Archiv für April, 2010

Social Media: Vorträge und Bücher sind gut, Coachings sind besser

Happy Three Friends Photocase163768511 Kl-300x199 in Social Media: Vorträge und Bücher sind gut, Coachings sind besserSocial Media im Unternehmen funktionieren dann besonders gut, wenn die Aktivitäten von möglichst vielen Mitarbeitern getragen und unterstützt werden. Pflegt ein Einzelkämpfer die Beziehungen ins Web, kann dieses Expertentum zu einer digitalen Kluft führen. Aus dem Spezialisten wird der Geek, bei seinen Kollegen verliert das Thema an Akzeptanz.

Damit das nicht passiert, müssen alle Mitarbeiter, die mit Social-Media-Aktivitäten betraut werden, auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden. Das darf jedoch nicht – wie im Mathe-Unterricht – der kleinste gemeinsame sein. Mit dem Besuch der vielen Veranstaltungen und Kongresse zum Thema, der Lektüre eines Fachbuchs oder einer Webrecherche nach den besten Werkzeugen für den Follower-Aufbau bei Twitter ist es also nicht getan.

Coaching als Fundament für Social Media

Bei der Betreuung unserer Kunden haben sich spezielle Coachings bewährt. In kleinen Gruppen entsteht das Fundament, das die gesamten Social-Media-Aktivitäten eines Unternehmens trägt. Wird das Coaching entsprechend vorbereitet, weiß der Coach genau, an welcher Stelle welche Informationen benötigt werden und auf welche Plattformen und Werkzeuge er im Workshop abzielen muss. Als Ergebnis steht anschließend im Idealfall eine nicht zu kleine und feine Truppe motivierter und geschulter Netzwerker bereit, die sich gegenseitig unterstützen und ergänzen.

Neben der bloßen Wissensvermittlung erfüllen die Coachings auch einen strategischen Zweck. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass erst in solchen Coachings die verschiedenen Einstellungen der einzelnen Mitarbeiter und die ganz individuellen Fragestellungen innerhalb des Unternehmens deutlich werden: Typische Diskussionspunkte sind beispielsweise die Grenzen zwischen privater und geschäftlicher Kommunikation, welcher Unternehmensbereich den Lead übernimmt und in welcher Art und Weise das Monitoring erledigt werden soll.

Da solche Fragen unbedingt beantwortet sein müssen, bevor mit der Erstellung von Strategie und Guidelines begonnen werden kann, sind Coachings der erste Schritt und eine wichtige Grundlage für Strategien und Guidelines. Nur dann überhaupt können Unternehmen die eigene Identität im Web gestalten.

Neben Workshops für Gruppen wie Marketing- oder PR-Abteilungen machen auch Einzelcoachings für Kommunikationsmanager oder Geschäftsführer Sinn. Auch oder insbesondere weil nicht jeder Entscheider persönlich in Social Networks registriert sein oder twittern muss. Unabhängig vom Grad der Vorkenntnisse versetzen solche Workshops den Teilnehmer in die Lage, Budget- und Strategieentscheidungen, die Social Media mit einschließen, künftig fundiert und auf Basis eigenen Wissens und grundlegender Erfahrungen treffen zu können.

Coachings sind also in jedem Falle für Unternehmen ein guter Einstieg in die Social Media Relations – sowohl für die Mitarbeiter, die aktiv die Beziehungen im Web gestalten, als auch das Management, das jetzt in der Lage ist, künftige und vergangene Online-Aktivitäten zu bewerten.

Frag’ das Erdferkel!

Wenn ich morgens – egal ob um 6.00 oder 9.30 Uhr – meinen Rechner hochgefahren habe und Twitter oder Tweetdeck öffne, sehe ich täglich weit über ein Dutzend Tweets à la „Guten Morgen, liebe Twitterer!“ oder „Hallo Welt – bin da!“. Twitter kennt ja viele Spielregeln und jeder Zwitscherer hat so seine ganz eigenen Nutzungsgewohnheiten. Ich habe mich aber doch immer wieder gefragt, ob hinter diesen Guten-Morgen-Meldungen mehr steckt: Vielleicht der Geheimcode einer Twitter-Subcommunity? Oder eine Netiquette, die ich seit Jahren missachte?

Erdferkel in Frag’ das Erdferkel!

Ich wollte es genau wissen. Dazu habe ich mich des Dienstes Aardvark bedient. Dieser verbindet Freunde miteinander, um ungelöste Fragen schnell zu klären. Ich gebe meine Frage ein – vorsichtshalber auf Englisch: „Why do people twitter ‘Good morning, dear Twitter community!’ when they start their day? Does this make any sense?“ Diese Frage schickt Aardvark nun an die Community, genauer gesagt: an ausgewählte Menschen, die sich hier mit einem Expertenprofil registriert haben. Sie haben z. B. angegeben, dass sie sich zum Thema „Twitter“ auskennen und dass sie gern bis zu dreimal am Tag für Antworten auf Aardvark-Fragen zur Verfügung stehen. Klassisches Crowdsourcing also.

