“Leider wird oft der Fehler gemacht, Google+ wie Facebook zu betrachten”

„Fragen Sie mich nochmal, wenn sich Google+ Unternehmensseiten etwas mehr etabliert haben“, hatte Annette Schwindt auf die Frage „Wenn Sie sich für eines entscheiden müssten, wäre es Facebook oder Google+?“ geantwortet. Dieses Interview ist nun fast zwei Jahre her. Es ist nun an der Zeit noch einmal bei Frau Schwindt nachzufragen…

Was ist Ihr Eindruck, haben sich Google+-Unternehmensseiten mittlerweile etabliert, Frau Schwindt?

Ja und Nein. In gewissen Bereichen setzt es sich immer mehr durch, auch auf Google+ vetreten zu sein. Das sind aber vor allem Medien oder große Konzerne wie die Deutsche Bahn. Beim „Ottonormalunternehmer“ hat es sich noch nicht herumgesprochen, wo die Vorteile von Google+ liegen. Facebook ist gerade erst Mainstream geworden, aber nur die wenigsten verstehen, wie man dort agieren muss. Zuhören, Gespräche führen und echtes Communitymanagement betreiben nur wenige. Die meisten sind also leider noch nicht bereit für das Bespielen einer weiteren „Baustelle“…

Auf welcher Plattform bewegen Sie sich geschäftlich mehr, Facebook oder Google+?

Facebook nutze ich öfter, aber Google+ holt bei mir dank der stark verbesserten mobilen App auf. Meine Community auf Facebook ist älter und damit größer, also kommen da mehr Fragen und Gesprächsbedarf rein. Interessanterweise erreichen mich viele Fragen zu Google+ auch via Facebook statt auf Google+ selbst. Google+ nutze ich dafür regelmäßig für Hangouts, egal ob privat, geschäftlich oder wenn ich für Vorträge zugeschaltet werde. Da hat Skype für mich stark an Bedeutung verloren.

Und wenn Sie sich nun für eines der beiden Netzwerke entscheiden müssten?

Dann wäre es momentan wegen der Reichweite meiner Community Facebook, allerdings blutenden Herzens wegen der fehlenden Äquivalente zu Hangouts und SEO-Optionen (auch wenn Facebook zumindest bei letzterem aufzuholen versucht).

“Google+ wird als Nischen-Netzwerk für Geeks, Web-Professionals und Fotografen gesehen.” Teilen Sie diese Meinung?

Ein Nischennetzwerk ist es für mich nicht. Wie aber bei jedem jungen Dienst im Web ist der Anteil an Netzmenschen noch höher als anderswo. Leider wird oft der Fehler gemacht, Google+ wie Facebook zu betrachten. Aber das ist nicht dasselbe. Facebook ist ein von klein nach groß gewachsenes System, während Google+ nur das „Sahnehäubchen“ (oder wie Google sagt den „social layer“) auf den bereits vorhandenen verschiedenen Google-Diensten wie Suchmaschine, YouTube, Gmail etc. darstellt. Natürlich orientieren sich beide aneinander, aber das tun alle Dienste im Netz, um innovativ zu bleiben. Zusammen mit Twitter sind Facebook und Google+ die „Großen“ im Social Web.

Wann empfiehlt es sich aus Ihrer Sicht für ein Unternehmen, Google+ Facebook vorzuziehen?

Es kommt darauf an, wo gerade die Leute zugange sind, die ich ansprechen will, und wo die Gespräche über mein Unternehmen stattfinden, an denen ich mich beteiligen sollte. Facebook hat (noch) die größere Reichweite, Google+ hat Hangouts und die Suchmaschine Google.

Als weiterer Pluspunkt für Google+ werden immer wieder die Kreise angeführt. Das kann ich nur insofern unterschreiben, als Kreise auch für Seiten nutzbar sind. Auf Facebook gab es schon lange vor Google+ sowas wie Kreise, nämlich die Listen. Allerdings nur für Profile, nicht für Seiten. Seit Google+ wird das in Facebook mit Smartlists und Interessenlisten nur stärker promotet. Die Tatsache, dass ich in Google+ auch als Seite eine Community gründen und nutzen kann, während Gruppen in Facebook nur von Profilen genutzt werden können, ist ein Vorteil, den sich z.B. die Deutsche Bahn mit ihrer Community zunutze gemacht hat.

Facebook ODER Google+? Ist das überhaupt die richtige Fragestellung?

Nein, denn es kommt wie schon gesagt darauf an, WEN ich ansprechen will und WO diejenigen sich online aufhalten. Wenn ich schon eine aktive Youtube-Community habe, ist Google+ gleich inklusive. Bin ich ein aktiver Instagrammer, ist Facebook schon mit drin. Aber vielleicht ist auch beides nicht mein Ding und ich bewege mich lieber auf Twitter, das kommt ganz drauf an.

Ich denke, wenn man ernsthaft im Social Web aktiv sein will, kommt man an keinem der großen Drei vorbei. Die Frage ist also nicht, OB ich dort aktiv werde, sondern WIE ich diese Aktivitäten mit Leben fülle und koordiniere.

Vielen Dank, Frau Schwindt!

 

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Über den Verfasser

Ines Kübler
ist seit 2011 bei Sympra. Die Kommunikationswissenschaftlerin betreut vor allem Kunden aus den Bereichen Maschinenbau, Wissenschaft und Weiterbildung, wenn es um Medienarbeit, Social-Media-Beratung oder internationale PR geht. Weitere Informationen finden Sie bei Xing.



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