Archiv für November, 2009

Soziale Netze werden mobil – Marketing und PR auch

Karsten Jipp Photocase Funkturm-300x300 in Soziale Netze werden mobil - Marketing und PR auch

Social Networks werden drahtlos (Karsten Jipp | photocase.de)

Noch nie waren die Konvergenztrends in der Kreativwirtschaft so stark wie heute. Diese Erkenntnis prägt nicht nur unsere Öffentlichkeitsarbeit zum Creativity World Forum, das am 1. und 2. Dezember in Ludwigsburg stattfindet und von Sympra in den vergangenen Monaten sehr erfolgreich begleitet wurde, sondern vor allem auch unsere tägliche Arbeit. Marketing und Public Relations entwickeln aufgrund von Social Media und Social Networking Überschneidungen, die es in diesem Maße bisher nicht gab. Auch Community Management und PR sind sich näher denn je. Eine weitere Branche, die aus unserer Perspektive immer häufiger erkennt, dass die Zusammenarbeit mit einer internetaffinen PR-Agentur neue Marktpotenziale erschließen kann, ist die SEO. Die Sympathie beruht auf Gegenseitigkeit: Wir PR-Verantwortlichen wissen, dass ohne Linkbuilding und suchmaschinengerechte Websites die Kommunikationsarbeit viel schwieriger ist, vor allem, weil es heute immer mehr um Pull statt Push geht. Die SEO dagegen sieht immer häufiger, dass erfolgreiche Präsenz im Web sich heutzutage nicht mehr mit rein technischen Mitteln erreichen lässt. Dazu gehören Networking, gute Inhalte, Glaubwürdigkeit, Transparenz und strategische Planung und Folgenabschätzung.

Eine interessante Chance, die sich aus der der immer stärker werdenden branchenübergreifenden Zusammenarbeit für mich ergab, war die Einladung zur Search Engine Strategies (SES) in Berlin, wo ich gestern zum Thema “Web meets Location – Mobile Social Media Relations” referieren durfte. Zielgruppe: SEO-Experten, eventuell auch einige wenige Kunden von SEOlern (Experten schienen klar in der Überzahl gewesen zu sein).

Da die Slideshare-Folien zum Thema bereits innerhalb der ersten 24 Stunden mehr als 800-mal abgerufen wurden, möchte ich sie auch hier im Blog zur Verfügung und zur Diskussion stellen.


Eine kurze Zusammenfassung der Inhalte:

Location Based Services haben den Hype hinter sich

Location Based Services, Location Aware Applications sind im Moment stark im Gespräch, die Web-2.0-Szene testet sie intensiv. Doch der erste Hype zum Thema LBS liegt schon Jahre zurück: Um die Jahrtausendwende hatte die Mobilfunkbranche im Rahmen der Einführung von UMTS versucht, Location Based Services auf den Markt zu bringen. Sie scheiterte kläglich, da die Endgeräte mangels Displaygüte und Prozessorleistung nicht für den mobilen Informationsabruf geeignet und auch die Tarife prohibitiv waren. Das Ganze war einfach ein Frühstart. Der mediale Hype sorgte dafür, dass das Thema bis auf Weiteres verheizt war.

Mobile Social Networks und Games: Der Stand der Dinge

Hier habe ich im Vortrag einige aktuelle Location Based Services und Location Based Games vorgestellt. Brightkite nannte ich als frühes Beispiel, das in jüngster Zeit leider jegliche Dynamik vermissen lässt. aka-aki habe ich als Studenten-Startup aus Berlin vorgestellt, das bereits erfolgreich internationalisiert, neues Kapital eingesammelt hat und angekündigt hat, sein Location Based Mobile Network und Mobile Gaming zu erweitern. Foursquare erwähnte ich als aktuell unglaublich populären Dienst, der auf marketingtechnisch interessante Verschmelzungseffekte von virtueller und realer Welt setzt: Wer an einem bestimmten Ort am häufigsten eincheckt, ist dort der “Mayor”, erhält in manchen US-Cafés eine kostenlose Kaffee-Flatrate. Gowalla spielt stark mit dem Jäger- und Sammler-Instinkt, man kann bei diesem Location Based Game unterwegs Gegenstände finden, ablegen, eintauschen. Gemeinsam haben all diese Location Based Social Networks und Games, dass sie zugleich Clients für Twitter und Facebook sind. (Warum schreibe ich eigentlich nicht gleich auf Englisch?)