Aardvark recherchiert nicht in Datenbanken von Suchmaschinen, sondern befragt Personen, die sich als Experten bei Aardvard registriert haben. (Ich bin dort übrigens auch zu ein paar Themen „Experte“ und wurde auch schon um Tipps gebeten.) Aardvark kann via E-Mail, Instant Messenger, Twitter und über das iPhone genutzt werden, sowie über die Website vark.com. Im Februar 2010 hat Google das Unternehmen übernommen, seither kann man auch sein Google Profil in Aardvark einbinden.

Die Antworten kommen in der Regel innerhalb von 5 Minuten, bei mir ging’s noch schneller. Ross aus New York schreibt mir nach knapp zwei Minuten:

There are several kinds of twitter people. One group uses it for business… and then there are the people who have verbal diarrhoea who think everyone wants to read what they have to write. It’s those people that typically say things like “Good morning twitter.”

Zwei Minuten erreicht mich eine Mail von Martin aus Manchester:

That’s the way they choose to use Twitter. Not the way I’d do it but you don’t have to follow them if they annoy you by doing it Icon Smile in Frag’ das Erdferkel!

Beneidenswert, was Lee ebenfalls aus New York, eine Minute später dazu weiß:

I’ve never seen anyone do that

Zwei weitere Minuten später Brian aus Dedham:

There is a community of Twitter users. For some, it is as important as their real life communities. For them, it is like walking into the office and saying good morning to everyone.

Und schließlich noch Anne aus München:

Tja, dann wissen die “Follower”, dass derjenige jetzt auch da ist und man kann ihn direkt mit privaten Nachrichten und ähnlichem bombardieren… So seh ich das. Ich mach es selber aber nicht und halte es auch für relativ überflüssig.

Nach acht Minuten habe ich also Gewissheit:

a) Crowdsouring funktioniert! Das Erdferkel (engl. aardvark) hat ganz Arbeit geleistet.

b) Die Guten-Morgen-Tweets sind wohl tatsächlich weitgehend sinnfrei. Wenigstens wussten die Aardvark-Experten auch nicht mehr als ich. Beruhigend.

Wer es selber mal ausprobieren will: www.vark.com. Registrieren und fragen. Oder antworten. Beides macht Spaß und ist hilfreich.

Nachtrag: Gerade habe ich diesen Beitrag fertig gestellt, da treffe ich auf http://twick.it, eine Art Kombination aus Wiki und Twitter. Das nächste Crowdsourcing-Tool …

(Bild: www.zoo.saarbruecken.de)

DRPR stellt Vorschlag zur Richtlinie Online-PR vier Wochen öffentlich zur Diskussion

Für vier Wochen stellt der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) seinen Vorschlag zur Richtlinie zur Online-PR im Internet unter der Adresse http://drpr-onlinerichtlinie.posterous.com öffentlich zur Diskussion. „Während die bisherigen Richtlinien im Wesentlichen in Expertenkreisen erarbeitet wurden, wollen wir hier den öffentlichen Dialog, insbesondere mit der Internetszene suchen. So können wir einerseits etwas dazu lernen und andererseits auch Unterstützer für mehr Transparenz und Absenderklarheit im Web gewinnen“, erläutert Ratspräsident Richard Gaul das Vorgehen.

Vier Wochen lang wird der Rat Anregungen und Vorschläge sammeln und sich auch der Diskussion im Internet stellen. Die Erkenntnisse werden dann von einem Redaktionsteam in eine Endfassung eingebaut. Diese wird wiederum on- und offline veröffentlicht und dann für die Spruchpraxis des DRPR bindend sein.

Der DRPR wird getragen von allen wesentlichen Organisationen der PR-Branche, dem BdP, der GPRA (in der Sympra Mitglied ist), der DPRG und der degepol. Der DRPR ist ein Organ der freiwilligen Selbstkontrolle und arbeitet nach den bestehenden Codizes wie dem Code d’Athène und Code de Lisbonne. Für spezielle Themen erarbeitet der Rat einzelne Richtlinien, um so einen besseren Leitfaden für die eigene Spruchpraxis zu haben und gleichzeitig für die interessierte Öffentlichkeit, Unternehmen und Agenturen transparent zu sein. Die Richtlinie zu PR in digitalen Medien und Netzwerken ist die siebte Richtlinie des DRPR.

Der Deutsche Rat für Public Relations wurde 1987 als Organ der freiwilligen Selbstkontrolle der in Deutschland tätigen PR-Fachleute gegründet. Seine Träger sind die Deutsche Public Relations Gesellschaft e.V. (DPRG), die Gesellschaft Public Relations Agenturen e.V. (GPRA), der Bundesverband deutscher Pressesprecher (BdP) und die Deutsche Gesellschaft für Politikberatung (degepol). Der DRPR hat kommunikatives Fehlverhalten gegenüber der Öffentlichkeit zu ahnden und ist darin eine dem  Deutschen Presserat und dem Deutschen Werberat vergleichbare Institution. Wie die anderen Räte spricht er öffentliche Rügen und Mahnungen aus, erlässt Verhaltensrichtlinien und nimmt zu kommunikativen Fehlentwicklungen in der Öffentlichkeit Stellung.

Sympra-Geschäftsführer Helmut v. Stackelberg ist Mitglied im DRPR.