Archiv für Februar, 2010

Japan aufs Handy – Kulturstudien 2.0

Es gibt wahrlich viele Liebhaber der japanischen Kultur. Da ich mich selbst nicht dazu zähle, wäre es falsch und unangebracht, mich hier über Sitten und Gebräuche eines Landes zu ergehen, zu dem ich einfach keinen Zugang habe. Das Land ist mir fremd und ich habe bisher keinen verstärkten Wert darauf gelegt, es in näherer Zukunft kennenzulernen.

Doch wie das Leben so spielt, wird man beruflich immer mit den Dingen konfrontiert, die man in einem aufwändigen Prozess privat immer hervorragend vermieden hat. Plötzlich werde ich mit einem Projekt konfrontiert und habe keine Möglichkeit mehr, dem Thema Japan und seiner Kultur auszuweichen.  Und ehe man sich’s versieht, ist man mittendrin in der japanischen Alltagskultur und dummerweise hat man plötzlich Spaß dran.

Was ist “51 Japanese Characters“?

Der Designer Peter Machat war während seines Studiums längere Zeit in Japan und hat sich dort mit japanischen Gebräuchen und Verhaltensweisen beschäftigt. Da er sich für diese Themen schnell begeistern konnte, kam er bald auf die Idee, seine neu entdeckte Leidenschaft mit seinen grafischen Talenten zu verbinden und rief das Projekt ins Leben. Aus seinen zahlreichen Erfahrungen resultierend hat er über Monate hinweg Verhalten, Ticks, kulturelle Eigenheiten und Einstellungen seiner japanischen Umwelt gesammelt und in ein einzigartiges Projekt verpflanzt.

Anhand von 51 liebevoll gestalteten verschiedenen Stereotypen erklärt Peter Machat Japan und seine Menschen. Da ist beispielsweise „Cosplay“, ein grünhaariges Mädchen mit Stern auf der Stirn und einem Zauberstab in der Hand.

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„Cosplay. Sie liebt Anime und Manga. Jeden Sonntag verkleidet sie sich als ihre Lieblingsanimefigur und trifft sich mit anderen Cosplayern in Harajuku und dem Yoyogi Park. Sie mag es, wenn man sie fotografiert, und freut sich, wenn sie ein Foto von sich in einem ihrer geliebten Cosplay Magazine findet. Ihr größter Traum ist es, einer der großen Cosplayerinnen der wachsenden internationalen Szene zu werden.“

Und genau so verhält es sich mit anderen Figuren. Ekiin drückt die Fahrgäste in die überfüllte Tokioter U-Bahn, Oyaji ist der strenge altmodische japanische Vater und Okama ist eine Travestiehostess, die in einer entsprechenden Bar arbeitet.  Für all die Figuren, die auch der Japan-Laie vielleicht schon mal gesehen hat und sich immer gefragt hat, in welcher Kultur solche Charaktere entstehen, hat Peter Machat eine spielerische Weise entwickelt, sie den Leuten näherzubringen

Was ist neu?

Zunächst hat Peter Machat die Figuren nur auf einer Homepage gezeigt und Poster und Postkartensets dazu verkauft. Jetzt kommt er mit einer passenden iPhone-App auf dem Markt. Mit dieser App kann man sich die Figuren nicht nur ansehen und mehr über deren Charakter erfahren, sondern man kann  die Charaktere mithilfe eines Baukastensystems auch miteinander kombinieren, somit bis zu 130.000 neue Stereotypen kreieren und diese dann auch per Mail an Freunde verschicken.

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Im Gegensatz zu vielen anderen kostenlosen Apps hat „51 Japanese Characters“ drei innovative Eigenschaften. Erstens wird der User selbst gestalterisch tätig und schafft seine eigenen Charaktere, zweitens kann er mit anderen iPhone-Usern interagieren und drittens erfährt er mehr über Japan und seine Gebräuche. Letztlich lernt man auf spielerische Art und Weise die japanische Kultur kennen und wird zum Nachdenken angeregt. Fremde Kulturen auf diese Weise zu entdecken, macht nicht nur Spaß, sondern kann auch eine Möglichkeit sein, auf zunächst seltsam erscheinende Verhaltensweisen humorvoll zu reagieren und damit Verständnis , Toleranz und letztlich Akzeptanz zu schaffen. In einer globalisierten Welt, in der das Fremde an jeder (virtuellen) Ecke wartet, ist der Zugang über Stereotypen eine Variante, die eigenen Vorurteile zu entkräften und auch über eigene kulturelle Eigenheiten nachzudenken.

