Beiträge zum Schlagwort ‘ Web 2.0 ’

Who sets the agenda?

Kommsthiernichtrein Schiffner Photocase6be867kp1 in Why should journalism be any different from the way television programmes are aired nowadays? With Twitter and other social media channels people have not only found their voice, they have also learnt how to form an opinion and then put it out there onto the airwaves. This is true of television and now this is increasingly true of print journalism. With the rise of the global economic downturn, the world of journalism and the public sphere is being liberated. If a newspaper cannot afford to be printed, then it is forced to move online, if the medium shifts from print to electronic then social media comes to the fore with blogs and twitter possibilities for readers – the public will answer back and they will answer back loudly, clearly and with an eloquence that is unprecedented – it seems that this shift will enable us to move out of the time capsule where the public agenda was set by journalists and editors. Of course, once these people are online, they can find out hordes of information. Links onto other sites will guide them quickly and efficiently and with practice many will train themselves to discern the “truth” without the engaging smile of a politician trying to convince them of the opposite.

And if the agenda is actually set by the public what are the consequences of this? Will the ramifications on the way politics is practiced also change immensely? Will politicians actually hear what people have to say (because they are saying it again and again) and be forced to act upon the issues raised by the masses? Can they act on our concerns? Do they know how? It seems that this two way communication possibility in journalism is bringing us to the brink of an agenda-setting revolution. By accident, people may actually have the voice that has been denied over the centuries. A coincidence of timelines: an economic downturn forcing some newspapers to be present online only and the rise of social media enabling opinions to be put out there may just be the start of a new type of enfranchising democracy.

But we obviously have to ask ourselves: Is this what we really want? To be taken out of our comfort zone of non-information where the blankets are woolly and where we don’t have a bad conscience about not acting because, well, no one listens anyway? The point is – if we have a voice, then do we not have to make a decision about whether to use it? And if we don’t use it, can we still live with ourselves? Is it not simply easier for us to just read our newspaper and watch the national news every day and have our agenda set for us? Have it filtered for us by journalists? If it isn’t set for us how will we possibly ever have an overview of the agenda…there are so many hundreds of issues, in our fast-paced world where we have to look out for Number One, will we not confuse and trip ourselves up whilst trying to empower ourselves?

And how about those that are disempowered by this digital divide? My father-in-law, who is 86, has asked me several times where the “play” button is on the computer? The internet is a Pandora’s Box for him…something he never ever wants to open as it reminds him of where he is not: In a world that is fast, furious and without any kind of boundaries. If you snooze you lose and if you can’t use the internet, well then can you make an informed decision at all? I suppose that would be a job for unemployed journalists, they could always turn into professional bloggers and, in essence, do the same job as before!

[Foto: Schiffner | photocase.com]

Die Macht des Bildes in der PR – Obama bei Flickr

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Pünklich zu seinen 100 Tagen im Amt wurde Anfang diesen Monats Bilder von Barack Obama auf Flickr online gestellt. Auf über 300 Fotos können wir das Arbeits- und Privatleben des Präsidenten online nachvollziehen. Ein Bild zeigt ihn bei einem Meeting im Flugzeug, ein anderes beim Besuch der blauen Moschee oder beim Basketball.

Bei Imagebuilding-Prozessen sind Bilder ein zentrales Element, darüber sind sich auch Obama und seine Medienberater im Klaren. Die Bilder zeigen ein sehr ausgewogenes Bild vom derzeitigen amerikanischen Präsidenten. Meist wird er umringt von Beratern dargestellt, der Präsident im Meeting und in Verhandlungen als Person von großem Einfluss, wie sich das für einen Präsidenten gehört. Aber auch ein nachdenklicher Obama wird der Öffentlichkeit präsentiert, einer der Verantwortung trägt und sich dessen bewusst ist. Immer wieder wird die Fotoreihe auch aufgelockert durch die Person Obama als Privatmann. Als Sportler, Familienvater und Ehemann wird er auf den Bildern allen Ansprüchen an einen amerikanischen Vorzeigepräsidenten gerecht.

