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Zukunft, Wirtschaftskommunikation, DPRG Symposium am Mittwoch, den 7. Dezember 2011 in Stuttgart

„Zwischen Macht und Ohnmacht – Neue Perspektiven für die Wirtschaftskommunikation“

Publikum Klein-300x173 in Diesen Titel trug ein Symposium, das die DPRG-Landesgruppe Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet für Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim (Prof. Dr. Dr. Claudia Mast) mit Unterstützung der IHK Region Stuttgart am 7. Dezember in Stuttgart veranstaltet hat. Ausgangsthema waren die messbaren Veränderungen der Rahmenbedingungen rund um die Wirtschaftskommunikation. Denn eine breitere Ansprache des Publikums, Elemente des Magazinjournalismus und gesellschaftliche Bezüge lösen zunehmend enge Nutzwertkonzepte ab und ergänzen die einseitige Ausrichtung an Fachthemen. Dies belegen Ergebnisse aktueller Journalisten- und Bevölkerungsumfragen in Verbindung mit einer Inhaltsanalyse der Unternehmensberichterstattung, die von der Universität Hohenheim in Zusammenarbeit mit der ING-DiBa AG durchgeführt wurden. Hinzu kommt, dass Internet und Social Media auch für die Wirtschaftskommunikation Veränderungen mit sich bringen: Neue Angebote entstehen, Nutzungsmuster verändern sich.

Was bedeuten die sich verändernden Rahmenbedingungen für die Medienarbeit? Wie muss Unternehmenskommunikation Themen auswählen, aufbereiten und vermitteln? Wie kann sie Strategien der Publikumsansprache und neue Techniken zur Vermittlung von Wirtschaftsthemen nutzen, um Journalisten, aber auch andere Zielgruppen zu erreichen? Wie kann die Kommunikation den Erwartungen der Bevölkerung entsprechen? Diesen und anderen Fragen gingen namhafte Referenten aus Wirtschaft und Kommunikation nach.

Über Wirtschaft berichten: Unternehmensberichterstattung im Umbruch?

Prof -Dr -Claudia-Mast-216x300 in In einer Keynote zu Entwicklungen im Wirtschaftsjournalismus und ihrer Bedeutung für die PR stellte Prof. Dr. Dr. Claudia Mast von der Universität Hohenheim zunächst einige empirische Ergebnisse aus aktuellen Forschungsprogrammen vor. Unter anderem waren repräsentative Leitfadengespräche mit Journalisten und Entscheidern der Wirtschaft, Inhaltsanalysen und Bevölkerungsumfragen durchgeführt worden. Im Fokus der Untersuchungen stand dabei die Perspektive derer, an die sich die Kommunikation in erster Linie richtet. Laut Umfrage interessiert sich der Großteil der Bevölkerung, nämlich 86 Prozent, für Wirtschaftsthemen. Daraus resultieren entsprechend hohe Erwartungen an den Journalismus. Vermehrt sind qualifizierte Erklärungen und Hintergründe bei Wirtschaftsthemen gefragt, die helfen, Nachrichten selber einzuordnen. Gesellschaftliche und politische Aspekte sollen in der Berichterstattung ebenfalls berücksichtigt werden. Laut Claudia Mast herrscht zudem Misstrauen gegenüber der Medienberichterstattung, die Bürger fühlen ihre Interessen nicht genug vertreten. Ihr Fazit: Betriebswirtschaftliche Perspektiven verlieren an Akzeptanz, zumindest aus Publikumssicht. Gewünscht ist eine gesellschaftsorientierte Medienberichterstattung, auf die auch die Unternehmenskommunikation Antworten finden muss, beispielsweise mit einem breiteren Angebot an Akteuren aus Wirtschaft und Wissenschaft. Mast: „Publikums- und Breitenmedien werden wichtiger, hier wird die Schlacht um Reputation entschieden“.

Podiumsdiskussion: Wirtschaft erklären: Neuorientierung der Medienarbeit?

