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Gowalla und Foursquare erobern das Land

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Gowalla & Co.: Location Based Games

Die deutsche Geek-Szene hat mal wieder ein neues Spielzeug bekommen, und im Moment kann man häufiger folgende Szene auf Berlins Straßen beobachten: Menschen bleiben vor Lokalen stehen, zücken ihr iPhone oder Android aus der Tasche, verharren für einen einen kleinen Moment an Ort und Stelle, um erst dann das Lokal zu betreten.

Der Grund: Die beiden Location-Based Social Networks Gowalla und Foursquare haben Deutschland erreicht.

Location-Based Social Networks sind zwar in Summe nicht neu, gibt es neben Brightkite aus den USA mit Plazes einen prominenten Vertreter aus deutschen Landen, aber die zweite Generation ihrer Art weist einen erheblichen Unterschied zu den Vertretern der ersten Generation aus:

Man nutzt spielt Gowalla und Foursquare!

Beide Services haben zwar mit ihren Vorgänger im weitesten Sinne den gleichen Nutzen inne – nämlich den eigenen Freunden mitzuteilen, wo man sich gerade aufhält – aber der Anreiz die Applikation wirklich häufig zu nutzen ist ein völlig anderer geworden.

Der Gaming-Faktor

Beide Applikationen belohnen ihre Nutzer für Aktivität und schaffen Möglichkeiten, sich mit seinen Freunden zu vergleichen. Somit entstehen zusätzlich zum eigentlichen Nutzen zwei weitere Anreize:

  1. virtuellen Belohnungen zu sammeln
  2. besser als die eigenen Freunde zu sein

Der Ansatz von Gowalla fokussiert sich dabei um virtuelle Güter und Badges, die man erhalten kann. Je häufiger man eincheckt und eigene Orte anlegt, um so mehr Badges kann man freischalten. An jedem Ort gibt es dabei die Möglichkeit neue Items zu sammeln und diese mit anderen zu tauschen.

Diese Items haben dabei eine unterschiedliche Knappheit und somit wird hier auf einen der ältesten Anreize (Jäger und Sammler) überhaupt aufgebaut. Wird Gowalla zur Briefmarkensammlung des “Digital Native”?

Foursquare setzt ebenfalls auf Badges, um Aktivität zu belohnen, hat aber wiederum keine virtuellen Güter zu bieten, dafür aber das Konzept der “Mayors”. Die Person, die an einem Ort am häufigsten eincheckt, ist der Mayor der Location und wird als dieser auch besonders gekennzeichnet.

Beiden Plattformen bieten grundsätzlich die Möglichkeit, sich mit seinen Freunden zu vergleichen, um zu sehen, wer der Aktivste ist, wobei hier Foursquare durch ein integriertes Leaderboard und das Mayorship-Konzept die Nase leicht vorn hat.

Unabhängig von diesen unterschiedlichen Ausprägungen ist es aber unwahrscheinlich spannend, an sich selbst und Dritten zu beobachten, wie sehr diese Anreize eine Dynamik entwickeln können und letzten Endes wirklich dazu führen, dass eine Applikation häufiger genutzt wird.

Ein Prinzip, das sich auch jüngst erst Volkswagen mit der unwahrscheinlich erfolgreichen Kampagne TheFunTheory.com zu eigenen gemacht hat, bei der in diversen Videos tolle Beispiele gezeigt werden, wie die Nutzung z. B. einer Treppe anstatt einer Rolltreppe oder die Nutzung eines Altglascontainers dadurch erhöht werden konnte, dass es einfach mehr Spaß macht, es zu tun.

Und genau darum geht es hier: Es macht einfach unwahrscheinlich viel Spaß, mit Gowalla oder Foursqure zu spielen!

Potenziale für Werbetreibende

Die Frage die sich jetzt natürlich stellt, ist: Wie können auch Unternehmen diese neue Generation von Location-Based Social Networks in Zukunft für sich nutzen?