Alles in allem sehr gelungen, um Vertrauen und Sympathie, beim (amerikanischen) Betrachter zu wecken. Was man auch an den vielen positiven Kommentaren ablesen kann. In Deutschland dagegen ist man bisher noch nicht so weit in die Social-Media-Welt vorgedrungen. Bevor beispielsweise ein Merkel-Stream Erfolg haben könnte, sehe ich gewisse kulturelle Hürden zu überwinden. Zwar ist unsere Bundeskanzlerin ohne Frage eine Person des öffentlichen Interesses, trotzdem steht in Deutschland doch immer noch die Politik im Mittelpunkt und weniger deren Erscheinungsbild bzw. Frau Merkels Privatleben. (Weswegen Frau Merkel ihren Wohnsitz auch in Berlin Mitte hat und nicht im Bundeskanzleramt)

Die deutschen Social-Media Nutzer sind daher vermutlich eher an den Ergebnissen von Merkels Handeln interessiert und weniger an deren bloßer bildlicher Dokumentation. Zumindest eine Kombination aus Bildern und Hintergrundinformationen erscheint deshalb sinnvoll für eine deutsche Merkel-Flickr-Version.

Wer sich selbst ein Bild machen will, der findet den „Official White House Photostream“ hier.

Volles Haus bei DemokratieZweiNull

Zum Glück hatten wir zwei weitere Stuhlreihen einbauen lassen: So konnten wir mehr als 120 Gästen einen Sitzplatz bieten, um die Vorträge bei DemokratieZweiNull zu verfolgen. Parallel übertrugen wir die Veranstaltung als Audiostream ins Web, sodass wir weitere 260 Personen am Event teilhaben lassen konnten. Das Publikum im Saal: gemischt – Vertreter von Parteien, der öffentlichen Verwaltung, Marketingfachleute aus Unternehmen, Journalisten, Mitglieder der Web-2.0-Community, Leute aus der Kommunikationsbranche; Gäste aus der Region und von weit weg; solche, die mit Blogs, Twitter & Co. bislang noch wenig zu tun haben, einige, die schon (recht viel) Erfahrung gesammelt haben, wenige Geeks.

Wahlkampf und Web 2.0

Nach kurzer Begrüßung durch Rüdiger Dresel, Partner vom Hausherrn PricewaterhouseCoopers, machte Prof. Dr. Frank Brettschneider den Anfang mit seinem Referat: „Von Obama lernen heißt siegen lernen?“ Als ein profilierter Kenner des vergangenen US-Wahlkampfs berichtete er über die langfristig angelegten Social-Media-Aktivitäten von Barack Obama, über deren Zusammenspiel mit den klassischen Massenmedien, und ging insbesondere auch auf die Macht der Bilder ein. Jeder kennt die emotionalen Bilder aus dem Wahlkampf, auf denen Obama vor einer Menge von Menschen steht, die ihm Plakate mit „Change!“ entgegenhalten. (Im Detail gehe ich gar nicht auf die Vorträge ein; sie stehen als Video und Audio auf DemokratieZweiNull.de bereit).

Nächster Referent war mein Kollege Bernhard Jodeleit, der einen Überblick über aktuelle Plattformen, Informations- und Kommunikationskanäle gab und deren Einsatzmöglichkeiten für die Politik (aber auch für Unternehmen und Institutionen) beschrieb. Sein Credo: Social Media Relations müssen Teil der Gesamt-Kommunikationsstrategie sein, sie müssen systematisch, ernsthaft und engagiert genutzt werden – und ihr Einsatz kostet Zeit oder Geld oder beides.

Podcasting war Thema von Dusan Minic. Er hat aufgezeigt, welche Rolle Video und Audio im Kommunikations-Mix spielen, und wies darauf hin, dass ein Video- oder Audioclip nicht nur auf der eigenen Website stattfinden muss, sondern auch auf YouTube oder iTunes gestellt werden sollte, um gesehen oder gehört zu werden. Die Veranstaltung und diese Website selbst sind ein gute Beispiel für die Einsatzmöglichkeiten von Audio und Video.

Unsere Veranstaltung hieß DemokratieZweiNull, und ein sehr schönes Beispiel dafür, wie das Internet Bürger dabei unterstützen kann, politische Entscheidungen zu beeinflussen, stellte zum Schluss Johanna Schepers von der MFG Baden-Württemberg vor. Sie ist hier Projektleiterin e-Participation Plattform und ist für das Projekt VoicE verantwortlich, bei dem sich z. B. Bürger aus Baden-Württemberg und Valencia/Spanien über Verbraucherschutzthemen und die entsprechende Gesetzgebung in Brüssel informieren können.