Die Rolle von Google und Facebook bei Mobile Social Networking

Ein zentraler Punkt im Vortrag waren die mobilen Angebote von Facebook und Google, da ich davon ausgehe, dass diese beiden Internetmarken nicht nur die Entwicklung maßgeblich voran- und die Mobilfunker vor sich hertreiben werden. Ich denke auch, dass die große Schlacht um die Vorherrschaft bei Location Based Marketing sich zwischen Google und Facebook abspielen wird, viele kleinere Anbieter dagegen wieder vom Markt verschwinden werden. In meinem Vortrag habe ich im Wesentlichen erklärt, dass Facebook Aufholbedarf hat, da das Social Network im Moment noch keine eingebaute Geo-Funktionalität hat, noch nicht “location aware” ist. Anzunehmen, dass Facebook demnächst eine Überraschung aus dem Hut zaubert oder beispielsweise eines der aktuell so erfolgreichen Startups im Segment Location Based Networking kauft.

Kein wirklich schlafender Riese, auch wenn es auf den ersten Blick so wirkt, ist aus meiner Sicht Google mit seinem Location Based Social Network “Latitude”. Ganz leise werden immer neue Funktionen integriert, und auch wenn der Dienst im Moment überhaupt nicht populär ist – unter anderem, weil Apple Google beim Thema iPhone-Client ausgebremst hat und sicherlich auch wegen der Datenschutzbedenken mancher potenzieller Nutzer – hat er meines Erachtens noch eine große Zukunft vor sich. Das gilt vor allem, wenn Google die unterschiedlichen Bausteine seines Social Networks zusammenfügt, als da unter anderem wären: Google Profiles, Google Friend Connect, Latitude, Reader und andere mehr.

Ausblick und Chancen

Eins ist für mich sicher: Der Markt für Location Based Social Networking wird innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre zu einem Massenmarkt werden – und darin stecken sehr große Chancen fürs Marketing, aber auch für Public Relations. Orte können von Nutzern mobil verschlagwortet oder mit Anmerkungen angereichert werden. Das können Fotos, Videos sein, Notizen oder Bewertungen. Unternehmen und Organisationen müssen sich frühzeitig darauf einstellen, die geobasierten Social Networks und deren Bedeutung zu beobachten – und zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Instrumenten auf den Zug aufspringen.

Es gilt das Gleiche wie immer: Das Ganze muss im Auge behalten und zu gegebenem Zeitpunkt sorgsam in die Kommunikationsstrategie eingebunden werden. Mobile Social Media werden die Trends verstärken, die wir im Moment bereits bei Social Media sehen. Mehr Dialog, weniger Privatsphäre, mehr User Generated Content – das Social Web wird sich durch die Mobilisierung noch schneller drehen. Und unser Job hier bei Sympra wird noch spannender.

Wie wird Mobile Social Media und Networking unsere Kommunikation beeinflussen?
Welche Chancen und Risiken ergeben sich für Unternehmen, für Marketing und PR?
Über Anmerkungen und Anregungen würde ich mich freuen!

Sind wir reif?

Weltkompakt Baecker in Sind wir reif?

Eine junge Zeitung, die ihre Konkurrenz nicht länger in anderen Tageszeitungen sieht, sondern in den immer erfolgreicheren Online-Angeboten. Eine kritische Zielgruppe, die mehr Zeit im Netz verbringt, als in jedem anderen Medium. Eine authentische Kampagne, die ein großes Kulturphänomen aufgreift: unser alltägliches Verhalten im Umgang mit einem Medium, ohne das wir alle nicht mehr leben können. Es geht um die WELT KOMPAKT. Die Sympra-Partneragentur DORTEN hat hierfür eine sehr bemerkenswerte Strategie und Kampagne entwickelt. Dazu ein kurzes Interview mit DORTEN-Geschäftsführer Christian Schwarm.