Lassen Sie mich Ihnen dazu drei einfache Beispiele nennen:

1. Location Based Advertising

Foursquare ermöglicht es schon heute in einem gewissen Rahmen auf ihrer Plattform zu werben. Hierbei spielen zwei Konzepte von Foursquare eine wichtige Rolle. Einmal das bereits erwähnte Konzept des “Mayors” und zusätzlich die Möglichkeit, dass Nutzer an jeweiligen Orten Tipps für ihre Freunde hinterlassen können.

Checke ich in einer Location ein und in der Nähe hat ein Freund von mir einen Tipp hinterlassen, werde ich benachrichtigt und bekomme den Hinweis auf dem iPhone eingeblendet.

Unternehmen können auf dieses Konzept aufsetzen und z. B. spezielle Angebote für Mayors unterbreiten, die dann nach dem gleichen Prinzip eingeblendet werden, wenn man in der Nähe eincheckt.

Das unter Geeks mehr als bekannte Cafe St.Oberholz in Berlin hat zum Beispiel bereits von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Am Wochenende habe ich in der Nähe des St. Oberholz bei Starbucks eingecheckt und habe daraufhin umgehend die Benachrichtigung bekommen, dass das St. Oberholz mir als Mayor eine Kaffee-Flatrate bieten würde.

Das hat mich in dem Moment wirklich positiv überrascht, und ich denke, hier liegt für die Zukunft noch viel Potenzial. Man fragt sich natürlich umgehend, wie das mal in Zukunft skalieren soll und wie man eine Lösung findet, dass solche Hinweise nicht als Spam empfunden werden – aber grundsätzlich finde ich es auch als Nutzer eine tolle Geschichte, in Abhängigkeit von meinem Real-Life Kontext nicht nur Tipps von meinen Freunden zu sehen, sondern durchaus auch kommerzielle Angebote angezeigt zu bekommen.

2.  Branded Badges

Beide Dienste setzten darauf, dass man Badges für unterschiedlichste Aktivitäten bekommen kann. Hier liegt natürlich die Idee nahe, auch branded Badges für Aktivitäten auszugeben, die direkt mit einem Unternehmen zu tun haben.

So ist Foursquare z. B. eine Kooperation mit BART (Bay Area Rapid Transit) eingegangen und bietet nun zusammen mit dem öffentlichen Transportsystem spezielle Badges an, die man dafür bekommt, wenn man die öffentliche Verkehrsmittel nutzt.

Darüber hinaus gibt es ein Gewinnspiel und damit die Möglichkeit, Gutscheine zu gewinnen, indem man aktiv Foursquare im Zusammenhang mit BART nutzt.

Was ist hier noch denkbar?

  • adidas gebrandete Badges, wenn ich auf Sportplätzen einchecke?
  • Lufthansa Badges, wenn ich auf Flughäfen einchecke?
  • McDonalds Badges, wenn ich bei McDonalds bin?

Oder vielleicht …

  • Gewinnspiele für adidas-Sportartikel?
  • Meilen bei Miles-And-More von der Lufthansa?
  • Digitale Gutscheine auf dem iPhone für einen Cheeseburger?

Hier sind der Fantasie vermutlich keine Grenzen gesetzt, und ich bin sehr gespannt, welche Werbemodelle wir in Zukunft in diesem Kontext noch sehen werden.

An dieser Stelle sei auch nochmal erwähnt, dass Gowalla bereits das Konzept der “Trips” integriert hat und man besondere Badges bekommen kann, wenn man vordefinierte “Trips” absolviert hat. Individuelle Trips lassen sich bereits von Nutzern vorschlagen, und der Schritt zu “Branded Trips”, die von Unternehmen eingereicht werden, ist da nicht mehr weit.