Social Media live!

Oliver Gassner von carpe.com, einer der aktivsten Blogger, Twitterer, Kommentatoren und Social-Networker der Region, bloggte und twitterte live und informierte die Web-Community darüber, was gerade referiert wurde. Seinen Namen kennen viele, ihn als Person nur wenige. Mir ging es übrigens bei einigen anderen Gästen gleich: Die kannte ich von ihren Tweets, von ihren Blogkommentaren, manche sogar via Mail – und sah sie an diesem Abend zum ersten Mal live.

Wir hatten eine Twitterwall aufgebaut, und während die Referenten sprachen, erschienen dort die Tweets von Personen, die die Veranstaltung entweder am PC oder im Saal verfolgten. Sie gaben Inhalte der Vorträge wieder, kommentierten diese, fragten an, ob es noch Platz für sie gäbe und ob sie noch kommen dürften, stellten Fragen für die Diskussionsrunde. Ich habe zum ersten Mal live die Twitterbegleitung eines laufenden Events miterlebt und hatte anfangs Bedenken, dass diese „Parallelplattform“ von den Vorträgen ablenken könnte. Im Gegenteil – es war eine tolle Ergänzung und ein superschneller Feedbackkanal.

Überwiegend positive Reaktionen

Der Abend endete mit einem Get-Together im Foyer von PwC. Das Team von Prof. Dr. Brettschneider hatte einen Eye-Tracker aufgebaut, mit dessen Hilfe man z. B. den Blickverlauf über Parteienwebsites verfolgen konnte. Sehr aufschlussreich!

In den Gesprächen mit den Gästen bekamen wir fast ausschließlich positives Feedback. Klar, dass man es bei einem so heterogenen Publikum nicht allen Recht machen kann. Einige aus der Web-2.0-Community fühlten sich unterfordert („ist alles ziemlich einsnullig hier“), manche Aussagen der Referenten waren aus ihrer Sicht diskussionswürdig („Finde ja auch, dass gelackte Agenturvideos niemanden interessieren. Es geht um Authenzität – auch technisch.“). Eine ganze Reihe von Menschen scheinen wir aber auch wachgerüttelt zu haben und bekamen Kommentare zu hören wie: „Die Themen packen und lassen nicht ruhen: Werde umgehend anregen, diese auch in unserem Unternehmen eingehender zu vertiefen.“ Manche tauchten wohl zum ersten Mal in die Welt von Social Media ein und hatten zum ersten Mal Kontakt mit dem sagenumwobenen Twitter oder dem Phänomen Facebook („Ob ich auch twittern sollte?“, „Bislang kannte ich ja nur xing.de“).

Gesprächsstoff gab’s jedenfalls reichlich. Geplant war das Get-Together bis ca. 20.00 Uhr, um 21.30 Uhr war’s noch recht voll, die Letzten gingen kurz vor halb elf.

Für uns war das Event ein vorläufiger Höhepunkt von DemokratieZweiNull. Auch wir haben in der Vorbereitung viele Erfahrungen sammeln können, die wir in Folgeprojekten berücksichtigen werden. Eine davon: Mit Social Media und Online-PR lässt sich ein Event hervorragend promoten, die Reichweite ist gigantisch – aber es kostet auch viel Mühe, Zeit und Freizeit. Und: Man kommt in Kontakt mit vielen Menschen, die man bisher nicht gekannt hat.

Was wir bisher an Rückmeldungen – persönlich, via Mail, via Twitter – erhalten haben, bestätigt uns, dass wir einen interessanten Abend gestaltet haben. Heute Vormittag erreichte mich der Anruf eines Politikberaters aus Hessen, der mit uns ein ähnliches Event organisieren möchte. Und am 5. Mai 2009 geht’s ja schon konkret weiter mit „DIE BLAUE STUNDE ZUR DEMOKRATIE 2.0 – Bürgerkommunikation im Web“, einer Veranstaltung von Sympra und der MFG Baden-Württemberg im Rahmen von Kreativraum.

Dieter Bohlen: Bloggt er? Bloggt er nicht?

