Archiv für Juli, 2009

Twitter vs. Google: Der Microblogging-Dienst positioniert sich als Suchmaschine

Seit heute kommt Twitter mit neuer Startseite daher. Während man bislang die Suchfunktion nur über einen unscheinbaren Link am Fuß der Seite erreicht hat, prangt sie nun als zentrales Element auf der Homepage. Das macht Sinn, denn Twitter hat sich in den letzten Monaten als die Plattform etabliert, um quasi in Echtzeit Informationen, Neuigkeiten oder Fachleute zu finden. Darin liegt der eigentliche Wert des Micro-Blogging-Dienstes.

Mit der Positionierung als Suchdienst bringt sich Twitter gleichzeitig auch aktiv in Stellung gegenüber dem Platzhirsch Google. Spätestens nach den Terroranschlägen in Indien, der Notwasserung eines Flugzeugs in New York oder den Geschehnissen rund um die Wahlen im Iran hat Google zwar den Wert einer Echtzeitsuche erkannt, kann aber bislang Informationen oder Tweets nicht in Echtzeit in seinen Suchergebnisse darstellen. Die neue Twitter-Homepage verstärkt daher den Druck auf Google, in Sachen Echtzeitsuche aktiv zu werden. Eine Übernahme von Twitter war ja bereits Anfang April im Gespräch. Seit heute dürfte aber der Preis für Twitter nochmals erheblich gestiegen sein.

PR-Profis kann die Zukunft gehören…

…denn die Kommunikation der Zukunft ist: Dialog

Auf einer Pressekonferenz hat es schon einmal vorkommen können, dass die für einen Vorstand mit viel Aufwand ausgeklügelte Kommunikation engagiert hinterfragt wurde. Ein Journalist hat aufgepasst, kritisch nachgefragt und insistiert. Das mag für die Profis von der Unternehmenskommunikation kurzzeitig ärgerlich sein. Aber so ist das, wenn es einen unmittelbaren Rückkanal gibt – ein Lackmustest unter Realbedingungen. PR ist aufgrund der Tatsache, dass es diesen Rückkanal stets gegeben hat, auf Dialog und kritisches Hinterfragen eingestellt und entsprechend qualifiziert.

Und PR musste daher schon immer tiefer einsteigen, sich inhaltlich mit Branchen, Unternehmen, Produkten und Dienstleistungen auseinandersetzen, um mögliche Schwächen und Fallstricke zu erkennen. Sie musste sensibel den Kontext der Kommunikation prüfen, kritische Erwiderungen antizipieren und dann entsprechende Argumente entwickeln. Schlichtweg, um vorbereitet zu sein. Eine wasserdichte Vorbereitung ist eben stets nur dann möglich, wenn man sich mit den vermeintlichen Details intensiv beschäftigt. Kurzum: PR hat sich schon immer tiefer hineingearbeitet, hat stets den Dialog geplant und geführt und ist immer schon Gestalter und Produzent von Inhalten gewesen.

Planner und Strategen aus Werbeagenturen dürften nun anmerken, sie hätten sich auch immer intensiv mit einem Thema beschäftigt. Gekauft. Mit Trends, den Zielgruppen und ihrer semiometrischen Heimat haben sie sich auseinandergesetzt. Aber vor der neuen Kraft und Macht der Social Media mussten sie noch keinen Widerspruch fürchten. Auf einen TV-Spot oder eine Anzeige konnte man eben nur eingeschränkt antworten. Und wenn man die Werbung im kleinen Kreis kritisiert hat, dann war es eben nur ein kleiner Kreis. Das hat sich geändert – massiv.

Fuehrend in PR-Profis kann die Zukunft gehören...