Christian, bislang fiel DORTEN gerade nicht mit klassischen Werbekampagnen auf. Wie passt das zu Eurer Positionierung?
Wer wirklich frei und medienunabhängig denkt, darf die klassischen Kanäle natürlich nicht ausschließen. Unsere Kunden schätzen uns gerade dafür, dass wir das Marketing-Spielfeld maximieren und in den meisten Fällen ungewöhnliche Wege mit ihnen gehen. Aber selbst diese sind ja kein Selbstzweck. Es ist unser wichtigster Anspruch, dass wir zunächst immer die richtige Strategie und die beste Idee entwickeln und erst dann nach den angemessenen Kanälen und Medien schauen. Genau so sind wir auch in diesem Fall vorgegangen: Wir halten es für die richtige Strategie, diese Zeitung Menschen nahezubringen, die vielleicht gar keine Tageszeitung mehr lesen. Und wir glauben fest daran, dass wir in dieser Kampagne ein interessantes Kulturphänomen bespielen oder sogar “besprechen”, welches noch nicht ausreichend beachtet wird. Dieses Phänomen – nämlich unser sich andauernd veränderndes, manchmal sogar unbewusstes Verhalten im Umgang mit dem Internet – ist in diesem Fall das Kommunikationsformat, nicht die daraus resultierenden Anzeigen, Plakate oder TV-Spots. Unser (übrigens sehr ehrgeiziges) Ziel ist es, mit dieser Kampagne eine hoffentlich kontroverse Diskussion über unsere Medienmarotten und über unsere Medienkompetenz auszulösen: Wir alle lieben das Internet, aber sind wir ihm wirklich schon gewachsen? Beherrschen wir noch das Medium oder das Medium längst uns? Um aber in unserer Gesellschaft einen solchen Dialog anzustoßen, braucht es sicher eine treffsichere Flanke. Und die kommt in diesem Fall auch über ganz klassische Kanäle.

Was unterscheidet diese Kampagne Eurer Ansicht nach von herkömmlicher Werbung?
Am Ende hoffentlich die Wirkung … schließlich geht es unterm Strich darum, Menschen für dieses neue Zeitungskonzept zu begeistern und als Leser zu gewinnen. In der Machart sind wir uns treu geblieben und konnten zum Beispiel den jungen Künstler und Fotografen Sascha Weidner für eine Zusammenarbeit gewinnen. Die meisten Motive stammen aus seinem umfangreichen Bilderfundus. Sascha fotografiert seit Jahren sein Umfeld, seine ungestellte Realität. Genau das hat uns an seinen Fotos gereizt. Den größten Teil des Grundlagenmaterials für die Kino- und TV-Spots haben wir bei Youtube gefunden und dann den entsprechenden Macher kontaktiert. Unsere Sprecherin ist selbst Teil unserer Zielgruppe und steht hinter dem, was sie da erzählt. Und sogar die Musik für die Radiospots stammt von zwei jungen ausländischen Künstlern und eben nicht von irgendwelchen Reklamekomponisten. Darüber hinaus ist es ganz und gar nicht selbstverständlich, dass ein Kunde den Mut hat, in einer Kampagne nicht von sich selbst oder seinem Produkt zu sprechen, sondern stattdessen gesellschaftliche Verhaltensänderungen beschreibt. Diese fast schon journalistische Vogelperspektive macht die Kampagne für uns zu etwas Besonderem. Übrigens trägt die Redaktion der WELT KOMPAKT das einhundertprozentig mit. Es werden viele Artikel in der Zeitung erscheinen, die unser aller Internet-Verhalten zum Inhalt haben werden und dieses – wie auch die Kampagne – liebevoll, mit großem Augenzwinkern aber eben nicht unkritisch begleiten.

Von Dorten stammt auch der neue Kampagnen-Claim der WELT KOMPAKT: “Kurz. Anders. Gedruckt.” Ist es überhaupt sinnvoll, einer internet-orientierten Zielgruppe noch bedrucktes Papier verkaufen zu wollen?
Ich glaube definitiv nicht daran, dass das Internet alle Tageszeitungen verdrängen oder gar überflüssig machen wird. Allerdings: unser Medienkonsum verändert sich mit einem unglaublichen Tempo und jede Tageszeitung sollte sich heute ein paar ganz grundsätzliche Fragen stellen, zum Beispiel, ob sie noch in das Leben ihrer Wunschleser passt – inhaltlich wie funktionell. Die WELT KOMPAKT hat sich in den letzten Jahren antizyklisch, also gegen den schwierigen Tageszeitungsmarkt toll entwickelt und scheint daher vieles richtig zu machen. Unser Kampagnenclaim soll genau das transportieren: Diese Zeitung informiert ihre Leser schnell und übersichtlich, sie präsentiert andere, viel jüngere Inhalte, aber sie ist und bleibt nach wie vor eine Zeitung und steht selbstbewusst zu sich selbst. Eben kurz, anders, gedruckt.