Selbst bei vorsichtiger Betrachtung ist mir seit heute klar: Blogs sind im Mainstream angekommen. Eine Zeitenwende! Robert Basic hört damit auf und beginnt bescheiden neu, erntet dafür Unmengen Lob (”Weiter so!”) und Kritik (”belanglos und plätschernd”). Und Dieter Bohlen, der neulich als Phantom ebenso schnell bei Twitter aufgetaucht wie wieder verschwunden war, geht heute unter die Blogger. Das Musikgeschäft sei kein Ponyhof, lässt er in seinem Begrüßungsposting wissen. Die Leser werden’s wohl glauben müssen: Kommentieren dürfen sie in Bohlens neuem “Blog” jedenfalls nicht. Kein Wunder, denn zumindest aus meiner Perspektive ist das Ganze nicht mehr oder weniger als eine “Kolumne” – kein “Blog”. Immerhin: Social Bookmarklets bietet BILD ihren Lesern an. Toll!

Nein, Blogs sind alles andere als tot – sie sind in der Sphäre von “DSDS” angekommen und damit Mainstream. Aber sowas von. Das ist schön: Die qualitative Bandbreite beim Bloggen wird immer größer und spannender. So – und jetzt werde ich mal den RSS-Feed zu Dieters Blog suchen gehen.

Das Social Web als Echtzeit-Medium

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Notlandung im Hudson River (Foto: gregp!/flickr, CC-Lizenz)

Sowohl bei Journalisten als auch bei PR-Leuten verursacht das neue “Real Time Web” noch große Unsicherheit. Bis vor kurzem sah die Welt noch so einfach aus: Eine Meldung ist eine Meldung, wenn die erste große Nachrichtenagentur sie meldet. Punkt. Besser abgesichert ist sie, wenn die zweite Agentur sie ebenfalls gemeldet hat. Eigene Recherchen der Redaktion runden das Bild im besten Falle noch ab. Erst dann erfährt das Publikum draußen etwas.

So war das einmal. Web 2.0 in Echtzeit sorgt für vollkommen neue Spielregeln. Zu beobachten war dies gestern: Als US-Airways-Flug 1549 gestern auf dem Hudson River in New York zur Notlandung angesetzt hatte entstand innerhalb kürzester Zeit eine gigantische Aktivitätswelle im Social Web. “There’s a plane in the Hudson. I’m on the ferry going to pick up the people. Crazy”, meldete sich ein Augenzeuge direkt vom Ort des Geschehens.

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An die neue, rasch wachsende Rolle des Social Web bei Katastrophen und anderen Großereignissen werden wir uns gewöhnen müssen. Allerdings auch daran, dass die Informationen, die wir in solchen Situationen aus Quellen jenseits der etablierten Massenmedien beziehen, für viele Mensche nur sehr schwer einschätzbar sind. Die Notlandung gestern war dafür ein Paradebeispiel. Vor Ort waren nur sehr, sehr wenige Augenzeugen wie Twitternutzer @jkrums oder Flickr-Benutzer “grego!”, der dankenswerterweise auch das Foto in diesem Beitrag unter CC-Lizenz bereitstellt. Getwittert hat dagegen alle Welt – Hunderte Botschaften pro Minute mit Kommentaren, Fragen, Einschätzungen, Spekulationen. Völlig unmöglich aus Nutzersicht, den Wahrheitsgehalt einzuschätzen oder nur ansatzweise mit dieser Geschwindigkeit Schritt zu halten.

Drei spontane Schlussfolgerungen aus meiner Sicht:

Klassische Medien und Social Web ergänzen sich in solchen Situationen. Keine Frage: Im Social Web wird viel zitiert, spekuliert, ungefiltert und ungeprüft weitergegeben. Die Berichterstattung von CNN zu verfolgen war für mich die erste Handlung, nachdem die Realtime-Welle im Web aufkam. Auf Twitter & Co. als einzige Nachrichtenquelle würde ich mich in kritischen Situationen nie verlassen, erst gemeinsam mit anderen Quellen wird die Glaubwürdigkeit einschätzbar.

Es gibt einen aus meiner Sicht abstoßenden Trend zur Sensationsgier im Web 2.0. Kaum geschieht irgendwo auf der Welt ein Unglück, stürzen sich große Teile des Social Web darauf. Menschen bleiben eben Menschen – es ist desillusionierend, dass auch ein Medium mit demokratischen Strukturen wie das Web 2.0 bei Katastrophen zum Voyeurismus neigt. Böse Zungen wussten ja schon immer: Die klassischen Medien liefern dem Publikum eben doch nur, was es möchte.

