Archiv für Oktober, 2009

Wochenende – und Ende der Publikationshoheit

Photocase-Marc-Walter-Zutritt-verboten-300x199 in Wochenende - und Ende der PublikationshoheitGleich mehrfach hat sich in der zu Ende gehenden Woche wieder gezeigt, wie schnell sich die Spielregeln in der Online-Kommunikation ändern. Wenn Sie, lieber Leser, nicht ganz tief in der Web-2.0-Materie stecken, so werden Ihnen die Indizien für besagte Dynamik, die ich gleich aufzähle, eher exotisch, technikverliebt, vielleicht sogar nicht wirklich relevant vorkommen:

• Twitter-Listen: Das ganz große Thema im Social Web war in der zurückliegenden Woche die breite Einführung frei zusammenstellbarer Listen von Nutzern bei Twitter. Twitterer können andere Teilnehmer auf diese Weise kategorisieren. Andere Menschen haben so die Chance, sich rascher einen Überblick zu verschaffen, wer die tonangebenden Nutzer zu speziellen Themengebieten sind. Neben der Zahl der Follower gelten Twitter-Listen bereits heute als wichtiger neuer Maßstab zur Bewertung der Reputation und Reichweite eines Twitter-Accounts. Sie werden prominent im Twitter-Profil dargestellt – natürlich wieder primär quantitativ, wie wir es von Twitter kennen. In welchen Listen er auftaucht, kann der Inhaber eines Accounts nur begrenzt beeinflussen – Crowdsourcing findet statt, plötzlich werden Sie als Twitterer von der Netzgemeinde bewertet und in Schubladen gesteckt. Wohl dem, der eine gute Reputation aufgebaut hat. Schade für die, die es in keine Listen schaffen – oder in negativ behaftete.

• Google Sidewiki für alle Browser: Google Sidwewiki bietet Internetnutzern die Möglichkeit, beliebige Internetseiten oder bestimmte Passagen auf diesen Internetseiten zu kommentieren oder zu ergänzen. War bisher nach dem Start im September ein spezielles Plugin zur Nutzung erforderlich, so können jetzt Nutzer aller Browser mit einem simplen Bookmarklet auf Sidewiki zugreifen. Welche Inhalte in Google Sidewiki prominenter und welche weiter unten in der Ergebnisliste dargestellt werden – Google berechnet es in altbewährter Manier anhand eigener Algorithmen. Die Reputation des Absenders eines Kommentars spielt eine wichtigere Rolle als die Aktualität. Einmal veröffentlichte Sidewiki-Einträge zu Webseiten als Betroffener entfernt zu kriegen – möglich, wenn Sie Google von der Unredlichkeit des Kommentars überzeugen. Mit anderen Worten: schier unmöglich. Und nicht unproblematisch.

• Google Social Search: Im Betatest hat Google jetzt auch eine Funktion, die dem Recherchierenden in den Ergebnissen explizit Content anzeigt, den Personen aus seinem eigenen sozialen Umfeld veröffentlicht haben. Dabei bedient sich Google der in Zukunft immer wichtiger werdenden Google Profiles sowie der sozialen Netze bei Twitter und Friendfeed, die zu diesem Zweck ausgewertet werden.

• Die immer rascher voranschreitende Ausbreitung mobiler Tagging-Anwendungen: Verspielte Applikationen wie Gowalla oder Foursquare sind im Moment der neueste Hit der Digitalen Bohème. Das Ganze funktioniert so: Wer mit seinem Android-Handy, iPhone oder anderem schicken Smartphone an einem für ihn relevanten Ort ankommt, der hat – gehört er zu eben jener Digitalen Bohème – nicht besseres zu tun, als dort einen „Spot“ zu begründen und den Ort spielerisch zu „taggen“, also mit Kommentaren oder anderen digitalen Spuren zu versehen.

All diese Themen mögen auf weniger technikaffine Zeitgenossen ein wenig freaky, oder nerdig, wie man heute sagt,  wirken. All diese Themen stehen aus meiner Sicht jedoch gemeinsam für einen ungemein rapiden Wandel: Wir haben nicht mehr die Publikationshoheit, was unsere Marke betrifft. Ob Unternehmen oder Privatperson. Ob Internetseite oder realer Ort da draußen. Alles kann von jedem getaggt, mit Kommentaren versehen in einen anderen als den vom Eigentümer geplanten Kontext gebracht werden.

Die Spielregeln bestimmen dabei Startups in Silicon Valley. Oder ausgewachsene Startups wie Google. Kontrollverlust pur. Wer nur reagiert, kommt zu spät. Einzig sinnvolles Vorgehen: Rechtzeitig eine Strategie entwickeln, die alle neuen, dezentralen, nicht beherrschbaren Kommunikationswege mit einbezieht und auf den langfristigen Aufbau positiver digitaler Reputation setzt.