Vielen Dank!

Nachklapp am Freitag, 27.11.2009, 11.10:  Einen interessanten Beitrag zur Kampagne bringt heute der PR REPORT: http://prreport.de/aktuell/aktuell/news-public/article/955-welt-kompakt-noch-lange-nicht-reif/


Weltkompakt Freunde in Sind wir reif?

Weltkompakt Mama in Sind wir reif?

Welcher Branche vertrauen die Deutschen?

„Vertrauen ist zur wichtigen Währung im Urteil von Personen und Institutionen geworden. Zum einen weil unsere Gesellschaft so komplex geworden ist, dass sie niemand mehr versteht und zum anderen weil durch das Internet sämtliche Prozesse und Verhaltensweisen transparent sind“, erläutert Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer von TNS Emnid. Da das Schaffen von Vertrauen eine zentrale Aufgabe der PR ist, betrachtet unser Branchenverband, die GPRA, zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut Emnid ab sofort viermal jährlich die Vertrauenswerte von Unternehmen und Institutionen. Dabei beleuchtet der Index acht verschiedene Branchen:

- Gesundheitsbranche
- Automobilbranche
- Energie- und Wasser¬versorger
- Informationstechnologie
- Finanzbranche
- Lebensmittelindustrie
- Chemische Industrie
- Verkehrs- und Transportunternehmen

Die Ergebnisse der ersten Erhebung zeigen, dass die Deutschen der Lebensmittelbranche das meiste Vertrauen schenken. Grund zum Jubeln gibt es jedoch bei einem Indexwert von 42,1 von 100 möglichen Punkten keinen. Klare Verlierer des GPRA-Vertrauensindex sind die krisengeschüttelte Finanzbranche und die Energieindustrie. Bei der Betrachtung der Einzelergebnisse wird deutlich, dass beide unter einem massiven Glaubwürdigkeitsproblem leiden: Nur rund 20 % Prozent der deutschen Bevölkerung vertrauen den Aussagen dieser Branchen

Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer computergestützten persönlichen Befragung (CAPI) erhoben. Dabei wurden vier verschiedene Bereiche von Vertrauen überprüft.

Ehrlichkeit-300x225 in Welcher Branche vertrauen die Deutschen?

Vertrauensindex Teilbereich Ehrlichkeit

Verantwortung1-300x225 in Welcher Branche vertrauen die Deutschen?

Vertrauensindex Teilbereich Gesellschaftliche Verantwortung

Mitarbeiter-300x225 in Welcher Branche vertrauen die Deutschen?

Vertrauensindex Teilbereich Umgang mit Mitarbeitern

Kunden-300x225 in Welcher Branche vertrauen die Deutschen?

Vertrauensindex Teilbereich Umgang mit Kunden

Der Indexwert gewichtet die vier Dimensionen und stellt so das Vertrauensniveau der deutschen Bevölkerung dar.

Unbenannt in Welcher Branche vertrauen die Deutschen?

Aus dieser Studie kann man aus der Sicht der PR nun zweierlei Schlüsse ziehen.
- Leistungen und Verhalten der einzelnen Branchen sind nicht zufriedenstellend
- Leistungen und Verhalten der Branchen sind zwar zufriedenstellend, werden allerdings nicht oder schlecht nach außen transportiert.
Im ersten Fall können auch PR und Werbung nicht viel ausrichten. Ein mündiger Bürger wird sich kein X für ein U vormachen lassen und Vertrauen nur dann aussprechen, wenn er es auch für berechtigt hält. Die PR-Branche kann nur hoffen, dass es sich um den zweiten Fall handelt. Dann bedarf es allerdings neben einer Verbesserung der Qualität weiterer missionarischer Anstrengungen gegenüber den Kunden, um ihnen die Leistungen professioneller PR-Arbeit klar zu machen.

Mehr dazu: http://www.pr-guide.de/index.php?id=384

iPhone-Apps: Marketing aus dem Baukasten?

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Seit Anfang November 2009 arbeite ich bei Sympra an meiner Diplomarbeit „Unternehmenskommunikation auf mobilen Endgeräten (im speziellen iPhone) im Zeitalter des Web 2.0“. Dabei möchte ich unter Anderem herausfinden, unter welchen Umständen iPhone-Apps Unternehmen tatsächlich Vorteile im Bereich Marketing und PR verschaffen können.