Wer übernimmt den Lead? (Foto: madochab, photocase.de)

Gute PR geht weiter. Gut meint hier, dass entgegen dem Vorurteil eben nicht gemogelt und verschwiegen wird, sondern dass aufrichtig und ernsthaft mit dem Gesprächspartner umgegangen wird. Dazu gehört auch die Fähigkeit zur Selbstkritik, die Glaubwürdigkeit schafft. Ein schlechtes Produkt kann nicht als Wunderwerk verkauft werden. Deshalb muss die PR für eine erfolgreiche Kommunikation auch immer wieder gestalterisch und optimierend in die Unternehmenswirklichkeit eingreifen, bestenfalls bevor die Kommunikation(skampagne) beginnt. Es muss – gerade z.B. bei Krisenprophylaxe – gelten: Bevor die Fassade hell gestrichen wird, muss zunächst die Substanz renoviert werden. Oft muss in solchen Fällen die Unternehmenswirklichkeit angepasst bzw. mitgestaltet werden, so dass die dann folgende Kommunikation authentisch und überprüfbar dieser Wirklichkeit entspricht. Nur so kann sie kritischen Fragen standhalten. In kritischen Situationen haben PR-Profis diesen Einfluss auf Augenhöhe gehabt und haben ihn immer noch. Sie sind damit prädestiniert, künftig noch viel mehr gehört zu werden und sich viel stärker bei der Optimierung von Unternehmenswirklichkeiten einzubringen.

PR hat den Dialog mit Multiplikatoren gelernt

Markenkommunikation wird immer mehr zum Dialog. Marken lassen sich kaum noch zentral steuern, da einem „da draußen“ Zehntausende die Steuerung abnehmen. Auf Facebook, StudiVZ, MySpace etc. geben Involvierte und Engagierte kund, wie sie die Marke sehen. Sie prägen ein neues und womöglich ganz anderes Markenbild, als es den Marketing-Verantwortlichen vorschwebt. Sie sagen, was sie mögen oder was ihnen nicht passt. Sie können Kampagnen verstärken oder zerreißen. Einer sendet. Der andere erwidert. Der Dritte stimmt zu, negiert, ergänzt, kommentiert. Dies tut er nicht nur wie früher am Stammtisch, sondern gegenüber Hunderten, ja Tausenden oder gar Zehntausenden. Das könnte man Dialog „über Bande“ oder Dialog „mit Multiplikation“ nennen. Und PR hat diesen gelernt.  Und vor allem hat PR gelernt, diesen Dialog kontinuierlich, also nicht auf eine Kampagne begrenzt, zu führen, denn Unternehmenskommunikation würde gar nicht anders denn als permanenter Dialog funktionieren.

PR-Profis haben daher die Grundfähigkeit, Kommunikation so zu gestalten, dass sie einem kritischen Dialog standhält. Ja, sie haben das Vermögen, die Dialogfunktion zu nutzen, um die wesentliche Botschaft wider alle kritischen Anmerkungen zu vermitteln. Und sie haben die Erfahrung und das Know-how, schnell auf dynamische Prozesse, auf Veränderungen des Umfelds zu reagieren und dann die Kommunikation anzupassen.

Der PR-Profi hat das Zeug zum Generalisten

Wenn es PR-Profis nun schafften, diese in ihrer Disziplin stets geforderte Fähigkeit zum kritischen Dialog nicht nur beizubehalten, sondern sogar auf die Nachbar-Disziplinen zu übertragen, dann könnte ihnen ein großer Teil der Zukunft gehören. Der PR-Profi hat das Zeug, sich zum Generalisten, zum wirklich integrierten Berater zu entwickeln – zum Unternehmensberater mit Kommunikationsschwerpunkt und mit PR-Herkunft. Und PR-Agenturen haben die Chance, sich – glaubhaft – zu 360-Grad-, zu integrierten Full Service-Agenturen zu entwickeln. Damit übertragen sie ihre in der Vergangenheit herausgebildete Dialogkompetenz, ihre Fähigkeit zur Produktion und Gestaltung von anregenden und involvierenden Inhalten sowie ihren Ansatz, stets tiefer einzutauchen, auf die anderen Disziplinen sowie auf Social Media-Kommunikation. Und diese Chance sollten PR-Profis und -Agenturen ergreifen. Eben auch, weil Social Media kein Werbekanal sind. Auch Direktmarketing oder Event haben nicht die Kompetenz und Erfahrung, die Klaviatur der Social Media zu spielen. In allen Disziplinen und gerade in Social Media sind mehr und mehr Dialog und Inhalte gefragt, die „Engagement“ erzeugen. PR-Profis können das wie kein anderer.