Wenn Sie jetzt immer noch keine Angst haben und ein wenig spielen möchten: Das Video unten erklärt Google Sidewiki; und hier können Sie das entsprechende Bookmarklet für Ihren Browser ganz einfach installieren. Wie wäre es, wenn Sie gleich hier auf dieser Seite einen Sidewiki-Eintrag hinerließen? Ich würde mich freuen. Aber Achtung: Ihre Experimente wirken sich unmittelbar auf die eigene Reputation aus – wie unter anderem belegt, dass Google automatisch einen neuen Sidewiki-Eintrag in meinem persönlichen Google-Profil angelegt hat, nachdem ich meinen ersten Sidewiki-Kommentar gepostet hatte. Beeindruckend.

Freue mich auf Ihre Kommentare – wo auch immer Icon Smile in Wochenende - und Ende der Publikationshoheit

@jodeleit

Bild: Marc Walter / Photocase

Social Media: Startschuss für den Dialog

Seit dem GPRA dialoq zu Social Media in München sind einige Tage vergangen, die neuen Kontakte pflegen wir über Xing, Twitter und natürlich auch persönlich, und auch das Debriefng mit allen Beteiligten haben wir absolviert. Zeit für eine kurze Nachbetrachtung, aber auch Gelegenheit für einen Ausblick.

Beeindruckend war sicher das überwältigende positive Feedback zur Veranstaltung (“Selten habe ich eine nützlichere und bessere Überziehung der vorgesehenen Veranstaltungszeit erlebt”, “kurzweiliger und hochinteressanter Abend“, “Klasse Diskussion!“). Interessant auch, wie sehr die Veranstaltung auch Tage später noch die Branche bewegt. Das ist Beleg, dass das Thema einen Nerv getroffen hat. Marketing-Verantwortliche und Pressesprecher begreifen zusehends, dass sich die Unternehmenskommunikation und damit ihre Rolle verändert. Vom alleinigen Sprachrohr und Hüter der Unternehmensbotschaften, zum Berater in allen Fragen der Unternehmensdarstellung und Dirigenten des Mitarbeiter-Chors , der künftig einen großen Teil des Images und Auftritts des Unternehmens prägt.

Die Veranstaltung ist für Sympra daher erst der Auftakt: Wir werden das Thema Social hier in unserem Blog, im Web, in Social Media Coachings und auf Veranstaltungen und Diskussionsrunden weiter vertiefen. Besonders freuen wir uns über den persönlichen Dialog und den Austausch mit anderen PR- und Medien-Schaffenden in Unternehmen, Verbänden und Redaktion.

Sie können  eine Videoaufzeichnung der Veranstaltung verfolgen und die Sympra-Präsentationsfolien abrufen:

View more presentations from sympra.

13. Oktober, 18 Uhr: Twitter in der Unternehmenskommunikation

Twitter – schnell, ungefiltert, reichweitenstark: der Kommunikationsturbo schlechthin. Groß ist die Versuchung, die Chancen des Microblogging-Diensts für das eigene Unternehmen einmal auszutesten. Allerdings existieren auch Gefahren – und große Ratlosigkeit bei der Frage, wen Unternehmen via Twitter erreichen und wie sie das am besten anstellen.

Vielleicht helfen einige gute Beispiele! Diese hat heute Abend die MFG Baden-Württemberg versammelt; Sympra moderiert das restlos ausverkaufte Event der MFG Baden-Württemberg im Stuttgarter Literaturhaus. Den Audiostream können Sie am heutigen Dienstag, 13. Oktober, ab 18 Uhr mit dem hier eingebetteten Player verfolgen.

Update (14. Oktober): Die Aufzeichnungen sind nun verfügbar:
http://www.1000mikes.com/show/mfg_badenwuerttemberg_live

7. Oktober, 18.20 Uhr: Web-TV live – Die Wahrheit über Twitter, Blogs und soziale Netzwerke

Social Media – Zukunft der Kommunikation
oder Spielzeug für Web-Geeks?
Die Wahrheit über Twitter,
Blogs und soziale Netzwerke

Zap in 7. Oktober, 18.20 Uhr: Web-TV live - Die Wahrheit über Twitter, Blogs und soziale Netzwerke

Zaplive-Kanal zum Event

Die Veranstaltung unter diesem Motto, die Sympra morgen zusammen mit der Gesellschaft Public Relations Agenturen e.V. (GPRA) und drei befreundeten Agenturen in München durchführt, ist seit Tagen restlos ausgebucht. Es besteht aber die Möglichkeit, den Abend live im Internet zu verfolgen und sich via Twitter mit dem Hashtag #gpracsm an der Diskussion zu beteiligen. Am Veranstaltungsort wird eine Twitterwall installiert sein, die Ihre Beiträge für Publikum und Vortragende sichtbar macht. Ab 18.20 Uhr werden die Vorträge und die Diskussion auf der WebTV-Plattform Zaplive übertragen. Die Veranstaltung  können Sie aber auch über den hier in diesem Beitrag eingebundenen Player verfolgen!

Mehr zur Veranstaltung bei der Gesellschaft Public Relations Agenturen e.V. (GPRA).

Wir freuen uns, wenn Sie mit dabei sind!

Die Sympra-Präsentationsfolien (Vortrag nach Plan gegen 19.30 Uhr) sind ab sofort hier sowie bei Sympra einsehbar.