Was sind überhaupt diese „Apps“? Kleine Applikationen, Programme, die entweder kostenlos oder gegen eine Gebühr auf dem Gerät installiert werden und dem Nutzer dann Zusatzfunktionen bieten.

Ein neuer Vertriebsweg für Software entsteht, und die Dynamik ist wirklich beeindruckend, wie einige Zahlen belegen: Mehr als zwei Milliarden Mal haben Nutzer bereits Applikationen für das iPhone aus dem App Store von Apple heruntergeladen. Mittlerweile existieren dort mehr als 100.000 Apps. Täglich werden rund 6,6 Millionen Apps heruntergeladen.

Diese Zahlen versprechen ein enormes Potenzial. Dennoch nutzen die wenigsten Unternehmen bislang Apps als neuen Kommunikationskanal. Zu teuer die Entwicklung, zu groß die Herausforderungen beim Bekanntmachen der App, zu groß das insgesamt einzukalkulierende Risiko.

Eine Lösung für kleine Unternehmen könnten Baukastensysteme sein. Bei meiner Recherche bin ich auf ein solches gestoßen: http://swebapps.com ist eine Online-Plattform zur Entwicklung eigener Apps mit wenigen Klicks. Kostengünstig kann ein Unternehmen seine eigene Anwendung  innerhalb weniger Minuten erstellen. Wie das geht, zeigt das Video:

SwebApps 2.0 from Magaly Chocano on Vimeo.

Auf der Plattform sind zahlreiche Funktionen abrufbar. Interaktiver Rückkanal, Einbindung von Twitter – alles kein Problem. Doch was das Baukastensystem nicht liefert, ist die passende Strategie.

Dabei ist gerade die besonders wichtig. Während Baukasten-Apps für Großunternehmen uninteressant sind, fehlt bei den in Frage kommenden kleinen und mittleren Firmen häufig das Know-how in Sachen Mobile Marketing. Beratungsbedarf gibt es insbesondere in Sachen

  • Nutzer-Demografie und Affinität der Zielgruppen:
    Besteht eine gewisse Deckungsgleichheit zwischen den typischen iPhone-Nutzern und den anzusprechenden potenziellen Kunden?
  • emotionale Strahlkraft der Marke oder Einzigartigkeit/Nutzerwert der App:
    Eine iPhone-Applikation, die lediglich die im Web verfügbaren Informationen zu einem Produkt oder einer Dienstleistung wiederkäut dürfte nicht attraktiv genug sein, um auch nur den Hauch einer Chance im Dschungel der Vielfalt haben, die in Apples App-Store herrscht
  • Einbindung in einen PR-/Marketing-Mix:
    Eine App allein wird nicht viel bewegen, wenn sie nicht von begleitenden Maßnahmen gestützt wird. Social Media Relations und Aktivitäten in Social Networks sind beispielsweise dazu geeignet, iPhone-Apps erfolgreich zu machen.



Nicht unwahrscheinlich, dass das Angebot an vorgefertigten Modulen für Apps künftig weiter wächst. Ich sehe hier einen ähnlichen Markt wie für Content-Management-Systeme wie Joomla. Auch sie ermöglichen ein komfortables Veröffentlichen von Inhalten – befreien den Websitebetreiber allerdings genauso wenig von der Notwendigkeit, Strategie und Konzept zu erstellen.

(Foto: mindonfire | flickr, Lizenz)

Gowalla und Foursquare erobern das Land

Gowalla-300x300 in Gowalla und Foursquare erobern das Land

Gowalla & Co.: Location Based Games

Die deutsche Geek-Szene hat mal wieder ein neues Spielzeug bekommen, und im Moment kann man häufiger folgende Szene auf Berlins Straßen beobachten: Menschen bleiben vor Lokalen stehen, zücken ihr iPhone oder Android aus der Tasche, verharren für einen einen kleinen Moment an Ort und Stelle, um erst dann das Lokal zu betreten.

Der Grund: Die beiden Location-Based Social Networks Gowalla und Foursquare haben Deutschland erreicht.

Location-Based Social Networks sind zwar in Summe nicht neu, gibt es neben Brightkite aus den USA mit Plazes einen prominenten Vertreter aus deutschen Landen, aber die zweite Generation ihrer Art weist einen erheblichen Unterschied zu den Vertretern der ersten Generation aus:

Man nutzt spielt Gowalla und Foursquare!

