Archiv für Januar, 2009

A media perspective from the U.S.

Print, the Phone Call and Pressing the Flesh – They Aren’t Dead Yet.

The Blogosphere has fallen too much in love with itself, and that’s a problem. Overhyped and over-promoted on blogrolls and among bloggers, Weblogs can’t live up to their reputation. Everyone has a blog these days, or so it seems, and keeping track of what is relevant and worth reading is hard work. Feeds help, but not by much.

Granted, print media is having a tough time these days. The New York Times has begun selling ad space on its hallowed front page — a practice of other newspapers but not, until now, of the paper of record.

But print is not dead.

Neither is the telephone. For all the ease of communication that e-mail brings, nothing makes a connection with a journalist quite like a phone call.

Neither is pressing the flesh. One of the largest conventions held in the United States just ended. The Consumer Electronics Show drew 110,000 attendees to Las Vegas this year. According to an article in PC World, attendance was down 22% from last year. Still, over 100,000 people went to conduct business face to face.

PR and publicity thrive on the personal connection. Our profession thrives on news and points of view and providing journalists and producers with story ideas. This is an oversimplified analysis of our jobs, but you already know that.

The general wisdom says that as print pulls back, printing fewer pages per issue, there will be more competition for print space. But from what I’m seeing, companies are also trimming their PR budgets.

My theory is that we will see a resurgence of print. Less space means more competition for it, which means that what does end up in print becomes even more valuable.

Weblogs offer little to no actual newsgathering capacity. Blogs compile information and news from elsewhere, from real news organizations.

As Steven Waldman wrote in “Why the Huffington Post Can’t Replace the New York Times”, “The idea that the Huffington Post, or the explosion of interesting internet news or blogging sites, can replace journalistic institutions like the New York Times or other newspapers or dinosaurs of the mainstream media truly misunderstands the web, newspapers, journalism and the serious threat posed to democracy if the news gathering institutions fail.”

What wins out in these perilous economic times are old-fashioned PR strategies. The phone calls and face-to-face meetings to pitch stories to journalists and editors.

The companies that maintain and even increase their PR budgets have an edge in this competitive atmosphere. They have a much better chance of claiming a piece of that valuable print real estate.

While we don’t control the media, a successful pitch results in a newspaper or magazine article. And when clients have something to hold in their hands, to cut out and frame, then we realize all the more the value of a print story.

Dieter Bohlen: Bloggt er? Bloggt er nicht?

Selbst bei vorsichtiger Betrachtung ist mir seit heute klar: Blogs sind im Mainstream angekommen. Eine Zeitenwende! Robert Basic hört damit auf und beginnt bescheiden neu, erntet dafür Unmengen Lob (”Weiter so!”) und Kritik (”belanglos und plätschernd”). Und Dieter Bohlen, der neulich als Phantom ebenso schnell bei Twitter aufgetaucht wie wieder verschwunden war, geht heute unter die Blogger. Das Musikgeschäft sei kein Ponyhof, lässt er in seinem Begrüßungsposting wissen. Die Leser werden’s wohl glauben müssen: Kommentieren dürfen sie in Bohlens neuem “Blog” jedenfalls nicht. Kein Wunder, denn zumindest aus meiner Perspektive ist das Ganze nicht mehr oder weniger als eine “Kolumne” – kein “Blog”. Immerhin: Social Bookmarklets bietet BILD ihren Lesern an. Toll!

Nein, Blogs sind alles andere als tot – sie sind in der Sphäre von “DSDS” angekommen und damit Mainstream. Aber sowas von. Das ist schön: Die qualitative Bandbreite beim Bloggen wird immer größer und spannender. So – und jetzt werde ich mal den RSS-Feed zu Dieters Blog suchen gehen.