Qype: Ansporn oder Bestrafung?

Qype Blog4 in Qype: Ansporn oder Bestrafung?

Seit Dezember 2007 qype ich. Qype ist ein Bewertungsportal für öffentliche Plätze auf der ganzen Welt. Begeistert davon, dass viele Läden und Plätze in meinem Stadtteil noch nicht bewertet und beschrieben wurden, verfasste ich neue Beiträge, habe mir Listen mit meinen Lieblingsplätzen angelegt, mich mit anderen Usern ausgetauscht, kommentiert und Komplimente vergeben. Ich habe mich über das Insider-Paket mit grünem T-Shirt gefreut, das man erhält, wenn man 250 Qype-Punkte und 15 Bewertungen geschrieben hat, habe fleißig weiter bewertet und bin schließlich mit 1.000 Punkten Qype-Experte geworden.

Immer wieder kamen neue Funktionen hinzu, die auch die eigene Startseite beinträchtigten, was vielen Mitgliedern nicht gefiel. Sie kehrten der Community den Rücken. „Hm“, hab ich gedacht, „is’ ja noch nicht so schlimm, wenn sich mal was ändert. Schließlich leben Communities ja auch davon, dass den Usern immer wieder neuer Funktionen geboten werden.“

Als dann jedoch das Logo von Qype und viele Funktionen der Seite geändert wurden, war ich zugegebenermaßen schockiert. Da fühlt man sich ein Jahr lang (viele ja noch länger) wohl auf seiner grünen Seite und plötzlich findet man sich nicht mehr zurecht und muss sich an das neue, rot-blaue Layout gewöhnen. Diesmal ging ein regelrechter Aufschrei durch die Qype-Community. Das Community-Management lenkte ein und ließ den Usern die Wahl, welches Layout ihnen besser gefällt. Seither kann sich jeder Qyper seine Seite selbst einstellen – in Qype Classic und Qype New. Trotzdem ist es nicht so wie vorher. Das alte Logo hatte sich in den Köpfen eingebrannt, wir hatten Aufkleber und T-Shirts mit dem Logo bekommen und jetzt ist alles anders?

Das war der Zeitpunkt als ich selbst nicht mehr aktiv auf Qype war und es “nur noch” als praktisches Bookmarking Tool und als Suchmaschine genutzt habe. Die “Strafe” folgte vor zwei Tagen, als ich eine Mail mit dem Betreff “system_1000_points_downgrade subject” erhielt. Inhalt: Da ich seit mindestens zwei Monaten keinen Beitrag mehr verfasst habe, wird mir jetzt der Status als “Experte” entzogen. Das fand ich schon frech, da ich dies von anderen Communities nicht so kenne. Meistens bekommt man doch eine Mail, nach dem Motto, die Community hat 200 neue Mitglieder und man soll doch mal wieder reinschauen. Aber einfach so degradiert zu werden? Obwohl man zig neue Beiträge verfasst hat und neuen Content lieferte? Viele haben sich daraufhin lautstark beschwert und gestern erhielt ich über Qype die Nachricht mit dem Betreff “Ihr seid es uns wert”. Auch dieses Mal war der Unmut der Qype-Nutzer über dieses Vorgehen gehört worden und das System werde eingestellt. Es wird jetzt nach einem anderen Weg gesucht, wie man aktive und inaktive Experten auf Qype unterscheiden kann. Was wohl als Ansporn für uns “Nichtaktive” gedacht war, wieder mal einen Beitrag zu schreiben, um somit seinen Expertenstatus wieder zu bekommen, hatte für viele einen sehr negativen Beigeschmack.