Wer mehr erfahren möchte, wird auf www.51characters.com fündig und kann sich hier auch die App herunterladen.

Social Media Newsrooms: Wer braucht eine neue Wunderwaffe?

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Wunderwaffen haben ja etwas Wunderliches. Bewundert man sie wegen wunderbarer Wirkung, oder wundert man sich, weil das Wunder ausbleibt? Nein, ich ging heute Morgen nicht mit diesen fast philosophisch anmutenden Fragen im Kopf zum Social Media Workshop in der stylischen O2-Lounge in München. Obwohl es um eine neue Wunderwaffe ging: den Social Media Newsroom. In großer Zahl trafen sich Münchner Social-Media-Menschen und lauschten den Ausführungen der Referenten von iCrossing – bevor sie miteinander diskutierten.

Coca Cola eröffnete seinen Social Media Newsroom letzte Woche, gut orchestriert über zahlreiche Tweets, Volvic hat mit „Wasserbotschafter August 2008 einen der ersten Social Media Newsrooms überhaupt geschaffen, iCrossing präsentierte seinen heute – und Sympra hat natürlich auch einen. Die Referenten nannten ihn den Pressebereich 2.0, der Presseseiten, Blog und alle Social-Media-Dienste, in denen der Newsroom-Betreiber aktiv ist, zusammenbringt. Und sie halten ihn tatsächlich für eine Wundergerät, wenn denn vorher eine Kommunikationsstrategie definiert wurde.

Der Social Media Newsroom ist eine zeitgemäße Antwort auf die veränderten Kommunikationsbedürfnisse. Gut aufgesetzt, bietet er für jeden, der mit der externen Kommunikation eines Unternehmens in Kontakt treten, schnell die gewünschten Informationen. Mit der Integration von Social-Media-Diensten und Tools wie Blogs, Facebook, Twitter, Flickr & Co. sollte er selbstverständlich auch Kommentare ermöglichen. Nur so gibt er den Dialoggedanken von Web 2.0 wieder.

Jeder Social Media Newsroom ist aber nur dann richtig gut, wenn vorab eine intensive Diskussion über Ziele und verfügbare Ressourcen, intern und extern, stattgefunden hat und wenn die Umsetzung entsprechend der definierten Ziele erfolgt. Das klingt banal, ist es aber nicht. Die Referenten wiesen so zum Beispiel auf die Coca-Cola-Seite hin, die zwar im Grunde gut gemacht sei, aber mit den zahlreichen Links zu unterschiedlichen Gruppen in sozialen Netzen verwirre. Es fehlt die auf einen Blick verständliche Erklärung, wem welche Gruppe nützt.

Das rege Interesse an der Veranstaltung und die nachfolgende Diskussion haben gezeigt, dass der Social Media Newsroom als zeitgemäßes Tool für die Kommunikation vermehrt angenommen wird. Sympra zeigt mit seinem eigenen Social Media Newsroom zudem, dass der sich gut in den vorhandenen Webauftritt integrieren lässt.

Den Social Media Newsroom braucht prinzipiell jede Organisation, die etwas zu sagen hat und mit ihren Kunden, Interessenten, Patienten, Lesern über Social-Media-Dienste in Kontakt treten will – und kann. Aktuell beobachtet Sympra eine wachsende Nachfrage nach Beratung und praktischer Einführung aus unterschiedlichen Branchen und Organisationen. Der Bedarf wächst also. Die passenden Tools sind vorhanden. Wer jetzt einsteigt, macht sicherlich den richtigen Schritt.

Zum Sympra-Newsroom: http://newsroom.sympra.de

Mit der Cyber-DNA gegen Cyberspionage?

IStock 000005356215Small-300x199 in Mit der Cyber-DNA gegen Cyberspionage?Im neuen Roman von Frank Schätzing Limit jagt eine der Hauptpersonen Cyberkriminelle in China. Beim Lesen des Romans, der immerhin im Jahr 2025 spielt, habe ich mich gefragt, warum der Autor sich nicht neue Arten von Cyberattacken ausgedacht hat, so sehr ähneln seine Fiktionen aktuellen Analysen – und Geschehnissen. China und die USA spielen dabei eine wichtige Rolle, aber Wirtschaftsspionage im Internet ist ein globales Problem.