Mails, die die Welt (nicht) braucht

Image Fmabspic 0 0-1187783742 in Mails, die die Welt (nicht) braucht Jeder, der sich im Web bewegt, kennt sie: die Mails von Verwandten und Bekannten, die immer unheimlich witzige Anhänge haben. Ich will jetzt mal gar nicht darauf eingehen, dass ab und zu auch was Gefährliches mit geliefert wird oder dass diese Nachrichten argen Bandbreitenhunger haben. Es geht mir heute mehr um die Inhalte. Da ist zum Beispiel die mehrseitige PowerPoint-Präsentation mit Fotos ungeschminkter oder (Photoshop sei Dank!) stark übergewichtiger Celebrities oder mit Wortwitzen, die aus dramaturgischen Gründen auf zehn Charts gestreckt sind. Es sind YouTube-Videos (nicht der Link, sondern das Video im Anhang; zum 6. Mal der Todesstern auf Schwäbisch), animierte Gummibärchen, kleine Videospielchen und und und.

Vor einigen Tagen kam ich in den Genuss einer interessanten Präsentation am Notebook meines Schwagers, einem meiner Hauptlieferanten solcher Mails. Nicht nur, dass er die Mails aus unterschiedlichen Quellen empfängt, sichtet und an seine verschiedenen Empfängergruppen (manche inkl. mir) weiterverteilt; er archiviert sie auch. Und zwar ganz ordentlich abgelegt in die Ordner „Kategorie A“ (ganz toll), „Kategorie B“ (nicht ganz so toll), „Kategorie C“ (überhaupt nicht toll), Religiöses (Worte zum Tag und Besinnliches mit flackernden Kerzchen), Herrenwitze, Architektur, Auto, Lustiges und eine Handvoll weiterer Rubriken. Ich habe mir die Mühe gemacht, die Mails in den Ordnern zu zählen und kam auf deutlich mehr als 2.000! Der Explorer wies einen Wert jenseits der 1 GB aus. Das Ganze gespeichert auf dem Hotmail-Server.

Ist das vielleicht lustig?

Mir wurde klar, dass ich bislang nur einen Bruchteil seiner Sammlung zugeschickt bekommen hatte. Das liegt unter anderem daran, dass mich die meisten über meinen Hotmail-Account erreicht hätten, hätte ich dort ab und zu mal reingeschaut. (Ich musste mir soeben erst wieder ein neues Password kreieren lassen, denn ich habe da bestimmt schon ein halbes Jahr nicht mehr reingeschaut.) Und ich muss zugeben, dass ich nicht alle Mails, die ich im Büro empfangen habe, aufmerksam zur Kenntnis genommen habe, insbesondere die mit hohem Textanteil nicht.

Die Sicherheit, mit der mein Schwager die meisten Mails anhand des kryptischen Dateinamens wiedererkannte, und wie er mir jeweils vor Öffnen eine Kurzzusammenfassung des Inhalts geben konnte, beeindruckte mich stark. Alle seine archivierten Mails kannte er auch nicht – aber er hatte sie alle bereits weitergeleitet.

Manche Anhänge sind so kunstvoll animiert oder fotografiert, dass ich mich frage, wer um alles in der Welt Mannjahre an Arbeit bereitstellt, Werke für die Community zu basteln. Der Aufwand relativiert sich natürlich, je öfters die Mail weitergereicht wird.

Ich war überrascht über diese Webaktivitäten, die ich in dieser Intensität bisher nicht kannte. Und ich muss zugeben, mein anfängliches Staunen über meinen Schwager wich zunehmend dem Staunen über die zum Teil wirklich saukomischen Fotos, Klassewitze, amüsante Animationen. Meine erste Session am Notebook dauerte eineinhalb Stunden, eine zweite, eine dritte folgten ….

Die Distribution von Botschaften über virales Marketing und Guerilla-PR funktioniert hervorragend. Bislang ging ich davon aus, dass die Mails angeschaut und gelöscht werden.  Durch das Archivieren und Tauschen origineller Anhänge ist aber längst eine Alternative zum Briefmarkensammeln entstanden: Bilder und Videos für die Ewigkeit, gut verpackte Markenbotschaften für nachfolgende Generationen.