Natürlich spielt die Anerkennung in einer Community eine große Rolle und ich kann auch verstehen, dass Experten die noch aktiv sind eigentlich eine höhere Anerkennung verdienen als die, die inaktiv sind. Genau deswegen wurde diese Aktion von Qype auch gestartet. Aber dies durch eine solche Mail den inaktiven Usern mitzuteilen, hat mit Anerkennung nichts zu tun. Aber Qype findet sicher noch eine Lösung damit umzugehen. Vorschläge bietet die Community selbst genügend.

Wieder mal ein Beispiel dafür, dass eine Community ernst genommen werden möchte und auch ernst genommen werden muss. Denn ohne zufriedene Community im Rücken ist eine Plattform wie Qype zum Scheitern verurteilt.

Softwaredownload: Ausweitung der Kampfzone

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Quelle: Bitkom

Wie in vielen Bereichen der Gesellschaft und des Wirtschaftslebens schafft die Online-Revolution auch beim Kauf von Software eine neue Realität. Und lehrt uns: Kaufen ist nicht gleich kaufen! Denn wem rechtmäßig online erworbene Software gehört, ist seit zwei widersprechenden richterlichen Entscheidungen umstritten.

Wer heute eine Software online gekauft hat, kann bis auf weiteres nicht sicher sein, dass er sie auch jederzeit weiterverkaufen kann. Die Hersteller der Software wollen sich die Verfügungshoheit darüber bewahren – und weiten die Kampfzone über den Besitz geistigen Eigentums aus. Umstritten sind nicht nur Urheberrechte, illegale Downloads von Musik und Filmen, sondern eben auch der rechtmäßig Erwerb von Software.

Der Markt für Online-Downloads wächst mit enormem Tempo. Vor kurzem hat der ITK-Branchenverband BITKOM prognostiziert, dass die Deutschen 245 Millionen Euro – und damit über zwanzig Prozent mehr als im Jahr 2008 – für Musik-, Spiele- und Softwaredowloads ausgeben werden. Einen nicht unbeträchtlichen Teil davon machen die reinen Softwarekäufe aus.

Dank einer Spitzfindigkeit in der Definition von Software, die von einem anderen Rechner heruntergeladen wird, rechnen sich die Hersteller gute Chancen aus, den Weiterverkauf der Software unterbinden zu können. Zwar hatte der Bundesgerichtshof im Jahr 2000 entschieden, dass in einem OEM-Paket (üblicherweise ein neuer Rechner und Software) erworbene Software nach dem Herunternehmen vom Rechner vom rechtmäßigen Käufer wieder veräußert werden darf. Doch online von einem zentralen Server geladene Software ist anders. Sie „entsteht“ erst auf dem Rechner des Empfängers, wenn sie entpackt und geöffnet wird. Gerichte in München und Hamburg bewerten es aktuell unterschiedlich, ob die Software gänzlich vom Hersteller heruntergeladen wurde oder ob bei Volumenlizenzen Masterkopien mit zusätzlichen Kopierrechten verkauft wurden.

Im umstrittenen Fall hatte ein Unternehmen eine Softwarelizenz für 100 Mitarbeiter erworben. Weil die Geschäfte schlechter liefen als erwartet, benötigte es aber nur 50 Kopien. Die anderen 50 sollten verkauft werden. Hiergegen legte der Hersteller Einspruch ein. In seinem Rechtsverständnis schafft der Onlinebezug der Masterkopie, von der aus weitere Mitarbeiterlösungen erstellt werden können, kein materielles Werkstück. Erst die Kopie auf dem jeweiligen Rechner würde zur gewünschten Software. Der Hersteller argumentiert, nur ein Recht verkauft zu haben. Verbreitungsrechte gehen aber nicht automatisch auf den Erwerber über. Der Softwareanbieter hat demnach kein Werkstück verkauft und ein Weiterverkauf ist nicht erlaubt. Weder für eine Privatperson noch für eine Firma.