Die Auseinandersetzung zwischen Google und der chinesischen Regierung scheint auf den ersten Blick auch eher wie das Phantasieprodukt eines begabten Schriftstellers zu wirken. Die chinesische Regierung hat demnach gezielt Hacker beauftragt, Daten über Bürgerrechtler auszuspionieren – und das offensichtlich erfolgreich. Sie hat das vehement bestritten, Google scheint indes so sicher, dass es sein China-Geschäft in Frage gestellt hat.

Dieser weltweit bekannt gewordene Fall illustriert einen Trend. Neben Google wurden im Dezember 2009 34 weitere amerikanische Unternehmen höchstwahrscheinlich von China aus attackiert. Im Sommer 2009 griffen Hacker 100 amerikanische Unternehmen über manipulierte PDF-Dokumente an, allerdings ohne Erfolg, so Eli Jellenc, Vorstand der internationalen Abteilung für Cyber Intelligence bei Verisign iDefense.  Und Ende Januar erst wurde ein Bericht bekannt, demzufolge die nordamerikanischen Ölfirmen Marathon Oil, ExxonMobil und ConocoPhilips Opfer von Hackern wurden. Laut Christian Science Monitor haben Unbekannte schon im Jahr 2008 vertrauliche Informationen über Ölvorkommen und E-Mail-Passwörter gestohlen. Ein Angriff konnte nach China zurückverfolgt werden.

Es geht nicht darum, einen Cyberwar von China gegen US-amerikanische Unternehmen zu konstruieren. Internetspionage erfolgt sicherlich in vielfältige Richtungen – und ist auch nicht neu. Was aber irritiert, ist die Tatsache, dass die verwandten Methoden immer perfider werden. Bei der Attacke, die darauf abzielte, Zugang zu persönlichen Informationen der chinesischen Dissidenten zu erlangen, gaben sich die Angreifer als Freunde von Mitarbeitern aus. So hat McAfee-CTO George Kurtz der Financial Times erklärt, die Hacker hätten sich vor den Angriffen informiert, wer die verantwortlichen Personen in den Unternehmen seien und wie man sie kontaktieren könne. Jemand habe sich die Mühe gemacht, unter den Freunden nach potenziellen “Mithelfern” zu suchen. Über eine Instant-Messaging-Lösung hätten sie Malware an die Opfer geschickt.

In dem Fall der attackierten Ölfirmen sei es sogar so, „dass ausländische Geheimdienste die Kontrolle über wesentliche Teile ihrer Netzwerke“ übernommen hätten, so eine Quelle. Was die Verantwortlichen dort nicht glauben wollten, aber wahr sei, weil der „Schädling nicht wie ein normaler Virus“ funktionierte. Etwas so Raffiniertes und Hartnäckiges haben wir noch nie gesehen.”

Gestern brachte die FTD als Aufmachermeldung, dass Hacker das europäische Register für den Emissionshandel geplündert haben. Die Kriminellen stahlen Verschmutzungsrechte und verkauften sie weiter. Laut Candid Wüst von Symantec hat der Markt für Cyber Warfare und Wirtschaftsspionage im Jahr 2009 ein weltweites Budget von 8,12 Millionen US-Dollar. Er bezieht sich auf Zahlen von Companiesandmarkets. Die jüngsten Fälle lassen annehmen, dass die Tendenz weiter deutlich nach oben zeigt.

Was also dagegen tun? Vielleicht hat das Pentagon demnächst das unschlagbare Mittel gefunden. Denn seit Ende Januar sucht eine neue gegründete „Cyber-Genom“-Arbeitsgruppe nach der eindeutigen, nicht zu widerlegenden digitalen DNA der Hacker. Was das genau sein soll und wie sich die Wissenschaftler des Pentagon diesem Thema annähern, liest sich so spannend wie der neue Roman von Frank Schätzing ab Seite 346. Doch das ist eine andere Geschichte – für den nächsten Blog.

Bild: José Manuel Ferrão / iStockphoto