DPodiumsdiskussion-300x155 in ie anschließende Podiumsdiskussion, moderiert vom Fachjournalisten Peter Welchering, beleuchtete die Frage nach der Neuorientierung von Unternehmensberichterstattung und Medienarbeit. Es diskutierten Richard Gaul, Vorsitzender des Deutschen Rats für Public Relations (DRPR), Prof. Dr. Dr. Claudia Mast, Andreas Richter, Hauptgeschäftsführer IHK Region Stuttgart, Matthias Röder, Leiter dpa Landesbüro Stuttgart, sowie Dr. Frank-B. Werner, Chefredakteur €uro und €uro am Sonntag und Geschäftsführer des Finanzen Verlags. Richard Gaul vom DRPR kritisierte an der Wirtschaftsberichterstattung, dass sie zu stark börsenorientiert sei, „der Mittelstand kommt praktisch gar nicht vor“, so Gaul. Außerdem habe der sogenannte „Rudeljournalismus“, der sich in der Hauptstadt breit gemacht habe, zu Verdichtung und Oberflächlichkeit geführt. Er forderte „Inhalte liefern statt Zahlen“ und Andreas Richter von der IHK Stuttgart plädierte für mehr Berichterstattung über die Realität der Unternehmen. €uro-Chefredakteur Dr. Frank-B. Werner gab zu Bedenken, dass Interviews häufig nach dem Gegenlesen komplett geändert würden. Einig waren sich die Podiumsvertreter schließlich in ihrer Sicht der zukünftigen Unternehmensberichterstattung: Nachrichten ja, aber nicht nur Zahlen und Fakten, sondern Hintergrundinformationen, auch über die Branche, angereichert mit volkswirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Themen. Das Ganze zum Beispiel in Textblöcken aufbereitet, Kommentar und Korrespondentenbericht inklusive. Auch auf Regionalität solle mehr Wert gelegt werden, kommentierte IHK-Geschäftsführer Richter, denn „das Produkt muss dem Kunden gefallen und seiner Lebenswirklichkeit entsprechen“.

Wirtschaft kommunizieren: PR für Wirtschaftsthemen – Fallbeispiele

Den dritten Teil des Symposiums bildeten Fallbeispiele aus Unternehmen, die in Impulsvorträgen vorgestellt wurden. Frank Schabel, Leiter Marketing/Corporate Communications bei der Hays AG, erläuterte das Thema „Wirtschaftsthemen besetzen: Medienarbeit strategisch oder flankierend?“ Wie kann Pressearbeit wirkungsvoll in das Marketing eingebunden werden? Was ist der interessante Content nach Zielgruppen? Edith Meissner, Manager Executive and R&D Communications, bei der Daimler AG sprach über „Wirtschaftsthemen erklären: Innovation als Thema für die Medien“. Sie stellte einen Auszug aus dem gesamten Repertoire der Kommunikation bei Daimler vor. Hier finden sowohl klassische Formate wie Broschüren, Magazine, Presseinformationen und Pressekonferenzen Gehör, als auch spezielle Veranstaltungen wie „TechDays“ und „TechTalks“, Hintergrundgespräche zu einem speziellen Technologiethema, die dann in der Werkstatt oder im Labor stattfinden. Dazu gibt es Social-Media-Aktivitäten aller Art, Web-Bühnen, Technologie-Blogs und Online Newsletter. Meissners Fazit: Innovationskommunikation ist wie das Konzert eines Symphonieorchesters. Will sagen: Mit der gesamten Klaviatur des Medienmix erreicht man erst die volle Klang- und Raumwirkung. Ein weiteres Thema erklärte der Head of Media Relations bei der SAP AG, Christoph Liedtke: „Wirtschaftsthemen individualisieren: Media Relations 2.0 – neue Wege, alte Zielgruppen?“ Er gab Einblicke in die Zusammenarbeit mit Bloggern, die SAP als wichtige Zielgruppe in die PR einbindet. Weltweit arbeiten 45 Personen im Bereich Media Relations, ein Team aus fünf Personen betreut je 200 autonome Blogger. Teilweise werden auch Blogs zugekauft (Beispiel Forbes), in denen sich dann verschiedene Fachleute äußern. Außerdem seien Videokanäle auf dem Vormarsch, und damit die Notwendigkeit, Inhalte noch komprimierter zu kommunizieren. Twitter sieht Liedtke als wichtigsten Kanal zur Multiplikation und um Trends früh zu erkennen. Seiner Ansicht nach wird es generell immer wichtiger werden, die Kompetenz zu entwickeln, eine Meinung zu äußern und zu vermitteln.

