Heute vor 20 Jahren … im Land der hilfreichen Franzosen

Es war eine elendig lange Fahrt. Unerwartet elendig lang. Ich hatte von München kommend noch in Freiburg einen Zwischenstopp eingelegt und bin dann am frühen Abend weitergefahren. Nach Südwestfrankreich. In Richtung der Stadt, wo ich ein Jahr lang leben sollte, um zu studieren und zu unterrichten. Toulouse, la ville rose. Die Entfernung hatte ich unterschätzt, so dass ich meinen Golf II mitten in der Nacht, müde und nicht mehr wirklich fahrtüchtig abstellte. Mitten im Massive Centrale, in der Nähe von Le Puy-en-Velay. Mitsamt meinem ganzen Hausstand, inklusive meiner “IT-Infrastruktur”. Anno 1992. Gar nicht so lange her, eigentlich. Und dennoch kommt es mir vor wie in einer Welt vor unserer Zeit.

In dem Kofferraum hatte ich meinen ersten Rechner und meinen ersten Drucker:

Ein Atari 1040 STE und ein NEC-Nadeldrucker P6, ein wahres Ungetüm, robust in der Verarbeitung und schwer. Am nächsten Tag erreichte ich gegen Mittag den Ort, wo ich südfranzösische Gastfreundschaft gleich zu Anfang erleben durfte. Die jungen Bewohner des Hauses, in dem ich das folgende Jahr leben sollte, halfen mir beim Ausräumen meines Autos, speziell des Kofferraumes, denn vollbepackte Autos mit deutschem Kennzeichen sollte man da besser nicht stehen lassen. Anschließend gab es einen Apéro. Alles erschien wie ein perfekter Anfang. Doch leider hatte ich nur den Kofferraum leer geräumt. Was vorne drinnen war, wie ein Füller, Adressbuch und Autoradio räumten dann eher “eigennützig hilfsbereite” Franzosen in der folgenden Nacht aus. Das war ärgerlich. Doch mein modernes Arbeitsgerät hatte ich ja noch. Und so nutzte ich den Atari mit seiner sehr angenehmen Textverarbeitung (und dreifachem Zwischenspeicher für mehrere Textelemente beispielsweise) und den Nadeldrucker die ganze Zeit über in Frankreich.

Wieder zurück in München sollte mich diese meine erste IT-Infrastruktur noch ein paar Monate begleiten. Als mein erster Rechner langsam ans Ende seines Produktlebenszyklus und die Firma Atari immer mehr in Richtung Bedeutungslosigkeit kam, war es Zeit zum Wechsel. Ich stieg auf eine andere Computerfirma um, deren Name mit einem “A”  beginnt und die ebenfalls ein damals sehr fortschrittliches Betriebssystem mit Maussteuerung und graphischer Benutzeroberfläche anbot: Mein erster Mac war ein Performa 475, der wegen seiner Form auch gerne Pizzaschachtel genannt wurde. Dieser anderen Marke mit dem “A” am Namensanfang bin ich seitdem treu geblieben, beende den mit der Bluetooth-Tastatur von Belkin verfassten Blogbeitrag an meinem iPad …

… und verrate noch eine kleine Ungenauigkeit, die der geneigte Leser verzeihen möge: Meine Zeit in Frankreich begann 1991 und endete im Herbst 1992 …

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Über den Verfasser

Arno Laxy
leitet das Münchner Büro von Sympra und hat sich seit einiger Zeit auf IT-Sicherheitsthemen spezialisiert. Darüber hinaus interessiert er sich besonders für die gesellschaftliche Relevanz der Informationstechnologie und Telekommunikation, sei es beim Datenschutz, dem veränderten Kommunikationsverhalten oder auch rechtlichen Aspekten.



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