Kleine Kostprobe* gefällt? Hier ein Beispiel aus meines Schwagers „Kategorie A“. Und hier eines aus der „Kategorie C“.

*Die Dateien haben wir auf Viren geprüft, Öffnen dennoch auf eigene Gefahr!


Nachklapp: So ganz neu ist das Weiterreichen lustiger Sachen ja nicht. Der eine oder andere erinnert sich bestimmt noch an die Grafik „Snoopy’s Arbeitswoche“, die ab Ende der Siebziger Jahre als Kopie von der Kopie von der Kopie jedes Sekretariat, jeden Pausenraum, jede Autowerkstatt und jedes Lehrerzimmer schmückte.

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Das Social Web als Echtzeit-Medium

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Notlandung im Hudson River (Foto: gregp!/flickr, CC-Lizenz)

Sowohl bei Journalisten als auch bei PR-Leuten verursacht das neue “Real Time Web” noch große Unsicherheit. Bis vor kurzem sah die Welt noch so einfach aus: Eine Meldung ist eine Meldung, wenn die erste große Nachrichtenagentur sie meldet. Punkt. Besser abgesichert ist sie, wenn die zweite Agentur sie ebenfalls gemeldet hat. Eigene Recherchen der Redaktion runden das Bild im besten Falle noch ab. Erst dann erfährt das Publikum draußen etwas.

So war das einmal. Web 2.0 in Echtzeit sorgt für vollkommen neue Spielregeln. Zu beobachten war dies gestern: Als US-Airways-Flug 1549 gestern auf dem Hudson River in New York zur Notlandung angesetzt hatte entstand innerhalb kürzester Zeit eine gigantische Aktivitätswelle im Social Web. “There’s a plane in the Hudson. I’m on the ferry going to pick up the people. Crazy”, meldete sich ein Augenzeuge direkt vom Ort des Geschehens.

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An die neue, rasch wachsende Rolle des Social Web bei Katastrophen und anderen Großereignissen werden wir uns gewöhnen müssen. Allerdings auch daran, dass die Informationen, die wir in solchen Situationen aus Quellen jenseits der etablierten Massenmedien beziehen, für viele Mensche nur sehr schwer einschätzbar sind. Die Notlandung gestern war dafür ein Paradebeispiel. Vor Ort waren nur sehr, sehr wenige Augenzeugen wie Twitternutzer @jkrums oder Flickr-Benutzer “grego!”, der dankenswerterweise auch das Foto in diesem Beitrag unter CC-Lizenz bereitstellt. Getwittert hat dagegen alle Welt – Hunderte Botschaften pro Minute mit Kommentaren, Fragen, Einschätzungen, Spekulationen. Völlig unmöglich aus Nutzersicht, den Wahrheitsgehalt einzuschätzen oder nur ansatzweise mit dieser Geschwindigkeit Schritt zu halten.

Drei spontane Schlussfolgerungen aus meiner Sicht:

Klassische Medien und Social Web ergänzen sich in solchen Situationen. Keine Frage: Im Social Web wird viel zitiert, spekuliert, ungefiltert und ungeprüft weitergegeben. Die Berichterstattung von CNN zu verfolgen war für mich die erste Handlung, nachdem die Realtime-Welle im Web aufkam. Auf Twitter & Co. als einzige Nachrichtenquelle würde ich mich in kritischen Situationen nie verlassen, erst gemeinsam mit anderen Quellen wird die Glaubwürdigkeit einschätzbar.

Es gibt einen aus meiner Sicht abstoßenden Trend zur Sensationsgier im Web 2.0. Kaum geschieht irgendwo auf der Welt ein Unglück, stürzen sich große Teile des Social Web darauf. Menschen bleiben eben Menschen – es ist desillusionierend, dass auch ein Medium mit demokratischen Strukturen wie das Web 2.0 bei Katastrophen zum Voyeurismus neigt. Böse Zungen wussten ja schon immer: Die klassischen Medien liefern dem Publikum eben doch nur, was es möchte.