3. Virtuelle Güter

Bei Gowalla dreht es sich vor allem um die Items, die man sammeln kann und die eine gewisse Knappheit haben. Dieses Konzept kennt man schon lange von z. B. Social Games auf Facebook und wird auch dort bereits kampagnenorientiert eingesetzt.

Ein Unternehmen geht dabei eine Partnerschaft ein und bietet für einen bestimmten Zeitraum besondere Items an, die möglichst besonders “toll” sind, ggf. eine gerade laufende Werbekampagne unterstützen und den Nutzern die Möglichkeit geben, besondere Items zu erlangen.

Nach einem gewissen Zeitraum X gibt es diese Items nicht mehr, und auch damit wird eine Knappheit erzeugt. Somit entsteht ein Anreiz, bei diesen Kampagnen mitzumachen.

Fazit und Ausblick

Wir stehen von den Nutzerzahlen in Deutschland – als auch weltweit – noch ganz am Anfang der Entwicklung, und gerade Foursquare funktioniert in Deutschland aktuell nur für Nutzer in Berlin und München. Dennoch halte ich diese Entwicklung für mehr als spannend. Robert Scoble hat sich jüngst erst dazu hinreißen lassen, zu behaupten, dass Foursquare mal größer als Twitter wird.

Die Möglichkeiten für Werbetreibende sind dabei unwahrscheinlich spannend, da sich eine digitale Kampagne auf einmal an eine physische Präsenz über das GPS-fähige iPhone koppeln lässt und dabei alle viralen Kanäle wie Twitter und Facebook bereits integraler Bestandteil dieser Apps sind.

Was für den Erfolg gerade in Deutschland noch eine wichtige Rolle spielen wird, ist das ganze Thema “Privacy”. Aktuell sind zwar schon Möglichkeiten vorhanden, die Privacy bei Gowalla und Foursquare zu kontrollieren, dennoch glaube ich, dass hier noch viel Verbesserungspotenzial besteht und dass gerade deutsche Nutzer dort hohe Ansprüche haben werden.

Wer Gowalla einmal ausprobieren möchte, kann dies jederzeit tun und die Applikation auf seinem iPhone oder Android installieren. Foursquare wird sogar zusätzlich noch auf dem Blackberry unterstützt, ist im Moment aber auf Berlin und München beschränkt.

Wochenende – und Ende der Publikationshoheit

Photocase-Marc-Walter-Zutritt-verboten-300x199 in Gleich mehrfach hat sich in der zu Ende gehenden Woche wieder gezeigt, wie schnell sich die Spielregeln in der Online-Kommunikation ändern. Wenn Sie, lieber Leser, nicht ganz tief in der Web-2.0-Materie stecken, so werden Ihnen die Indizien für besagte Dynamik, die ich gleich aufzähle, eher exotisch, technikverliebt, vielleicht sogar nicht wirklich relevant vorkommen:

• Twitter-Listen: Das ganz große Thema im Social Web war in der zurückliegenden Woche die breite Einführung frei zusammenstellbarer Listen von Nutzern bei Twitter. Twitterer können andere Teilnehmer auf diese Weise kategorisieren. Andere Menschen haben so die Chance, sich rascher einen Überblick zu verschaffen, wer die tonangebenden Nutzer zu speziellen Themengebieten sind. Neben der Zahl der Follower gelten Twitter-Listen bereits heute als wichtiger neuer Maßstab zur Bewertung der Reputation und Reichweite eines Twitter-Accounts. Sie werden prominent im Twitter-Profil dargestellt – natürlich wieder primär quantitativ, wie wir es von Twitter kennen. In welchen Listen er auftaucht, kann der Inhaber eines Accounts nur begrenzt beeinflussen – Crowdsourcing findet statt, plötzlich werden Sie als Twitterer von der Netzgemeinde bewertet und in Schubladen gesteckt. Wohl dem, der eine gute Reputation aufgebaut hat. Schade für die, die es in keine Listen schaffen – oder in negativ behaftete.

