Archiv für März, 2009

Volles Haus bei DemokratieZweiNull

Zum Glück hatten wir zwei weitere Stuhlreihen einbauen lassen: So konnten wir mehr als 120 Gästen einen Sitzplatz bieten, um die Vorträge bei DemokratieZweiNull zu verfolgen. Parallel übertrugen wir die Veranstaltung als Audiostream ins Web, sodass wir weitere 260 Personen am Event teilhaben lassen konnten. Das Publikum im Saal: gemischt – Vertreter von Parteien, der öffentlichen Verwaltung, Marketingfachleute aus Unternehmen, Journalisten, Mitglieder der Web-2.0-Community, Leute aus der Kommunikationsbranche; Gäste aus der Region und von weit weg; solche, die mit Blogs, Twitter & Co. bislang noch wenig zu tun haben, einige, die schon (recht viel) Erfahrung gesammelt haben, wenige Geeks.

Wahlkampf und Web 2.0

Nach kurzer Begrüßung durch Rüdiger Dresel, Partner vom Hausherrn PricewaterhouseCoopers, machte Prof. Dr. Frank Brettschneider den Anfang mit seinem Referat: „Von Obama lernen heißt siegen lernen?“ Als ein profilierter Kenner des vergangenen US-Wahlkampfs berichtete er über die langfristig angelegten Social-Media-Aktivitäten von Barack Obama, über deren Zusammenspiel mit den klassischen Massenmedien, und ging insbesondere auch auf die Macht der Bilder ein. Jeder kennt die emotionalen Bilder aus dem Wahlkampf, auf denen Obama vor einer Menge von Menschen steht, die ihm Plakate mit „Change!“ entgegenhalten. (Im Detail gehe ich gar nicht auf die Vorträge ein; sie stehen als Video und Audio auf DemokratieZweiNull.de bereit).

Nächster Referent war mein Kollege Bernhard Jodeleit, der einen Überblick über aktuelle Plattformen, Informations- und Kommunikationskanäle gab und deren Einsatzmöglichkeiten für die Politik (aber auch für Unternehmen und Institutionen) beschrieb. Sein Credo: Social Media Relations müssen Teil der Gesamt-Kommunikationsstrategie sein, sie müssen systematisch, ernsthaft und engagiert genutzt werden – und ihr Einsatz kostet Zeit oder Geld oder beides.

Podcasting war Thema von Dusan Minic. Er hat aufgezeigt, welche Rolle Video und Audio im Kommunikations-Mix spielen, und wies darauf hin, dass ein Video- oder Audioclip nicht nur auf der eigenen Website stattfinden muss, sondern auch auf YouTube oder iTunes gestellt werden sollte, um gesehen oder gehört zu werden. Die Veranstaltung und diese Website selbst sind ein gute Beispiel für die Einsatzmöglichkeiten von Audio und Video.

Unsere Veranstaltung hieß DemokratieZweiNull, und ein sehr schönes Beispiel dafür, wie das Internet Bürger dabei unterstützen kann, politische Entscheidungen zu beeinflussen, stellte zum Schluss Johanna Schepers von der MFG Baden-Württemberg vor. Sie ist hier Projektleiterin e-Participation Plattform und ist für das Projekt VoicE verantwortlich, bei dem sich z. B. Bürger aus Baden-Württemberg und Valencia/Spanien über Verbraucherschutzthemen und die entsprechende Gesetzgebung in Brüssel informieren können.

Social Media live!

Oliver Gassner von carpe.com, einer der aktivsten Blogger, Twitterer, Kommentatoren und Social-Networker der Region, bloggte und twitterte live und informierte die Web-Community darüber, was gerade referiert wurde. Seinen Namen kennen viele, ihn als Person nur wenige. Mir ging es übrigens bei einigen anderen Gästen gleich: Die kannte ich von ihren Tweets, von ihren Blogkommentaren, manche sogar via Mail – und sah sie an diesem Abend zum ersten Mal live.

Wir hatten eine Twitterwall aufgebaut, und während die Referenten sprachen, erschienen dort die Tweets von Personen, die die Veranstaltung entweder am PC oder im Saal verfolgten. Sie gaben Inhalte der Vorträge wieder, kommentierten diese, fragten an, ob es noch Platz für sie gäbe und ob sie noch kommen dürften, stellten Fragen für die Diskussionsrunde. Ich habe zum ersten Mal live die Twitterbegleitung eines laufenden Events miterlebt und hatte anfangs Bedenken, dass diese „Parallelplattform“ von den Vorträgen ablenken könnte. Im Gegenteil – es war eine tolle Ergänzung und ein superschneller Feedbackkanal.