PR-Menschen kommen am Web 2.0 in Echtzeit nicht mehr vorbei. Ob Flugzeug-Notlandung oder kursrelevantes Gerücht über ein Produkt – mit Social Media und Microblogging haben wir in der Medienlandschaft plötzlich Multplikatoren, die in einer nie geahnten Geschwindigkeit operieren. Twitter-Memes à la #twitternwiebeimuttern liefern bereits seit einiger Zeit den theoretisch-spielerischen Beweis. Jetzt sehen wir immer häufiger, wie das Social Web in Echtzeit mit etablierten Medien konkurriert, sie sogar überholt. Sicherlich werden in absehbarer Zeit Kurssprünge bei Unternehmen oder andere Ereignisse in der “realen Welt” (Insider sagen: Offline-Welt) durch Twitter & Co. ausgelöst. Massenpanik durch Web 2.0 wegen einer Ente über einen Atom-GAU? Heute noch nicht denkbar. Aber in zwei Jahren? Ich würde nicht dagegen wetten und weise auf die Sicherheitsprobleme rund um Twitter hin, erst neulich wurde unter anderem der Account von Barack Obama gehackt und zu Spam-Zwecken missbraucht. Gerüchte erhalten durch das Social Web eine noch nie dagewesene Kraft. Bedeutet für PR: Sorgsames Monitoring in Echtzeit löst den althergebrachten Clipping-Service eher heute als morgen ab, Konzepte für den Krisenfall müssen noch häufiger als bisher bereits vorbeugend erarbeitet und ständig aktualisiert werden. Was mich freut – der Job wird noch spannender.

http://www.twitter.com/jodeleit


3, 2, 1, …

… nicht mehr seins: Der Verkauf von Basic Thinking geht in den Endspurt, und Robert Basic hat auch schon ein lakonisch mit “Dat war’s” betiteltes Abschiedsposting verfasst. In knapp vier Stunden, am 15. Januar um 19:50 Uhr, endet die Auktion auf ebay. Da soll noch jemand sagen, Blogs seien out: Es ist beispiellos, welches Medieninteresse Deutschlands spektakulärster Blogverkauf ausgelöst hat. Spiegel Online, BILD, FAZ, Frankfurter Rundschau, Handelsblatt, Süddeutsche und taz haben unter anderem berichtet. Und in der Blogosphäre wird über Sinn und Unsinn des Verkaufs und den Wert des Blogs für den Käufer kontrovers diskutiert. Peter Hogenkamp von Blogwerk wundert sich über das mediale Interesse und nimmt die “zwei Millionen” für bare Münze, die Basic in einem Zeit-Interview sicherlich nicht ohne Selbstironie genannt hat.

Wer gewinnt die Auktion? Die Gerüchteküche brodelt, und das Ganze ist so spannend, dass das ZDF darüber berichten wird und Basic jetzt schon ankündigt, heute Abend vor Kamera und Mikrofon “tapfer” zu sein. Nostalgie kommt auf. Indessen steht mit Basic selbst der größte Gewinner des Hype bereits fest: Deutschlands Vorzeigeblogger darf sich nicht nur über noch mehr persönliche Bekanntheit und mediale Präsenz freuen. Er verkauft etwas, was für ihn durchaus verzichtbar ist – ein Blog, das inhaltlich Bauchladen und keinesfalls reines “IT-Blog” ist. Selbst bloggt er dann weiter – dem aktuellen Trend folgend themenfokussierter als bisher (Zitat aus dem Zeit-Interview):

Auf robert-basic.de werde ich das Ganze private Zeug schreiben, das die Fachleser nicht interessiert. Dann gibt es noch buzzriders.com, da will ich mich mit Internettrends beschäftigen, mit Mobilität und Technologie, bis hin zu Biochips oder Nanokleidung.