• Google Sidewiki für alle Browser: Google Sidwewiki bietet Internetnutzern die Möglichkeit, beliebige Internetseiten oder bestimmte Passagen auf diesen Internetseiten zu kommentieren oder zu ergänzen. War bisher nach dem Start im September ein spezielles Plugin zur Nutzung erforderlich, so können jetzt Nutzer aller Browser mit einem simplen Bookmarklet auf Sidewiki zugreifen. Welche Inhalte in Google Sidewiki prominenter und welche weiter unten in der Ergebnisliste dargestellt werden – Google berechnet es in altbewährter Manier anhand eigener Algorithmen. Die Reputation des Absenders eines Kommentars spielt eine wichtigere Rolle als die Aktualität. Einmal veröffentlichte Sidewiki-Einträge zu Webseiten als Betroffener entfernt zu kriegen – möglich, wenn Sie Google von der Unredlichkeit des Kommentars überzeugen. Mit anderen Worten: schier unmöglich. Und nicht unproblematisch.

• Google Social Search: Im Betatest hat Google jetzt auch eine Funktion, die dem Recherchierenden in den Ergebnissen explizit Content anzeigt, den Personen aus seinem eigenen sozialen Umfeld veröffentlicht haben. Dabei bedient sich Google der in Zukunft immer wichtiger werdenden Google Profiles sowie der sozialen Netze bei Twitter und Friendfeed, die zu diesem Zweck ausgewertet werden.

• Die immer rascher voranschreitende Ausbreitung mobiler Tagging-Anwendungen: Verspielte Applikationen wie Gowalla oder Foursquare sind im Moment der neueste Hit der Digitalen Bohème. Das Ganze funktioniert so: Wer mit seinem Android-Handy, iPhone oder anderem schicken Smartphone an einem für ihn relevanten Ort ankommt, der hat – gehört er zu eben jener Digitalen Bohème – nicht besseres zu tun, als dort einen „Spot“ zu begründen und den Ort spielerisch zu „taggen“, also mit Kommentaren oder anderen digitalen Spuren zu versehen.

All diese Themen mögen auf weniger technikaffine Zeitgenossen ein wenig freaky, oder nerdig, wie man heute sagt,  wirken. All diese Themen stehen aus meiner Sicht jedoch gemeinsam für einen ungemein rapiden Wandel: Wir haben nicht mehr die Publikationshoheit, was unsere Marke betrifft. Ob Unternehmen oder Privatperson. Ob Internetseite oder realer Ort da draußen. Alles kann von jedem getaggt, mit Kommentaren versehen in einen anderen als den vom Eigentümer geplanten Kontext gebracht werden.

Die Spielregeln bestimmen dabei Startups in Silicon Valley. Oder ausgewachsene Startups wie Google. Kontrollverlust pur. Wer nur reagiert, kommt zu spät. Einzig sinnvolles Vorgehen: Rechtzeitig eine Strategie entwickeln, die alle neuen, dezentralen, nicht beherrschbaren Kommunikationswege mit einbezieht und auf den langfristigen Aufbau positiver digitaler Reputation setzt.

Wenn Sie jetzt immer noch keine Angst haben und ein wenig spielen möchten: Das Video unten erklärt Google Sidewiki; und hier können Sie das entsprechende Bookmarklet für Ihren Browser ganz einfach installieren. Wie wäre es, wenn Sie gleich hier auf dieser Seite einen Sidewiki-Eintrag hinerließen? Ich würde mich freuen. Aber Achtung: Ihre Experimente wirken sich unmittelbar auf die eigene Reputation aus – wie unter anderem belegt, dass Google automatisch einen neuen Sidewiki-Eintrag in meinem persönlichen Google-Profil angelegt hat, nachdem ich meinen ersten Sidewiki-Kommentar gepostet hatte. Beeindruckend.

Freue mich auf Ihre Kommentare – wo auch immer Icon Smile in

@jodeleit