Überwiegend positive Reaktionen

Der Abend endete mit einem Get-Together im Foyer von PwC. Das Team von Prof. Dr. Brettschneider hatte einen Eye-Tracker aufgebaut, mit dessen Hilfe man z. B. den Blickverlauf über Parteienwebsites verfolgen konnte. Sehr aufschlussreich!

In den Gesprächen mit den Gästen bekamen wir fast ausschließlich positives Feedback. Klar, dass man es bei einem so heterogenen Publikum nicht allen Recht machen kann. Einige aus der Web-2.0-Community fühlten sich unterfordert („ist alles ziemlich einsnullig hier“), manche Aussagen der Referenten waren aus ihrer Sicht diskussionswürdig („Finde ja auch, dass gelackte Agenturvideos niemanden interessieren. Es geht um Authenzität – auch technisch.“). Eine ganze Reihe von Menschen scheinen wir aber auch wachgerüttelt zu haben und bekamen Kommentare zu hören wie: „Die Themen packen und lassen nicht ruhen: Werde umgehend anregen, diese auch in unserem Unternehmen eingehender zu vertiefen.“ Manche tauchten wohl zum ersten Mal in die Welt von Social Media ein und hatten zum ersten Mal Kontakt mit dem sagenumwobenen Twitter oder dem Phänomen Facebook („Ob ich auch twittern sollte?“, „Bislang kannte ich ja nur xing.de“).

Gesprächsstoff gab’s jedenfalls reichlich. Geplant war das Get-Together bis ca. 20.00 Uhr, um 21.30 Uhr war’s noch recht voll, die Letzten gingen kurz vor halb elf.

Für uns war das Event ein vorläufiger Höhepunkt von DemokratieZweiNull. Auch wir haben in der Vorbereitung viele Erfahrungen sammeln können, die wir in Folgeprojekten berücksichtigen werden. Eine davon: Mit Social Media und Online-PR lässt sich ein Event hervorragend promoten, die Reichweite ist gigantisch – aber es kostet auch viel Mühe, Zeit und Freizeit. Und: Man kommt in Kontakt mit vielen Menschen, die man bisher nicht gekannt hat.

Was wir bisher an Rückmeldungen – persönlich, via Mail, via Twitter – erhalten haben, bestätigt uns, dass wir einen interessanten Abend gestaltet haben. Heute Vormittag erreichte mich der Anruf eines Politikberaters aus Hessen, der mit uns ein ähnliches Event organisieren möchte. Und am 5. Mai 2009 geht’s ja schon konkret weiter mit „DIE BLAUE STUNDE ZUR DEMOKRATIE 2.0 – Bürgerkommunikation im Web“, einer Veranstaltung von Sympra und der MFG Baden-Württemberg im Rahmen von Kreativraum.

Establishing a common belief

The view from the U.S. (and of the U.S.) just got whole lot better with the inauguration of our new president, Barack Obama. Even though the stock market keeps plummeting and the nation’s financial brain trust warns of more impending disasters, hope springs eternal.

Barack Obama Poster in Establishing a common beliefIndeed, 2008 was a tough business year here—and all around the world—and the forecast for 2009 doesn’t seem much better. Still, small things, like Obama signing an executive order to close Guantánamo within the next year and mandating that going forward our governmental processes include a responsible level of transparency, make a big difference, even if the “action” associated with those declarations hasn’t yet been implemented.

Sometimes just saying it makes it so, if who is speaking is believed to be credible by a majority of those listening.

Building a consensus is, after all, what each of us does everyday for each and every one of our accounts. Many times, however, spurred by anxious clients, a short-term result — hard-won editorial coverage, a well-received event with a big buzz factor, a media tour that opens a couple of stubborn press doors — can blur our sense of what PR is really about: establishing a common belief first within an inner circle of influencers and then transferring it into an entire market, so much so that simply saying something makes it feel and appear like an action has already taken place.

This is the promised land in both politics and in PR, and getting there requires a devotion worthy of pilgrims on the journey. What’s essential to “getting there” is taking advantage of high-visibility opportunities and putting one foot in front of the other,  a common message, clear communication, an honest connection, unshakeable confidence and a promise of changing how we view the world or at least some small part of it. And most of all it demands unwavering leadership.

