Archiv für April, 2012

Strategisches Framing in der Medienarbeit: Wozu? Weshalb? Warum?

Blog Framing 1 Freigestellt in Strategisches Framing in der Medienarbeit: Wozu? Weshalb? Warum?It is not what you say, it is how you say it.” Frank Lutz, ein amerikanischer Meinungsforscher, fasste 1997 so den Grundgedanken des Framing zusammen. Nach Lutz geht es weniger um den konkreten Inhalt einer Botschaft, als vielmehr um die Art der Präsentation. Oder eben um die Art der Einrahmung (Framing).

Bisher hat der Framing-Ansatz vor allen Dingen in der Nachrichtenforschung Beachtung gefunden. Innerhalb der politischen Berichterstattung ist der „David vs. Goliath Frame“ einer der beliebtesten. Ein aktuelles Beispiel hierzu ist der arabische Frühling: Im Fokus der Berichterstattung steht das militärische Ungleichgewicht zwischen den schlechtausgestatteten Rebellen (David) und dem mächtigen Militär (Goliath). Letztendlich setzen sich die als schwach eingestuften Rebellen durch und stürzen Goliath aka Gaddafi, Ben Ali oder Mubarak. Durch die Betonung dieses einen, gesellschaftlich verinnerlichten Aspekts wird es dem Leser erleichtert, sämtliche Nachrichten über das Thema „Arabischer Frühling“ einzuordnen, zu verstehen und zu interpretieren. Das Thema wurde „geframed“.

So weit, so gut. Im Zuge meiner Bachelorarbeit am Lehrstuhl Kommunikationswissenschaften an der Universität Hohenheim sollte ich den Framing-Ansatz nun auch auf die Public Relations anwenden. Die zentrale Forschungsfrage lautete: „Wie kann strategisches Framing für die Public Relations speziell im Bereich der Medienarbeit nutzbar gemacht werden?“. Gute Frage… Meine Recherchen und Expertenbefragungen ergaben: Im Bereich der PR wird zwar tagtäglich geframed, allerdings ohne „dem Kind einen Namen zu geben“. Warum sich also mit einem Begriff befassen, der in der bisherigen PR-Arbeit scheinbar von niemandem vermisst wurde?

Weil es lohnt, sich auf strategischer Ebene verstärkt Gedanken darüber zu machen, wie PR ihre Kommunikation noch besser aufbereiten kann. Bekanntermaßen wird diese Aufgabe schon seit einiger Zeit durch Trends erschwert wie Information Overload, einsetzende Selektionsmechanismen auf Seiten der Rezipienten oder den freien Zugang zu Informationen aller Art über alle möglichen Kanäle etc. Diese Entwicklungen begründen meiner Ansicht nach die Relevanz der Fragestellung. Framing kann dabei helfen, wahrgenommen und letztlich vielleicht sogar verinnerlicht zu werden.

Auf einer rein formalen Ebene könnte sich dies beispielsweise auf die Art der Anordnung der Worte und Sätze beziehen. Das naheliegendste und einfachste Beispiel hierzu, könnte die Form der umgekehrten Pyramide einer Neuigkeit sein. Diese Art der Abfolge – Überschrift, Lead, Body etc. – und die Präsentation einiger selektierter Fakten (W-Fragen) an erster Stelle, sind besonders eingängig, weil von der Gesellschaft bereits verinnerlicht. Auf einer mehr inhaltlichen Ebene bieten Schlagworte wie „Pro-Choice“, „Web 2.0“, „Grüne Revolution“ etc. eine gute Möglichkeit des Framing. Schlagworte sorgen bei den Rezipienten dafür, dass die damit einhergehenden Positionen und Argumente ins Gedächtnis gerufen werden. Auch stereotypisierte Darstellungen haben diesen Effekt. Beispielsweise ein Mercedes-Fahrer: Sowohl die Marke an sich, als auch die Kunden des Autoherstellers wecken bei den Rezipienten bestimmte Assoziationen wie Luxus, Qualität oder auch eine bestimmte Art von Persönlichkeit. Wird ein Produkt z. B. als „Der Mercedes seiner Klasse“ beschrieben, kommen den Rezipienten vermutlich keine Assoziationen wie „schlechte Qualität“ oder „für jeden erschwinglich“ in den Sinn. Das ist dann der „Mercedes-Frame“. Auch thematisch lässt es sich gut framen. Ein Beispiel hierzu ist die übergeordnete und aktuelle Thematik der Nachhaltigkeit. Wenn sich ein Automobilhersteller bei der Vorstellung seines neuen Produkts durch die Verarbeitung einer emissionsarmen Brennstoffzelle positioniert, rückt dieser Verkaufsaspekt das Produkt ins Licht – bzw. in den Frame – der Nachhaltigkeit. In diesem Fall heißt das „ökologisch gut“ für die Umwelt, man handelt in Anbetracht der nachkommenden Generationen, Fahrspaß mit Verantwortung etc.