Wirtschaft leben: Der Vorstandsvorsitzende der Uzin Utz AG  im Interview zum Thema Wirtschaft, Medien und Kommunikation

 in Dass der Kommunikationswandel auch vor dem Mittelstand nicht Halt macht, verdeutlichte die Abschlussdiskussion mit Dr. H. Werner Utz, Vorstandsvorsitzender der Uzin Utz AG aus Ulm. Mit ihm betrachtete Peter Welchering das Verhältnis von Wirtschaft, Kommunikation und Medien aus der Sicht eines erfolgreichen Familienunternehmens. Die Wirtschaftsberichterstattung sei als börsennotiertes Unternehmen selbstverständlicher Teil der Unternehmenskommunikation, so Utz. Im Jubiläumsjahr 2011 hätten zum 100-jährigen Bestehen des Unternehmens jedoch zahlreiche zusätzliche Presse- und Marketingaktivitäten stattgefunden. Ein Projekt mit Ausstellung zur Zukunft des Bodens ist dabei genauso wichtig wie die ständige und umfassende Ansprache der Hauptzielgruppe Handwerker. Hier setzt das Unternehmen sowohl auf Weiterbildungsangebote in Bezug auf Produkte, Technik und Marketing, als auch auf spezielle Events an Orten mit Praxisbezug. Inhaltlich besetzt der Produzent von bauchemischen Produktsystemen und Maschinen für die Bodenbearbeitung Themen wie umweltfreundliche Technologien, Nachhaltigkeit und wohngesunde Produkte sowie Zukunftstrends.

Hintergrundinformationen zum Vortrag von Prof. Dr. Dr. Claudia Mast auf dem DPRG Symposium am 7. Dezember in Stuttgart gibt es hier.

Vom Arbeiten in einem internationalen Agenturnetzwerk

International PR Sympra in Die Welt ist ein Dorf geworden. Nicht nur große Konzerne müssen sich darauf einstellen: Auch viele kleine und mittlere Unternehmen stehen früher oder später vor der Herausforderung, ihre Produkte und Dienstleistungen auch im Ausland anzubieten. Damit einher geht unmittelbar der Bedarf an internationaler Kommunikation. Global abgestimmt und doch an nationale und regionale Gegebenheiten angepasst, so sollte sich ein zeitgemäßes Unternehmen heute präsentieren.

Sympra kommt dem steigenden Bedarf an grenzüberschreitenden Public-Relations-Aktivitäten seit einigen Jahren verstärkt entgegen: Statt sich einem etablierten Agenturnetzwerk anzuschließen, hat die Stuttgarter PR-Agentur mit Büros in Berlin und München mit den Anstoß zur Gründung eines eigenen Netzwerks inhabergeführter PR-Agenturen mit hohem Qualitätsanspruch gegeben. Über die Erfahrungen im und mit dem Public Relations Network (PRN) berichtete Sympra-Geschäftsführer Veit Mathauer am Abend des 15. Juni 2008 bei einer Veranstaltung der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG), die bei Sympra in Stuttgart stattfand. Titel der Abendveranstaltung: “Hitting the Headlines – vom Arbeiten in internationalen Agenturnetzwerken”.