Wenn diese Ansicht höchstrichterlich bestätigt werden sollte, dann ist die simple Gleichung „ich kaufe etwas, also besitze ich es auch“, nur noch beschränkt gültig. Und bis dahin gilt: Wer jetzt Software online in Deutschland erwirbt, kann bis auf weiteres nicht sicher sein, dass er sie weiterverkaufen kann.

Aktualisierung vom 27.07: Ende letzter Woche hat der Branchenverband BITKOM in einer Pressemitteilung mit dem Titel: “Aufgepasst bei Software-Schnäppchen aus zweiter Hand” vor den Fallstricken beim Erwerb von gebrauchten Software-Lizenzen gewarnt. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM): „In vielen Fällen können Software-Lizenzen nicht auf andere Nutzer übertragen werden.“ Nach den neuesten Gerichtsurteilen haben die Software-Hersteller ein klares Mitspracherecht. Weiter unten werden die neuesten Gerichtsurteile zur Thematik vorgestellt.

Mehr unter dazu auf www.bitkom.org

Ein sehr ausführlicher Beitrag von Bernd Reder dazu auch in Network Computing online:

http://www.networkcomputing.de/bitkom-vorsicht-bei-software-schnaeppchen-aus-zweiter-hand/

Kein Event ohne Web-2.0-Strategie

Eine Pressekonferenz war eine Pressekonferenz, ein Kongress ein Kongress. Bisher war das ein klarer Fall. Es galt das gesprochene Wort. Nach Ende der Veranstaltung kam dann die Presse zum Zug und informierte zum Schluss den Leser, Hörer, Zuschauer, der dafür dankbar war und – ganz selten – vielleicht einen Leserbrief schrieb oder das Thema am Stammtisch weiter diskutierte.

Doch die Regeln ändern sich: Web 2.0 hält zunehmend auch in der bisher am wenigsten vom Internet beeinflussten Disziplin der Öffentlichkeitsarbeit ein, der Veranstaltung vor Ort, dem klassischen Event. Immer häufiger wird über Veranstaltungen live im Internet berichtet – nicht unbedingt vom Veranstalter, sondern von Besuchern des Events.

 in Kein Event ohne Web-2.0-Strategie

Twitter Wall beim Barcamp Berlin 2008 (Foto: Blogging Dagger / Flickr)

In der Regel ist Twitter das Medium der Wahl. Man einigt sich auf ein Schlagwort (in der Fachsprache: Hashtag), das die einzelnen Twitter-Textchen eindeutig der Veranstaltung zuordenbar macht, und los geht’s. Vorträge der Referenten werden ebenso kommentiert wie ihre Körpersprache oder vermeintliche Kompetenz – die Grenzen zwischen echter inhaltlicher Bereicherung und zusätzlicher Reichweite auf der einen, Peinlichkeit oder Ehrverletzung auf der anderen Seite sind fließend. Zu fließend.

Dennoch: Veranstalter von Pressekonferenzen, Kongressen, Preisverleihungen und anderen Events sind gut beraten, sich auf diese Entwicklung einzustellen. Noch ist der Trend nicht überall angekommen. Je nach Publikum und Zielgruppe bleibt die Mehrheit öffentlicher Veranstaltungen heute noch von Twitter-Reportern und Kommentaren aus dem anonymen Off unberührt. Doch das wird sich ändern – junge Zielgruppen wachsen nach und werden Schritt für Schritt beginnen, heute noch Web-2.0-freie Events ebenfalls live zu kommentieren. Darauf sollten wir als Public-Relations-Verantwortliche gefasst sein.

Event-Manager und Unternehmenssprecher sollten das Social Web daher von vornherein in ihre Kommunikationsstrategie rund um Veranstaltungen integrieren. Wie das geschieht muss in jedem Einzelfall entschieden werden: Wie kritisch ist das Thema, welche Kommunikationsgewohnheiten haben die Zielgruppen, könnten sich Wettbewerber oder andere Interessengruppen in die Kommunikation rund um das Event einklinken? Wenn das alles geklärt ist, geht es um die konkreten Instrumente. Sogenannte Twitter Walls können ein Ansatz sein, der die eventbegleitende Kommunikation kanalisiert. Dabei handelt es sich um große Displays (Monitore, Beamerlösungen), die das Feedback zur Veranstaltung direkt vor Ort allen Besuchern zu Gesicht bringen. Analog funktionieren Feedback-Kanäle bei Videoübertragungen via Web, hier können Veranstalter den Zuschauern erlauben, neben dem Videofenster zu kommentieren und zu diskutieren.