Basic ist also der große Gewinner bei der ganzen Sache. Den Kopf zerbrechen sich viele Blogger bereits vor dem Auktionsende für den künftigen Eigentümer von Basic Thinking: Lässt sich das Blog, das Basics Angaben nach im vergangenen Jahr 37.000 Euro Werbeeinnahmen verzeichnet hat, tatsächlich verkaufen wie ein Medienunternehmen? Oder brechen Glaubwürdigkeit und Reichweite nach dem Verkauf wie ein Kartenhaus in sich zusammen? Ist Deutschlands populärstes IT- und Gemischtwarenblog zu stark an die Person Rober Basic gekoppelt? Basic selbst meint im Auktionstext: “Leser lesen Inhalte, die wenigsten lesen mich.” Sollte das stimmen, so dürften sich die Gedanken, die Oliver Gassner formuliert hat, sich für den künftigen stolzen Besitzer als nützlich erweisen. Gassner empfiehlt, die Site als inhaltlich ähnlich breit aufgestelltes Multi-Autoren-Blog weiterzubetreiben und ein Team aus Bloggern aus der zweiten Reihe der deutschen Blogosphäre, die ein gewisses Renommee vorweisen können, zu rekrutieren. Dieses Team soll dann das Projekt mit einer ausreichenden Frequenz an Beiträgen am Laufen halten. Ein guter Plan und eine meines Erachtens vielversprechende Variante. Fest steht, dass der neue Eigentümer von Basic Thinking heute, wenn die Auktion um 19.50 Uhr abläuft (wobei sie es in die Tagesschau wohl nicht schaffen dürfte), mit großem Medieninteresse und vor allem vielen Fragen und noch mehr Thesen und Spekulationen aus der Blogosphäre bedacht werden wird.

Ich bin gespannt, wie hoch der Preis schnellen wird. Während dieses Posting verfasst wurde erhöhte er sich von 30.000 Euro – dem von Basic festgelegten Mindestkaufpreis, unter dem das Geschäft nicht zustandekommt – auf 33.000 Euro. Mein Tipp: Die 50.000 werden locker geknackt.

Update (21.15 Uhr): Der Verkaufspreis beträgt 46.902 Euro, und den Zuschlag hat Serverloft erhalten.

Vortrag zu Social Media PR

 

Morgen, am 14. Januar, darf ich als Gastreferent Studenten im Bereich Unternehmenskommunikation über meine Erfahrungen im Bereich PR und Social Media berichten. Die Präsentation ist recht umfangreich geworden und steht nach der Veranstaltung (Update: ab sofort!) auch an dieser Stelle zur Verfügung. Vorab möchte ich ganz kurz einige Kernaussagen zusammenfassen:

  • Anhand aktueller Umfragewerte lässt sich belegen, dass Redaktionen überwiegend nicht aktiv im Web 2.0 recherchieren, auf der anderen Seite aber PR-Entscheider im In- und Ausland dem Thema Social Media Relations erhebliche Bedeutung in diesem und im nächsten Jahr beimessen. 
  • Klassische Medienarbeit verliert nicht etwa rapide an Bedeutung, dazu ist sie einfach zu effizient. Aber: Wer wirklich alle relevanten Multiplikatoren erreichen möchte, der muss sich auch auf die neuen Instrumente einstellen. Es ist angesagt, Social Media und Social Networking als zusätzliche Tore in die Öffentlichkeit zu betrachten.
  • Ich werde im Rahmen des Vortrags nochmals anhand einiger Beispiele darauf eingehen, dass Location Based Voting, mobile soziale Netzwerke wie heute schon aka-aki und brightkite und morgen sicherlich auch Facebook, Xing und andere dafür sorgen werden, dass Öffentlichkeitsarbeit künftig auch geobasiert denken muss – weil es eine digitale Reputation bestimmter Orte gibt und weil die bisher nur “im Internet” gelebten Social Networks via Smartphone plötzlich auch ins reale Leben Eingang finden.
  • Mit Hilfe offener und vor allem dialogorientierter, auf Standards basierender Lösungen (Blogs, Microblogging, Sharing, Tagging, RSS) kann PR ohne großen Investitionsbedarf auf den Trend zu Social Media reagieren. Medienarbeit der nächsten Generation mit einem zeitgemäßen Pressebereich auf einer Unternehmenswebsite geht schon heute auf die Bedürfnisse der Redaktionen ebenso ein wie auf die Blogosphäre und das Social Web.