Beide Services haben zwar mit ihren Vorgänger im weitesten Sinne den gleichen Nutzen inne – nämlich den eigenen Freunden mitzuteilen, wo man sich gerade aufhält – aber der Anreiz die Applikation wirklich häufig zu nutzen ist ein völlig anderer geworden.

Der Gaming-Faktor

Beide Applikationen belohnen ihre Nutzer für Aktivität und schaffen Möglichkeiten, sich mit seinen Freunden zu vergleichen. Somit entstehen zusätzlich zum eigentlichen Nutzen zwei weitere Anreize:

  1. virtuellen Belohnungen zu sammeln
  2. besser als die eigenen Freunde zu sein

Der Ansatz von Gowalla fokussiert sich dabei um virtuelle Güter und Badges, die man erhalten kann. Je häufiger man eincheckt und eigene Orte anlegt, um so mehr Badges kann man freischalten. An jedem Ort gibt es dabei die Möglichkeit neue Items zu sammeln und diese mit anderen zu tauschen.

Diese Items haben dabei eine unterschiedliche Knappheit und somit wird hier auf einen der ältesten Anreize (Jäger und Sammler) überhaupt aufgebaut. Wird Gowalla zur Briefmarkensammlung des “Digital Native”?

Foursquare setzt ebenfalls auf Badges, um Aktivität zu belohnen, hat aber wiederum keine virtuellen Güter zu bieten, dafür aber das Konzept der “Mayors”. Die Person, die an einem Ort am häufigsten eincheckt, ist der Mayor der Location und wird als dieser auch besonders gekennzeichnet.

Beiden Plattformen bieten grundsätzlich die Möglichkeit, sich mit seinen Freunden zu vergleichen, um zu sehen, wer der Aktivste ist, wobei hier Foursquare durch ein integriertes Leaderboard und das Mayorship-Konzept die Nase leicht vorn hat.

Unabhängig von diesen unterschiedlichen Ausprägungen ist es aber unwahrscheinlich spannend, an sich selbst und Dritten zu beobachten, wie sehr diese Anreize eine Dynamik entwickeln können und letzten Endes wirklich dazu führen, dass eine Applikation häufiger genutzt wird.

Ein Prinzip, das sich auch jüngst erst Volkswagen mit der unwahrscheinlich erfolgreichen Kampagne TheFunTheory.com zu eigenen gemacht hat, bei der in diversen Videos tolle Beispiele gezeigt werden, wie die Nutzung z. B. einer Treppe anstatt einer Rolltreppe oder die Nutzung eines Altglascontainers dadurch erhöht werden konnte, dass es einfach mehr Spaß macht, es zu tun.

Und genau darum geht es hier: Es macht einfach unwahrscheinlich viel Spaß, mit Gowalla oder Foursqure zu spielen!

Potenziale für Werbetreibende

Die Frage die sich jetzt natürlich stellt, ist: Wie können auch Unternehmen diese neue Generation von Location-Based Social Networks in Zukunft für sich nutzen?

Lassen Sie mich Ihnen dazu drei einfache Beispiele nennen:

1. Location Based Advertising

Foursquare ermöglicht es schon heute in einem gewissen Rahmen auf ihrer Plattform zu werben. Hierbei spielen zwei Konzepte von Foursquare eine wichtige Rolle. Einmal das bereits erwähnte Konzept des “Mayors” und zusätzlich die Möglichkeit, dass Nutzer an jeweiligen Orten Tipps für ihre Freunde hinterlassen können.

Checke ich in einer Location ein und in der Nähe hat ein Freund von mir einen Tipp hinterlassen, werde ich benachrichtigt und bekomme den Hinweis auf dem iPhone eingeblendet.

Unternehmen können auf dieses Konzept aufsetzen und z. B. spezielle Angebote für Mayors unterbreiten, die dann nach dem gleichen Prinzip eingeblendet werden, wenn man in der Nähe eincheckt.

Das unter Geeks mehr als bekannte Cafe St.Oberholz in Berlin hat zum Beispiel bereits von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Am Wochenende habe ich in der Nähe des St. Oberholz bei Starbucks eingecheckt und habe daraufhin umgehend die Benachrichtigung bekommen, dass das St. Oberholz mir als Mayor eine Kaffee-Flatrate bieten würde.