Was auf diesen Twitter Walls erscheint, das kann, sollte aber nicht zensiert werden. So ist prinzipiell nicht vermeidbar, dass unsachliche, reputationsschädigende und die Interessen des Veranstalters schädigende Bemerkungen plötzlich für alle Gäste sichtbar eingeblendet werden.

Verständlich, dass Kommunikationsverantwortliche Angst vor dem damit einhergehenden Kontrollverlust haben. Doch den Kontrollverlust bringt nicht die Twitter Wall. Ihn bringen die offenen Kommunikationsstrukturen des Web 2.0. Durch die Installation einer Twitter Wall schafft der Veranstalter keine Feedback-Möglichkeit, die es nicht sowieso schon gibt – auch ohne Twitter Wall werden sich die Besucher von Events künftig live vom Handy oder Notebook aus über die Veranstaltung austauschen, mit dem Unterschied, dass es die nicht mobil via Internet Vernetzten unter den Besuchern erst hinterher erfahren.

Digitale Rückkanäle bei Veranstaltungen signalisieren Offenheit und Souveränität

Offenheit signalisiert Souveränität. Veranstalter zeigen durch die Einbindung digitaler Rückkanäle wie Twitter Walls oder Kommentarfenstern bei Webcasts, dass sie das Feedback ihrer Zielgruppen auf dem kommunikativen Radar haben. Sie signalisieren damit Dialogorientierung und Wachsamkeit, ebenso die Zuversicht, dass sie einer öffentlichen Diskussion über ihre Themen gewachsen sind. Wären sie das nicht – wozu das Event?

Natürlich ist es ärgerlich, wenn unqualifizierte oder bösartige Kommentare eine Veranstaltung negativ beeinflussen, vor allem, wenn sie anonym geäußert werden, was einen Zug von Feigheit hat. Twitter Walls haben hier eine nicht zu unterschätzende Schwäche: Werden automatisch alle Tweets mit einem bestimmten Stichwort (Hashtag) während der Veranstaltung im Saal eingeblendet, so kann das Event aus der Anonymität heraus digital sabotiert werden.

Zensur ist keine Lösung

Ganz schön cool, wenn man als Veranstalter so selbstbewusst ist, mit dieser Gefahr zu leben. Doch die Mehrheit der Unternehmen und Institutionen wollen dieses Risiko auch in Zukunft nicht eingehen. Eine Moderation der Kommentare – wie diese in Blogs üblich ist – hat jedoch immer einen schalen Beigeschmack, sie ist sicherlich nicht die beste Lösung. Veranstalter, die sich dafür entscheiden, stehen vor technischen und ethischen Problemen, müssen die Kriterien für eine Filterung klar offenlegen, am besten auf strafrechtlich Relevantes begrenzen, und während des Events zusätzliches Personal für die Kommentarmoderation in Echtzeit bereithalten. Zudem wirkt sich die Moderation natürlich nur auf die Twitter Wall beim Event aus – im Internet steht die Schmähkritik trotzdem, und eine Filterung vor Ort gießt weiter Öl ins Feuer. So viele Nachteile, dass man den Live-Feedbackkanal vielleicht lieber gleich ganz weglässt. Wer will schon mit Zensur in Verbindung gebracht werden!

Vertrauensnetze punkten – wie wäre es mit einer Xing Wall statt einer Twitter Wall?