As PR specialists we often redirect the path of a campaign and thereby relinquish our vision for it and leadership of it to the client, for any number of reasons, not the least of which is our desire to “please” the client. Witnessing Obama’s textbook single-minded, stay-in-the-moment, be-always-engaged, go-in-a-straight-line campaign, with its equal measures of vision, truth-telling, caution, optimism, inspiration and integrity, was the single most impressive demonstration of consensus-building I’ve ever witnessed. It has prompted me to recommit myself to the betterment of my agency, my profession and my country.

Mit Microtargeting und Social Networking zum Super-Wahlkampf?

Gls Feat in Mit Microtargeting und Social Networking zum Super-Wahlkampf?Zum Erfolgsgeheimnis von Barack Obama zählt, dass er den Bürgern auf innovative Weise ganz persönlich nahe zu sein scheint. Dafür sorgte die persönliche Ansprache der Wähler, abgestimmt auf deren Interessen. Im Hintergrund arbeitete daran ein Expertenteam, das die unterschiedlichen Social Networks und Social Media Services bespielte. „Aus Zielgruppen sind in US-amerikanischen Wahlkämpfen längst Zielpersonen geworden“, erläutert Prof. Dr. Frank Brettschneider, Inhaber des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft an der Universität Hohenheim. Unser heute erschienener Gastbeitrag “Mit Microtargeting und Social Networking zum Super-Wahlkampf?” bei doit-online.de fasst zusammen.

DemokratieZweiNull – Wahlkampf im Web ist für Sympra im Moment ein zentrales Thema im Rahmen des Events mit Online-Plattform DemokratieZweiNull.

Sperrmüll 2.0

 in Sperrmüll 2.0Erinnert sich noch jemand in Stuttgart an die Tage vor der Sperrmüllabfuhr? Damals, noch vor drei, vier Jahren, fuhren ganze Kolonnen von Kleinlastern mit meist osteuropäischen Kennzeichen durch die Stadtbezirke der Landeshauptstadt und räumten die Trottoirs leer. Manche Stücke wechselten direkt von Keller oder Bühne auf die Ladefläche eines gerade noch verkehrstauglichen VW-Transporters. Die Müllmänner, die tagsdrauf anrückten hatten meist gar nicht mehr viel zu tun, denn das meiste war bereits außer Landes gebracht.

Ich hatte mich eigentlich immer gefreut, wenn ein alter Tisch oder ein defekter Rasenmäher doch noch einen glücklichen Abnehmer fand. Dennoch schaffte die Stadtverwaltung diese Art des Sperrmüll-Events ab und wechselte zur – wie ich finde – arg langweiligen Variante mit Postkarte wegschicken, Termin vereinbaren, festgelegte Müllstücke abholen lassen.

Mit diesem Wechsel einher ging die Einrichtung einer Online-Plattform, des Verschenkmarkts. Das Prinzip ist einfach: Ich hab was, was ich nicht mehr brauche, ein anderer aber vielleicht schon – also inseriere ich es und schnell findet sich ein Privatmann, der das Ding bei mir abholt. Ich bin inzwischen ein recht aktiver Anbieter und freue mich, dass ich auf diese Weise mein Heim etwas leeren und gleichzeitig gute Werke verrichten kann. Den Anfang machte eine Balkontrennwand, die schon nach einem Tag einen Abnehmer fand, der dann auch gleich mithilfe eines geliehenen Anhänger das gute Stück abholte (mir schleierhaft, was er damit anfangen würde – Hauptsache weg!). Von diesem Vertriebserfolg motiviert, ging’s weiter: Ein älterer Ikea-Futon, den uns unsere amerikanischen Nachbarn bei deren Rückkehr in die Staaten überließen, ging nach Stuttgart-West; ein Ikea-Kleiderschrank PAX (sagenhafte drei Mal auf- und abgebaut und daher in entsprechendem Zustand), hätte mehr als ein Dutzend Abnehmer gefunden, sodass ich das Inserat nach 2 Tagen löschen musste; ein Konvolut älterer Terracotta-Übertöpfe war dank überzeugendem Foto nach acht Stunden einem Interessenten in Plochingen versprochen. Sympra wurde binnen eines Tages 2 uralte PCs, 1 defekter Drucker, 1 IT-Überraschungspaket an drei Personen los, zudem ein fünfbändiges rororo-EDV-Lexikon von 1990.