Zugegeben, die oben aufgeführten Umsetzungsmöglichkeiten von Framing dürften den meisten in der PR Tätigen schon lange in Fleisch und Blut übergegangen sein. Es sind keine brandaktuellen, bahnbrechenden oder die PR-Welt auf den Kopf stellenden Erkenntnisse. Doch es folgt das obligatorische ABER: Sehr oft ist es hilfreich, sich bestimmte routinierte Maßnahmen, Umsetzungen oder Abläufe nochmals bewusst vor Augen zu führen. Das Wissen, das Know-how, die Erfahrung sind da… jetzt kommt es darauf an, dieses Potenzial bestmöglich auszuschöpfen. „Framing“ – die „Einrahmung“ oder „Einbettung“ in bekannte Muster – kann hierbei durchaus als ein gelungener Überbegriff betrachtet werden.

AllFacebook Marketing Conference: Das Interessanteste in 804 Wörtern.

Aufmacher2 in AllFacebook Marketing Conference: Das Interessanteste in 804 Wörtern.

Am 16. April 2012 fand in München die AllFacebook Marketing Conference statt. Das Programm versprach eine interessante und spannende Veranstaltung zu werden. Etwa 350 Teilnehmer kamen in der bayerischen Landeshauptstadt zusammen, um die neuesten Trends und erfolgreiche Case Studies aus dem Facebook-Marketing zu erfahren. Die Organisatoren Philipp Roth und Jens Wiese kennen die meisten durch ihren allfacebook.de-Blog.

Für mich persönlich war leider nicht viel Neues dabei, doch ich sehe das eigentlich ganz positiv: Andere machen es genauso wie wir.  Das zeigt auch, dass alle, die mit dem Gedanken spielen, eine Unternehmensseite auf Facebook zu starten, vor ähnlichen Problemen stehen und sich häufig dieselben Fragen stellen. Auch die Erarbeitung und Umsetzung der Strategie erfolgte in den vorgestellten Case Studies ganz ähnlich, wie wir es unseren Kunden vorschlagen.

Ich will hier keine Zusammenfassung der Beiträge abliefern, dazu gibt es schon ausreichend viele Postings. Aber ich möchte  drei Punkte hervorheben, die in den unterschiedlichen Vorträgen immer wieder angesprochen wurden und einen wichtigen Aspekt für Unternehmen mit einer Facebook-Präsenz darstellen:

Bevor alles anfängt: VORBEREITEN!

Besonders in großen und B2B-Unternehmen ist es wichtig, eine intensive Vorbereitungszeit einzuplanen. Der Ansatz “Wir machen jetzt was mit Social Media”, der häufig von der Marketingabteilung gepflegt wird, funktioniert nicht. Es muss analysiert werden, welche Plattformen für das Unternehmen Sinn machen, welches Ziel mit der Kommunikation auf Facebook verfolgt werden soll, welche Zielgruppe relevant ist. Kapazitäten und Budgets müssen geklärt werden und vor allem muss der Chefetage mit eine gute Strategie vorgelegt werden. Interessant war dazu der Vortrag von Christian Buggisch von DATEV, der von einer Vorbereitungszeit von vier Jahren sprach. Doch diese recht lange Zeit hat Früchte getragen: Sein Konzept kam bei allen gut an und wurde auch von der Facebook-Community gut angenommen: Die Unternehmensseite hat an die 6.800 Fans, die Karriere-Seite knapp 1.300 Fans. Nicht schlecht für ein Unternehmen, das Softwarelösungen für eine “konservative” Zielgruppe verkauft. Einen weiteren wichtigen Punkt, den Buggisch ansprach, sind die Veränderungen und das Umdenken, die im Unternehmen stattgefunden haben: Während vorher jedes Schriftstück durch den Pressesprecher freigegeben werden musste, wird nun vom Social Media Beauftragten einfach gepostet. Das geht natürlich nur, wenn dazu ein Regelwerk (Guidelines) im Unternehmen entwickelt wurde und alle auf der sicheren Seite sind.