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Bissige Kommentare während der Vodafone-Pressekonferenz am 8. Juli 2008 (Screenshot: macomber.posterous.com)

Besser als eine Filterung oder Moderation von Kommentaren ist es, auf Vertrauensnetze zu setzen. Twitter selbst bietet dazu die Mechanismen von Folgen und Zurückfolgen – es ist denkbar, auf der Twitterwall nur Tweets aus dem eigenen Twitter-Netzwerk des Veranstalters während des Events zuzulassen. Neue Chancen gibt es auch für die etablierten Social Networks: Bei Facebook, LinkedIn, Xing existieren halbwegs verlässliche Personenprofile und Vertrauensverhältnisse, die sich in soziale Netzwerkstrukturen abbilden. Denkbar, künftig keine Twitterwall anzubieten, sondern einen (Live-!) Feedback-Kanal via Facebook, Xing etc. Bei einer Online-Pressekonferenz von Vodafone gestern am 8. Juli hat das mit Facebook Connect leider nicht so recht funktioniert, im Gegenteil – da auch anonyme Kommentare in dem Facebook-Fenster erlaubt waren heizte sich die Stimmung stark auf, es ließen sich Personen dazu verführen, unter ihrem Echtnamen äußerst polemische Kommentare zu hinterlassen, die für den Moment betrachtet vielleicht “saßen”, langfristig dokumentiert aber vielleicht nicht so vorteilhaft sind – auch für den Urheber.

Meine Idee ist, dass hier die Business-Netzwerke bald ihre Stunde als Feedback-Kanal zu Business-Events erleben: Die Vorstellung eines Live-Feedbackkanals nicht via Twitter oder Facebook, sondern auf Basis von Xing-Mitgliederprofilen, halte ich für recht attraktiv. Gerade weil auf Xing andere Regeln gelten als auf Facebook oder gar Twitter. Eine Funktionalität, die es erlauben würde, bei Veranstaltungen live auf eine Xing Wall statt Twitter Wall zu schreiben, könnte vielen Veranstaltern entgegenkommen. Ich bin gespannt, ob Xing an einem solche Feature arbeitet und es künftig in Kombination mit den Xing-Gruppen oder -Events anbietet.

Live-Feedback via Monitor oder Leinwand bei Pressekonferenzen und Kongressen – weiterhin ein Randphänomen oder bald Mainstream? Gefahr und unnötig oder eine Bereicherung? Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare unter diesem Posting.

Links:
Besucher-Feedback bei DemokratieZweiNull vor allem zur Twitterwall: Video auf Youtube
Dokumentation des Nutzer-Feedbacks zur Vodafone-Pressekonferenz am 8. Juli 2009

Wenn Sie die Diskussion mit mir via Twitter fortsetzen möchten: @jodeleit

New York – impressions from a business trip

The Public Relations Network (PRN) held its first meeting outside of Europe in New York on June 26th and 27th. The meeting was hosted by partner Mantra Public Relations. 15 members from Europe, Australia and America gathered at the Omni Berkshire Hotel on 52nd Street to discuss projects and collaboration within the Network as well as to swap experiences and talk about trends present and future in the world of PR. (here you can find PRN press release; keynotes on the future of publishing and the current state of social media will follow on this blog so stay tuned!)

P6280163 PRNNYJun09-1024x664 in New York – impressions from a business trip

Actually I don’t want to write much about the Big Apple. Those who have been to New York know that it is a feast for the senses – there is just too much to see, to hear, to smell, to taste, and it would not do the City justice to try and describe everything in a short blog posting. (To those who haven’t travel to New York yet: Go there as soon as possible!)

However, I would like to note some of my observations.