Das hat mich in dem Moment wirklich positiv überrascht, und ich denke, hier liegt für die Zukunft noch viel Potenzial. Man fragt sich natürlich umgehend, wie das mal in Zukunft skalieren soll und wie man eine Lösung findet, dass solche Hinweise nicht als Spam empfunden werden – aber grundsätzlich finde ich es auch als Nutzer eine tolle Geschichte, in Abhängigkeit von meinem Real-Life Kontext nicht nur Tipps von meinen Freunden zu sehen, sondern durchaus auch kommerzielle Angebote angezeigt zu bekommen.

2.  Branded Badges

Beide Dienste setzten darauf, dass man Badges für unterschiedlichste Aktivitäten bekommen kann. Hier liegt natürlich die Idee nahe, auch branded Badges für Aktivitäten auszugeben, die direkt mit einem Unternehmen zu tun haben.

So ist Foursquare z. B. eine Kooperation mit BART (Bay Area Rapid Transit) eingegangen und bietet nun zusammen mit dem öffentlichen Transportsystem spezielle Badges an, die man dafür bekommt, wenn man die öffentliche Verkehrsmittel nutzt.

Darüber hinaus gibt es ein Gewinnspiel und damit die Möglichkeit, Gutscheine zu gewinnen, indem man aktiv Foursquare im Zusammenhang mit BART nutzt.

Was ist hier noch denkbar?

  • adidas gebrandete Badges, wenn ich auf Sportplätzen einchecke?
  • Lufthansa Badges, wenn ich auf Flughäfen einchecke?
  • McDonalds Badges, wenn ich bei McDonalds bin?

Oder vielleicht …

  • Gewinnspiele für adidas-Sportartikel?
  • Meilen bei Miles-And-More von der Lufthansa?
  • Digitale Gutscheine auf dem iPhone für einen Cheeseburger?

Hier sind der Fantasie vermutlich keine Grenzen gesetzt, und ich bin sehr gespannt, welche Werbemodelle wir in Zukunft in diesem Kontext noch sehen werden.

An dieser Stelle sei auch nochmal erwähnt, dass Gowalla bereits das Konzept der “Trips” integriert hat und man besondere Badges bekommen kann, wenn man vordefinierte “Trips” absolviert hat. Individuelle Trips lassen sich bereits von Nutzern vorschlagen, und der Schritt zu “Branded Trips”, die von Unternehmen eingereicht werden, ist da nicht mehr weit.

3. Virtuelle Güter

Bei Gowalla dreht es sich vor allem um die Items, die man sammeln kann und die eine gewisse Knappheit haben. Dieses Konzept kennt man schon lange von z. B. Social Games auf Facebook und wird auch dort bereits kampagnenorientiert eingesetzt.

Ein Unternehmen geht dabei eine Partnerschaft ein und bietet für einen bestimmten Zeitraum besondere Items an, die möglichst besonders “toll” sind, ggf. eine gerade laufende Werbekampagne unterstützen und den Nutzern die Möglichkeit geben, besondere Items zu erlangen.

Nach einem gewissen Zeitraum X gibt es diese Items nicht mehr, und auch damit wird eine Knappheit erzeugt. Somit entsteht ein Anreiz, bei diesen Kampagnen mitzumachen.

Fazit und Ausblick

Wir stehen von den Nutzerzahlen in Deutschland – als auch weltweit – noch ganz am Anfang der Entwicklung, und gerade Foursquare funktioniert in Deutschland aktuell nur für Nutzer in Berlin und München. Dennoch halte ich diese Entwicklung für mehr als spannend. Robert Scoble hat sich jüngst erst dazu hinreißen lassen, zu behaupten, dass Foursquare mal größer als Twitter wird.

Die Möglichkeiten für Werbetreibende sind dabei unwahrscheinlich spannend, da sich eine digitale Kampagne auf einmal an eine physische Präsenz über das GPS-fähige iPhone koppeln lässt und dabei alle viralen Kanäle wie Twitter und Facebook bereits integraler Bestandteil dieser Apps sind.

Was für den Erfolg gerade in Deutschland noch eine wichtige Rolle spielen wird, ist das ganze Thema “Privacy”. Aktuell sind zwar schon Möglichkeiten vorhanden, die Privacy bei Gowalla und Foursquare zu kontrollieren, dennoch glaube ich, dass hier noch viel Verbesserungspotenzial besteht und dass gerade deutsche Nutzer dort hohe Ansprüche haben werden.

Wer Gowalla einmal ausprobieren möchte, kann dies jederzeit tun und die Applikation auf seinem iPhone oder Android installieren. Foursquare wird sogar zusätzlich noch auf dem Blackberry unterstützt, ist im Moment aber auf Berlin und München beschränkt.