Kleine mexikanische Medienschau

Den Jahreswechsel verbrachte ich in Tapachula, einer Stadt in Südmexiko an der Grenze zu Guatemala. Wie ich an dieser Stelle bereits berichtet habe, laufen hier sehr viele Informationen per Mundpropaganda, bei Jugendlichen verstärkt auch über das Web. Dennoch haben Zeitungen einen hohen Stellenwert, wenn es um politische Nachrichten, aber auch um gesellschaftliche News geht. Schauen wir uns doch eine der Tageszeitungen aus Tapachula etwas genauer an: El Orbe (auf Deutsch: „Der Erdkreis“). Hier sind meines Erachtens besonders die Rubriken „Sociales“ („Gesellschaftliches“) und „Paginas Rojas“ („Rote Seiten“ – weil hier besonders viel Blut fließt) interessant.

Portada5-150x150 in Kleine mexikanische MedienschauBei Sociales kommt zum Beispiel eine einseitige Farbreportage über den 24. Geburtstag von Marcelo Parizot, einem Sohn aus gutem Hause. An selber Stelle erscheinen aber auch reich bebilderte Beiträge über Klassentreffen, Kaffeekränzchen oder Junggesellenabschiede. Selbst über meinen Besuch in Tapachula wurde hier schon in einem Beitrag berichtet – und die Stadt hat immerhin rund 280.000 Einwohner!

 Gewöhnungsbedürftig sind die Beiträge und die Bilder auf den Paginas Rojas. Opfer von Portada32-150x150 in Kleine mexikanische MedienschauUnfällen oder Schlägereien werden mit Farbfoto abgebildet, ihre Verletzungen ausführlich beschrieben. Mutmaßliche Täter sind abgelichtet, wie sie gerade von der Polizei abgeführt oder verhört werden; der Leser erfährt alles Wissenswerte über ihre Herkunft ihre Familie, ihre Arbeit. Datenschutz greift hier kaum.

 Gewalt ist auch omnipräsent, wenn ich den Fernseher einschalte. Auf mindestens fünf der 40 Kanäle kommt garantiert ein Krimi mit brutalen Szenen, Mord und Totschlag. Die Aktivitäten der Drogenmafia sorgen regelmäßig für spektakuläre Bilder in den Nachrichten. Aber auch Themen aus dem weit entfernten Deutschland finden statt. So wurde ausführlich über den Freitod des Unternehmers Adolf Merckle und über die Kältewelle in Süddeutschland berichtet. Die Bundesliga wird am Wochenende live übertragen (daher kam ich auch schon in den Genuss eines VfB-Spiels), über News aus den Vereinen aus Deutschland, Spanien und England wird täglich berichtet.

Bei Blick in den Zeitschriftenkiosk fällt auf, dass einige Magazine aus deutschen Verlagen stammen. So gibt es zum Beispiel eine mexikanische Ausgabe der Autobild oder auto plus von der Stuttgarter Motor-Presse.

Im Onlinebereich dominieren Sites wie MSN von Microsoft und Yahoo. Der Sohn meiner Schwägerin dürfte jedoch zu den aktivsten Facebook-Nutzern überhaupt gehören – wenn ich mich einlogge: Er ist online.