Mark Sanford, Farah Fawcett and… Michael JacksonNYT-150x150 in New York – impressions from a business trip
The day I arrived was the day Michael Jackson died. In fact the day began with former American dream girl Farah Fawcett passing away. No, to be honest it started with a live press conference by Governor Mark Sanford who, after going AWOL (absent without leave) for seven days, admitted that he had secretly flown to Argentina to visit a woman with whom he was having an affair. Wiping away the tears, he apologized to his wife and his four sons. CBS, NBC, CNN and all the other stations broadcasted live. Colleagues and experts were in the middle of commentary when suddenly the program was interrupted by the news that Farah Fawcett had passed away after having suffered from cancer. CBS, NBC, CNN and all the other stations broadcasted live. Colleagues and experts were in the middle of commentary when suddenly the program was interrupted by the news that Michael Jackson had been rushed to hospital. CBS, NBC, CNN and all the other stations broadcasted live, at the beginning referring to news brought by the paparazzi news service TMZ.com , showing just a helicopter view of the hospital. Colleagues and experts commented live. What a haunting issue forcing everyone to talk, pray and then mourn – and the media to live-broadcast and to print. Less than 24 hours later at Times Square T-shirts with ”Jacko – R.I.P. 1958-2009“ were sold by the hundreds.

Everybody is in the media business and makes media their business

During the four days I got to know a couple of people and got the impression that in Manhattan everyone is in the media business. I met an ad, video and documentary producer turned Social Media Content Strategist, a publisher of print magazines and a lot of PR people. Walking down the streets you see all those skyscrapers belonging to Condé Nast, Murray Hill, CBS or NBC, and at each corner there is a camera team making a film, interviewing passers-by. There was a live TV broadcasting from outside our hotel and I very nearly appeared in the video on New York’s Pride Parade on Michael Bloomberg’s website ((www.michaelbloomberg.com)); you can see my arm…

IMG 3360-150x150 in New York – impressions from a business tripCelebrities
Talking about famous people. I was standing two meters away from New York’s Mayor Mike Bloomberg and I had a close-up of the Chief of New York Police Department. I saw the legendary Hotel Chelsea and read ”The Guide To Spotting Celebrities In New York City“ (e. g. Halle Berry at Barney’s and Paris Hilton at Butter). I saw so many stretch limousines and I am sure that behind each black window there was a celebrity, a politician or a business tycoon on his way to a cocktail party or a concert. (Okay I have to admit that in Little Italy the driver of one of black stretch limos offered us a ride ”forr the same prrice as a cab“.)

Reasonable and unreasonable prices
Thanks to the relatively strong Euro the US is still not too expensive for us Europeans. From JFK airport to any place in Manhattan there is a taxi flat rate of 45 Dollars (+ toll + tip), a good price for a 45 minutes trip, satellite-based onboard entertainment with satnav and news service included. The luxurious hotel ($199 per room) offered free WLAN in the room and free morning coffee. The daily rate for WLAN in our meeting room would have been $1,100, the costs for the rental of a video projector $1,100 per day.

IMG 3322-150x150 in New York – impressions from a business tripApple Store
I visited the Apple Store at 767 Fifth Ave. in front of the Plaza Hotel. The cathedral of the Apple disciplines is open 24/365. Located underground it can be entered by a glass cube via glass stairs. Just for your information: There is nothing for free, you have to pay for iPhone, iPod, MacBook & Co. – but really – the last time I saw crowds like this were at the CeBIT trade fair years ago! Dozens, no, it must have been hundreds of Apple fans were queuing to see and test-drive one of exhibited products or to get a personal shopping experience. To be successful you have to be hard-nosed or make a reservation in advance via the store’s website. Buy an iPod or rather buy Apple stocks!

Red Skies over Twitter P6270061 PRNNYJun09-150x150 in New York – impressions from a business trip
In Chinatown we saw a strange weather phenomena following a heavy thunderstorm: A green-yellow-purple sky with extraordinary clouds shaped like huge balloons. The setting sun dipped the buildings in surreal bright colors. What an experience! And what a flood of tweets and Flicker photos on this meteorological anomaly the next day!

And even more
By coincidence we saw the Pride Parade on Fifth Ave. (“40 years of Stonewall riots”), there was model shooting at Abercrombie & Fitch, in the Financial District they prepared a film set, some of the photos taken from on top of the Rockefeller Center show a wonderful rainbow…

We twittered on the PRN meeting; just follow #PRN@NYC.

http://fehlermeldungen.pons.eu/?p=155