Ein Monat voller Social-Media-Events mit Sympra

Twitter in der Unternehmenskommunikation, Social-Media-Strategien, Web 2.0 und Wandel in der Medienbranche – Themen, die uns bei Sympra in den vergangenen Monaten immer intensiver beschäftigt haben und die immer stärker Einzug in Beratungsalltag und Tagesgeschäft halten. Im zurückliegenden Monat durften wir uns über mehrere sehr spannende Veranstaltungen zu dem Thema unter Sympra-Beteiligung freuen:

  • Social Media – Zukunft der Kommunikation oder Spielzeug für Web-Geeks?
    Die Wahrheit über Twitter, Blogs und soziale Netzwerke

    Das Besondere an diesem Event: Es handelte sich um eine Veranstaltung der Gesellschaft Public Relations Agenturen e.V. (GPRA) in Zusammenarbeit mit den Agenturen komm.passion, talkabout communications, wbpr und Sympra. Vier befreundete (na gut: sicher zudem im Wettbewerb befindliche…) Agenturen innerhalb der GPRA hatten gemeinsam (!) unter GPRA-Dach ein spannendes Event auf die Beine gestellt, zu dem mehr als 100 Entscheider aus Unternehmen, Medienbranche und Institutionen gekommen waren – allesamt geladene Gäste – eine Top-Besucherqualität. Meines Erachtens ein tolles Beispiel für unternehmensübergreifende Zusammenarbeit, die ohne Twitter nicht zustande gekommen wäre, denn nur aufgrund von Social Media und Social Networking sind wir Agenturen täglich so intensiv im Austausch und entwickeln solche Ideen.
  • Twitter in der Unternehmenskommunikation
    Das Event bei der MFG Baden-Württemberg (Innovationsagentur des Landes für IT und Medien) war überaus gut besucht, Sympra hat moderiert. Ein spannend besetztes Podium unter anderem mit Uwe Knaus von Daimler (@uknaus) diskutierte das Thema aus meiner Sicht wohltuend praxisnah und aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Da kam der hemdsärmlige, aber erfolgreiche Einstieg der Sparkasse Pforzheim ebenso zur Sprache wie der Umgang mit Twitter bei einem Großkonzern wie Daimler. Rechtliche Aspekte von Twitter am Arbeitsplatz wurden ebenso diskutiert wie Kommunikationsstrategisches, begonnen bei der Notwendigkeit, vor dem Loslegen eine Social-Media-Strategie zu entwickeln, bis hin zu technischen Aspekten rund um Twitter-Keywords- und -Tools. Eine tolle Veranstaltung mit tollen Gesprächen während des offiziellen Teils und im Anschluss.
  • Ganztägiger Kundenworkshop mit einer kompletten Marketingabteilung
    Mit Marketing- und Werbeleuten aus völlig unterschiedlichen Altersgruppen und mit ganz unterschiedlicher Affinität zum Social Web konnte ich in der zweiten Oktoberhälfte bei einem ganztägigen Workshop rund um Social Media und Social Networking diskutieren. Von ganz persönlichen Fragen wie “Wer muss sich wie weit ins Web 2.0 hervorwagen, wenn wir erfolgreich sein wollen?” bis hin zur Definition unternehmensweit relevanter  Strategieentscheidungen sind wir dabei gekommen. Besonders erfreulich finde ich, dass mit dem Workshop nicht die Diskussion zu Ende war – sie wurde beim Kunden intern fortgesetzt, und ich bin sehr gespannt auf das, was daraus wird. Ich hoffe natürlich, dass wir als Agentur dann auch weiter dabei sein dürfen.
20091103-300x225 in Ein Monat voller Social-Media-Events mit Sympra

Seminarpausen gab es auch! Zum Twittern natürlich.

Drei Highlights aus einem sehr, sehr interessanten Social-Media-Herbst bei Sympra, und es geht gerade so weiter! Wir freuen uns.

@jodeleit

Links:

Social Media – Zukunft der Kommunikation oder Spielzeug für Web-Geeks?

Die Wahrheit über Twitter, Blogs und soziale Netzwerke
Veranstaltungsinfo, Aufzeichnung und Folien
Interview Monty Metzger mit mir am Rande der Veranstaltung

Twitter in der Unternehmenskommunikation
Veranstaltungsinfo
Audio-Aufzeichnung
Folien