Beiträge zum Schlagwort ‘ Mexiko ’

Ciber lavanderia

Cyberlavanderia in

Eigentlich eine gute Idee, was sich der Betreiber des Waschsalons (“lavanderia”) in Tapachula, Chiapas, Mexiko, einfallen ließ: Wer warten muss, bis seine Wäsche fertig ist, kann ja eine Weile surfen. Überhaupt steht das Internet hier hoch im Kurs, wie ich über Pfingsten erneut erleben konnte: Nachbarschaftsläden, Eisdielen, einfache Hotels – alle bieten sie Internetzugang an, meist kostenlos. Sogar am Flughafen konnte ich für umme surfen. Und um mich herum ohne Ausnahme Menschen mit iPhone, Blackberry oder zwei (!) Handys. In Facebook ist so ziemlich jeder; kaum eine Anzeige ohne Hinweise auf den Twitteraccount des Inserenten.

Apropos Twitter: Wir wurden vom Tropensturm Agatha heftig erwischt, der insbesondere in Guatemala starke Verwüstungen angerichtet hat. Wie die Lage in der Region war und welche Straßen noch passierbar waren und welche nicht mehr, erfuhr ich über Tweets mit #Agatha. Auch die offiziellen Meldungen der Sicherheitsbehörden und Aufrufe zum Blutspenden wurden getwittert; die Sondersendungen im Fernsehen beriefen sich ebenfalls auf Twitter.

Und parallel dazu: die Tweets zum #ESC. Dem konnte hier jedoch niemand so recht etwas abgewinnen …

Kleine mexikanische Medienschau

Den Jahreswechsel verbrachte ich in Tapachula, einer Stadt in Südmexiko an der Grenze zu Guatemala. Wie ich an dieser Stelle bereits berichtet habe, laufen hier sehr viele Informationen per Mundpropaganda, bei Jugendlichen verstärkt auch über das Web. Dennoch haben Zeitungen einen hohen Stellenwert, wenn es um politische Nachrichten, aber auch um gesellschaftliche News geht. Schauen wir uns doch eine der Tageszeitungen aus Tapachula etwas genauer an: El Orbe (auf Deutsch: „Der Erdkreis“). Hier sind meines Erachtens besonders die Rubriken „Sociales“ („Gesellschaftliches“) und „Paginas Rojas“ („Rote Seiten“ – weil hier besonders viel Blut fließt) interessant.

Portada5-150x150 in Bei Sociales kommt zum Beispiel eine einseitige Farbreportage über den 24. Geburtstag von Marcelo Parizot, einem Sohn aus gutem Hause. An selber Stelle erscheinen aber auch reich bebilderte Beiträge über Klassentreffen, Kaffeekränzchen oder Junggesellenabschiede. Selbst über meinen Besuch in Tapachula wurde hier schon in einem Beitrag berichtet – und die Stadt hat immerhin rund 280.000 Einwohner!

 Gewöhnungsbedürftig sind die Beiträge und die Bilder auf den Paginas Rojas. Opfer von Portada32-150x150 in Unfällen oder Schlägereien werden mit Farbfoto abgebildet, ihre Verletzungen ausführlich beschrieben. Mutmaßliche Täter sind abgelichtet, wie sie gerade von der Polizei abgeführt oder verhört werden; der Leser erfährt alles Wissenswerte über ihre Herkunft ihre Familie, ihre Arbeit. Datenschutz greift hier kaum.

 Gewalt ist auch omnipräsent, wenn ich den Fernseher einschalte. Auf mindestens fünf der 40 Kanäle kommt garantiert ein Krimi mit brutalen Szenen, Mord und Totschlag. Die Aktivitäten der Drogenmafia sorgen regelmäßig für spektakuläre Bilder in den Nachrichten. Aber auch Themen aus dem weit entfernten Deutschland finden statt. So wurde ausführlich über den Freitod des Unternehmers Adolf Merckle und über die Kältewelle in Süddeutschland berichtet. Die Bundesliga wird am Wochenende live übertragen (daher kam ich auch schon in den Genuss eines VfB-Spiels), über News aus den Vereinen aus Deutschland, Spanien und England wird täglich berichtet.

Bei Blick in den Zeitschriftenkiosk fällt auf, dass einige Magazine aus deutschen Verlagen stammen. So gibt es zum Beispiel eine mexikanische Ausgabe der Autobild oder auto plus von der Stuttgarter Motor-Presse.

Im Onlinebereich dominieren Sites wie MSN von Microsoft und Yahoo. Der Sohn meiner Schwägerin dürfte jedoch zu den aktivsten Facebook-Nutzern überhaupt gehören – wenn ich mich einlogge: Er ist online.