CONTENT IS KING.

Wie bei allen Kommunikationsmaßnahmen sollte man auch auf Facebook auf gute Inhalte achten, das betonten alle Vortragenden auf der Konferenz. Dazu empfiehlt sich ein Redaktionsplan sowie regelmäßige Redaktionssitzungen. Florian Steps, Abteilungsleiter Direct & Digital von Vodafone, trifft sich einmal wöchentlich mit einem Team aus unterschiedlichen Abteilungen. So werden alle möglichen Themenfelder abgedeckt und ein Plan erstellt, der als roter Faden für das Social-Media-Team für die Facebook-Seite dient. Bei der Themenfindung gilt auch: Einfachheit ist mehr und überzeugender. Die Postings sollten einfach aufgebaut sein, wenn möglich ein Bild oder ein Video dabei sein, dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Fans den Beitrag teilen.

Dialog-300x139 in AllFacebook Marketing Conference: Das Interessanteste in 804 Wörtern.

Screenshot aus der Präsentation von http://www.raysono.com/

Dialog 2.0

Der Vortrag von Daniel Backhaus und Stefan Spiegel zum Thema Dialog 2.0 hat mir am besten gefallen. Zum einen, weil deren Agenda aus den Punkten “hä?” und “wie jetzt?” bestand, und zum anderen, weil auch dieser Vortrag zeigte, wie wichtig die richtige Kommunikation auf Facebook ist und was eigentlich ein echter Dialog ist.  Ja, es gibt auch unechte Dialoge, wie Spiegel anhand eines Oster-Postings erläuterte (natürlich lässt sich Ostern hier willkürlich mit Valentinstag, Weihnachten etc. ersetzen):  “Letzte Woche war Ostern. Was hat euch der Osterhase so ins Nest gelegt?” ist eine klassische “…und ihr so?”-Frage, die kein wirkliches Interesse an den Fans hat, sondern zum Dialog anregen soll. Allerdings zu einem unechten Dialog. Wie man aus so einem unechten Dialog, einen echten machen kann, zeigte Christian Clawien (Director Social & Emerging Media, Interone) am Beispiel von Burger King auf: Am Weltfrauentag haben sie z. B. nicht gefragt, was die Männer den Frauen schenken, sondern sie haben die Frauen gefragt, was sie sich von Burger King zum Weltfrauentag wünschen. Diese Fragestellung zeigt echtes Interesse an den Fans und bringt sogar noch einen Nutzwert für das Unternehmen: Einige wünschten sich gluten-freie Brötchen, eine Anregung, die für Burger King durchaus wichtig ist. Schön fand ich auch die Sammlung der Antworten in einem Bild, das dann wiederum mit der Fangemeinde geteilt wurde (gibt es hier zu sehen). Das ist ein Beispiel für schönes Storytelling auf Facebook, denn genau dafür ist Facebook, laut F. Scott Woods (Commercial Director DACH, Facebook Germany) nämlich da. Zum Geschichten erzählen!

Die Veranstaltung war sehr gut organisiert, dafür auf jeden Fall ein Dickes Lob an Jens und Philipp. Den Vormittag fand ich mit den Case Studies noch recht interessant, den Nachmittag dann leider zu oberflächlich. Aber ich konnte durchaus ein paar nette Beispiele nach Hause nehmen. Beim nächsten Mal wäre ich gern wieder dabei, wenn das Programm dann nicht ganz so straff ist, dafür aber etwas tiefer geht.

Einige Präsentationen sind auf allfacebook.de zum Anschauen hinterlegt.

Weitere gute Zusammenfassungen gibt es hier…

…von Boostpark.

…im Buggisch-Blog.