Meinen letzten drei Inserate auf der Plattform: eine ganz ordentliche Badzimmerlampe mit leichter Korrosion (Inserat war keine zwei Stunden online), ein mundgeblasenes und handbemaltes Tequila-Gläserset auf Edelholztablett mit Metallapplikationen (um das tat’s mir irgendwie leid) und eine Wetterstation mit Mahagonisockel, aber mit defektem Barometer. Letzteres fand schnell einen sehr anhänglichen Fan, der sein Interesse an dem guten Stück mehrfach über verschiedene Kommunikationskanäle kundtat.

Ich halte die Web-Plattform, die es auch in einigen anderen Städten gibt, für eine prima Institution, die nicht nur hilft, Müll zu vermeiden, sondern auch Bedürftige zu unterstützen. Dies wird zum Beispiel sichtbar bei den „Suche“-Inseraten, die zuweilen interessante Einblicke in die Sozialstrukturen von Stuttgart geben. Und der eine oder andere Interessent kann ein Schnäppchen machen, wie Herr B. aus Stuttgart-Ost, der sich über meinen kaputten Scanner-Drucker gefreut hat und mich wissen ließ, dass er nach vier Stunden Tüfteln das Ding wieder zum Laufen gekriegt hat. Na also!

Die Plattform Verschenkmarkt ist übrigens ein Produkt, das Kommunen in ihre Webauftritte einbauen können.  Der Anbieter abfallberatung.de bietet es nach dem Application-Service-Providing-Modell (ASP) zur Miete an.

CeBIT 2009: Die PR hat’s auch nicht leicht

Allen Unkenrufen und Meldungen über zurückgehende Ausstellerzahlen zum Trotz bleibt die CeBIT die größte IT-Messe der Welt.  Nach wie vor ist man abends geschafft und geplättet von den Eindrücken, Informationen und Gesprächen. Und dass in solch weltwirtschaftlich schwierigen Zeiten, der Prunk und Protz vergangener Jahre zurückgeschraubt wird, ist eher wohltuend. Die Probleme der Messe sind inhaltlicher Natur: Die CeBIT wird dem Zusammenwachsen von Internet, Diensten und Infrastruktur nicht gerecht. Aber vielleicht kann sie das auch gar nicht? Zu groß ist der Gegensatz zwischen den Herstellern von Kisten und der Web-2.0-Gemeinde.  Thomas Knüwer vom Handelsblatt beschreibt diesen Gegensatz sehr schön in seinem Beitrag.

Besonders deutlich wird der Gegensatz am Dresscode: In Halle 6 mit der Webciety dreht sich alles um Suchmaschinenoptimierung, Twitter, Web 2.0, IPTV und Shopsysteme. Krawatten sind dort allerdings Fehlanzeige und wer in Anzug und Hemd unterwegs ist, gehört fast schon zum Establishment. In den anderen Hallen sind durchgängig die von Thomas Knüwer erwähnten grauen Herren anzutreffen. Nicht nur für die Messe, sondern auch für uns PR-Schaffende erwächst daraus ein Problem. Da ich Kunden in verschiedenen Hallen (darunter auch die besagte Halle 6) betreue bin ich latent over- oder underdressed. Allein schon deswegen hoffe ich, dass sich Web und Infrastruktur bald richtig gut verstehen.

Final Editions

Gravierend sind die Veränderungen bei den Printmagazinen. Anzeigenrückgang, Abonnentenschwund und die Konkurrenz durch elektronische Medien machen es den Verlegern von Zeitungen und Zeitschriften momentan schwer, ihre Produkte im grünen Bereich zu halten. Einige prominente Opfer sind die Park Avenue oder die Vanity Fair – sie haben jüngst ihr Erscheinen eingestellt, was wenigstens in den Branchenmedien für dicke Schlagzeilen gesorgt hat. Von der Öffentlichkeit kaum beachtet ist das Ende mancher Fachzeitschrift: zu klein die Leserschaft, zu speziell die Nische, zu wenig Potenzial im Markt.

Tageszeitungen haben es besonders schwer – ihnen sterben die Leser weg, junge Menschen beziehen ihre Informationen lieber aus dem Web. Matthew Roberts war bis vergangenen Freitag Multimedia Producer bei der Rocky Mountains News in Denver, Colorado: Nach 149 Jahren und 311 Tagen wurde sein Blatt eingestellt. Darüber hat er ein beeindruckendes Video gedreht, dessen Veröffentlichen an dieser Stelle er uns erlaubt hat.


Final Edition from Matthew Roberts on Vimeo.