Netzwerk bietet Zugriff auf PR-Agenturen in 21 Ländern

Ausschlaggebend für den Aufbau des internationalen Netzwerks von PR-Agenturen war laut Veit Mathauer der Wunsch vieler Kunden, im Bedarfsfall rasch international Public Relations aufbauen und nutzen zu können. Für Sympra sei PRN eine wichtige Infrastruktur, auf deren Basis die Agentur auf Anfragen reagieren könne. Nach einem Testbetrieb 2005 und der Gründung mit neun Mitgliedern im Jahr 2006 ist das Netzwerk bis Juni 2009 auf 21 Mitglieder in unterschiedlichen Ländern angewachsen, Tendenz rasch steigend. Ein dreiköpfiges Board unter anderem mit Sympra-Beteiligung, zwei Mitgliederversammlungen jährlich, verschiedene interne Kommunikationstools wie ein Newsletter sowie ein teilweise durch Umlagen finanziertes Sekretariat, das von Deutschland und Italien gemeinsam gemanagt wird, sorgen für den operativen Zusammenhalt. Ein “Bill of Rights” definiert die Regeln im Miteinander und sorgt dafür, dass der Umgang zwischen den Partneragenturen fair bleibt.

Input und Output stehen bei der internationalen Zusammenarbeit in direktem Verhältnis, so Mathauer. Mitgliedsagenturen, die sich eher passiv verhielten, seien mitunter vom Ergebnis des internationalen Networking enttäuscht. Aktivere Netzwerkmitglieder würden daher stärker profitieren und PRN in höherem Maße als Katalysator fürs Neugeschäft betrachten. Ein Geben und Nehmen, das ganz nebenbei jede Menge organisatorische und kulturelle Hürden meistern muss. Anhand einiger unterhaltsamer Beispiele skizzierte Mathauer die durchaus unterschiedliche Herangehensweise von PR-Agenturen in aller Welt an ein und dieselbe Aufgabe. Wenn Italiener mit Indern, Franzosen und Deutschen an einem Projekt arbeiten, dann kann man sich vorstellen, dass kulturelle Unterschiede auftreten können – umso wichtiger, dass enge persönliche Beziehungen als Grundlage den Projekterfolg dennoch sichern. Vineeta Manglani, die bei Sympra als Native Speaker für internationale Aktivitäten zuständig ist, betonte in diesem Zusammenhang, wie wichtig es sei, dass die internationalen Partner “like-minded” sind, also gleichgesinnt, handverlesen. Dass PRN-Mitglieder sich bei den Mitgliederversammlungen des Agenturnetzwerks persönlich kennenlernten, sei von unschätzbarem Wert und helfe bei der Auswahl der richtigen Partner. “It’s people Business”, hatte auch Veit Mathauer in seinen Präsentationsfolien formuliert.

Wie unkompliziert und schlank innerhalb des Agenturnetzwerks kommuniziert wird, demonstrierte eine Videokonferenz: Während der Abendveranstaltung wurde Gaye Carleton von der US-Partneragentur Mantra zugeschaltet und berichtete live darüber, die sie das Unternehmen Kärcher aus Winnenden mit dessen Reinigungsaktion für die “Space Needle” in Seattle in die Medien gebracht hatte – New York Times inklusive. Dabei sei es von großem Wert gewesen, mit Sympra einen Ansprechpartner vor Ort in Deutschland zu haben.

Demnächst Public Relations auch in Dubai, Osteuropa, Südostasien und Kanada

Die nächsten Highlights für PRN stehen bereits fest: Neben der Ende Juni 2009 anstehenden Mitgliederversammlung in New York soll es sich dabei um die Aufnahme von Neumitgliedern in Dubai, Osteuropa, Südostasien und Kanada handeln.

Vortragsfolien von Veit Mathauer zum DPRG-Event

Links:

Deutsche Public Relations Gesellschaft (DPRG): www.dprg.de
Kärcher reinigt die Space Needle: www.karcher.de/de/Sponsoring/Kultur-Sponsoring/Space_Needle.htm
Public Relations Network (PRN): www.pr-network.biz