispielsweise Friendfeed.

Warum? Abgesehen von der rudimentären Funktion “Neues aus meinem Netzwerk” hatte Xing den in den letzten beiden Jahren rasant an Bedeutung gewinnenden Trend zu Microblogging, Social Bookmarking und Social News nicht verfolgt. Gemeint ist damit der intensive Austausch der Netzwerk-Mitglieder über rudimentäre “Status-Messages” und das Editieren der eigenen Interessen hinaus. Also der Trend, für den die im Moment explosiv wachsenden und erfolgreichen Dienste wie Twitter, Friendfeed etc. stehen: Informationsaustausch via RSS, der Blogbeiträge, Verweise auf interessanten Content an anderer Stelle (Social Bookmarking) und unterschiedliche weitere Medien (Bilder, Videos) umfasst.

Sicherlich wird Xing durch den Kauf und die Übernahme des socialmedian-CEO als Vice President Applications Platforms deutlich aufholen. Immerhin kann socialmedian schon heute wichtige Plattformen wie Digg, Delicious, Twitter, Flickr, YouTube, Google Reader integrieren. Erste Kommentare heute morgen in Blogs und Kommentaren sind in der Regel positiv bis euphorisch. Dennoch ist die Frage aus meiner Sicht, ob die Positionierung von Xing als eher konservatives Social Network, in dem man eben nicht alle Social-Media-Aktivitäten teilt, in dem es eben etwas ruhiger zugeht, nicht schon so weit fortgeschritten ist, dass die Einführung von Social News und Social-Media-Aggregation etwas spät kommt. Die Konkurrenz is sowohl qualitativ als auch quantitativ beachtlich; wer sich aktiv im Web 2.0 bewegt und dort gut vernetzt ist, der stöhnt schon seit einiger Zeit über die tägliche Content-Flut. Lifestreaming und Microblogging stehen just in diesen Tagen an der Schwelle zum Mainstream, und Xing zögerte hier bislang – bewusst, wie ich dachte – an der Seitenlinie.

Spannend, spannend – was sich hier andeutet, ist eine deutliche Repositionierung. Sicherlich ist grundsätzlich davon auszugehen, dass die Verweildauer des durchschnittlichen Xing-Nutzers auf den Seiten des Netzwerks deutlich steigen wird, wenn – womit bald zu rechnen ist – Xing-Profile um via RSS aggregierten externen Content erweitert werden. Andererseits: Mancher Xing-Nutzer, der mit Social Media und Lifestreaming bisher so gar nichts zu tun hatte, wird vielleicht auch einen Kulturschock erleben, wenn er plötzlich mit den Feeds seiner Geschäftspartner und Kollegen konfrontiert wird. Ich könnte mir vorstellen, dass sich nach Integration der Funktionen von socialmedian bei den Xing-Mitgliedern zwei unterschiedliche Gruppen herausbilden werden. Die einen werden die neuen Möglichkeiten nutzen, die anderen nicht.

Persönliche Anmerkung: Ich aggregiere meine Social-Media-Aktivitäten derzeit bei Friendfeed, habe aber beispielsweise sehr rasch wieder damit aufgehört, diverse andere Verbindungen zu nutzen, etwa zwischen Twitter und Plaxo. Nicht jede RSS-Schnittstelle, die technisch machbar ist, macht im Business auch Sinn! Jeder, der sich bisher nicht mit Social Media beschäftigt hat, hat jetzt durch die anstehende Einführung entsprechender Technologien bei Xing einen großen Anreiz dazu.

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Über den Verfasser

Bernhard Jodeleit
ist seit 2008 bei Sympra, auf Technologiethemen spezialisiert und für Kunden wie Alcatel-Lucent, die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg sowie die Social Shopping Community dooyoo tätig. Sein besonderes Interesse gilt den Themenfeldern Social Media und mobilen Internetanwendungen.

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12
'08

Dez


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