Heute vor 20 Jahren … Memonet

MEMONET Klein1 in Heute vor 20 Jahren ... Memonet

Screenshot von der Memonet-Benutzeroberfläche. (Screenshots waren damals abfotografierte Monitorinhalte.)

11. April 1992, 10 Uhr, Stuttgart-Weilimdorf. Ich habe einen Recherchetermin bei Alcatel Network Services Deutschland, einer Tochter unseres Kunden Alcatel (jetzt: Alcatel-Lucent Deutschland), die sich mit dem Aufbau und dem Betrieb des konzerneigenen, weltweiten Kommunikationsnetzes befasst. Thema ist „Memonet“, eine Softwarelösung, die künftig ganz nützlich sein sollte. Wenn in großen Unternehmen in den Achtziger und frühen Neunziger Jahren von „EDV“ die Rede ist, dann steht sehr oft ein großer IBM-Mainframe-Rechner im Keller, an den viele Hundert oder Tausend Terminals angeschlossen sind. Über die Terminals erfolgt die Eingabe von Daten, die der Großrechner verarbeitet; die Ergebnisse erscheinen Sekunden oder Minuten später Grün auf Schwarz an den Arbeitsplätzen. Als Besonderheit gibt es die Möglichkeit, von einem Arbeitsplatz zum anderen ein kleine Textbotschaft zu versenden. Die liegt dann in einer sogenannten Mailbox zum Abholen bereit. In einigen Unternehmen wird diese Art der Kommunikation eifrig genutzt; in anderen bleiben Botschaften zuweilen wochenlang ungelesen im Briefkasten. Die schwedische Software Memonet kann nun etwas ganz Besonderes, nämlich die Memo-Systeme einzelner Unternehmen miteinander verbinden. Nun kann also z. B. der Mitarbeiter von BASF seinem Kollegen von Volvo eine Nachricht senden, von einem Unternehmensnetz ins andere – eine echte Sensation!

Beim Briefing geht’s um Standards und Übertragungstechnologien, um notwendige Hard- und Software und ob Memonet vielleicht ein Produkt ist, mit dem richtig Geld verdienen kann. Mein Ansprechpartner sieht, weit hinten am Horizont, durchaus einen technischen Ansatz, der eines Tages den Brief und das Telefonieren ersetzen kann. Noch heute habe ich Begriffe wie „zeitversetztes Beantworten von Anfragen“ oder „rund um die Uhr erreichbar“ im Ohr. Zugegeben: Der Gedanke, dringende Fragen schriftlich (!) beantworten zu müssen, ist damals ungewohnt. Und genauso abstrus die Vorstellung, dass man sich von einem tragbaren PC aus via Akustikkoppler in seine Mailbox einwählen kann, um Memos von unterwegs aus zu bearbeiten.

Der ganz große Durchbruch gelang Memonet meines Wissens nicht. Zumindest muss man arg intensiv googlen, um überhaupt auf das Produkt zu stoßen Aber natürlich war es eine der ersten Technologien in Richtung Mail.

Übrigens: Viele IBM-Mitarbeiter sprechen noch heute von “Memos”, wenn sie “Mails” meinen.

Machen Sie noch Facebook? – Oder: Denken Sie Social Web!

Nein, dies wird kein Social-Media-ist-im-Mittelstand-angekommen-Posting. Und doch muss es einmal gesagt werden: Social Media ist im Mittelstand angekommen. Einerseits. Denn die Anfragen nach entsprechender Beratung haben spürbar zugenommen. Andererseits das große Aber.

Photocasekvhtae4j4jrt in Machen Sie noch Facebook? - Oder: Denken Sie Social Web!

Bildquelle: kallejipp / photocase.com

Social Media ist zwar als grundsätzliches Instrument in den Köpfen vieler mittelständischer Unternehmen mittlerweile präsent, wirkliches Wissen um Social Media ist es dagegen nicht. Zu oft wird Social Media auf Facebook reduziert. Und zu wenig wird Social Media als strategisches Element der Unternehmenskommunikation wahrgenommen. Was es braucht, ist ein Wandel im Denken vieler Pressestellen und Unternehmenskommunikatoren. Nur: Wie ist der zu schaffen? Ein Versuch. Mehr