PR-Menschen kommen am Web 2.0 in Echtzeit nicht mehr vorbei. Ob Flugzeug-Notlandung oder kursrelevantes Gerücht über ein Produkt – mit Social Media und Microblogging haben wir in der Medienlandschaft plötzlich Multplikatoren, die in einer nie geahnten Geschwindigkeit operieren. Twitter-Memes à la #twitternwiebeimuttern liefern bereits seit einiger Zeit den theoretisch-spielerischen Beweis. Jetzt sehen wir immer häufiger, wie das Social Web in Echtzeit mit etablierten Medien konkurriert, sie sogar überholt. Sicherlich werden in absehbarer Zeit Kurssprünge bei Unternehmen oder andere Ereignisse in der “realen Welt” (Insider sagen: Offline-Welt) durch Twitter & Co. ausgelöst. Massenpanik durch Web 2.0 wegen einer Ente über einen Atom-GAU? Heute noch nicht denkbar. Aber in zwei Jahren? Ich würde nicht dagegen wetten und weise auf die Sicherheitsprobleme rund um Twitter hin, erst neulich wurde unter anderem der Account von Barack Obama gehackt und zu Spam-Zwecken missbraucht. Gerüchte erhalten durch das Social Web eine noch nie dagewesene Kraft. Bedeutet für PR: Sorgsames Monitoring in Echtzeit löst den althergebrachten Clipping-Service eher heute als morgen ab, Konzepte für den Krisenfall müssen noch häufiger als bisher bereits vorbeugend erarbeitet und ständig aktualisiert werden. Was mich freut – der Job wird noch spannender.

http://www.twitter.com/jodeleit


Vortrag zu Social Media PR

 

Morgen, am 14. Januar, darf ich als Gastreferent Studenten im Bereich Unternehmenskommunikation über meine Erfahrungen im Bereich PR und Social Media berichten. Die Präsentation ist recht umfangreich geworden und steht nach der Veranstaltung (Update: ab sofort!) auch an dieser Stelle zur Verfügung. Vorab möchte ich ganz kurz einige Kernaussagen zusammenfassen:

  • Anhand aktueller Umfragewerte lässt sich belegen, dass Redaktionen überwiegend nicht aktiv im Web 2.0 recherchieren, auf der anderen Seite aber PR-Entscheider im In- und Ausland dem Thema Social Media Relations erhebliche Bedeutung in diesem und im nächsten Jahr beimessen. 
  • Klassische Medienarbeit verliert nicht etwa rapide an Bedeutung, dazu ist sie einfach zu effizient. Aber: Wer wirklich alle relevanten Multiplikatoren erreichen möchte, der muss sich auch auf die neuen Instrumente einstellen. Es ist angesagt, Social Media und Social Networking als zusätzliche Tore in die Öffentlichkeit zu betrachten.
  • Ich werde im Rahmen des Vortrags nochmals anhand einiger Beispiele darauf eingehen, dass Location Based Voting, mobile soziale Netzwerke wie heute schon aka-aki und brightkite und morgen sicherlich auch Facebook, Xing und andere dafür sorgen werden, dass Öffentlichkeitsarbeit künftig auch geobasiert denken muss – weil es eine digitale Reputation bestimmter Orte gibt und weil die bisher nur “im Internet” gelebten Social Networks via Smartphone plötzlich auch ins reale Leben Eingang finden.
  • Mit Hilfe offener und vor allem dialogorientierter, auf Standards basierender Lösungen (Blogs, Microblogging, Sharing, Tagging, RSS) kann PR ohne großen Investitionsbedarf auf den Trend zu Social Media reagieren. Medienarbeit der nächsten Generation mit einem zeitgemäßen Pressebereich auf einer Unternehmenswebsite geht schon heute auf die Bedürfnisse der Redaktionen ebenso ein wie auf die Blogosphäre und das Social Web.

Xing gibt Gas

Nach dem beschlossenen Wechsel in der Chefetage geht es bei Xing jetzt rasch weiter mit den Veränderungen: Durch die Übernahme der New Yorker Firma socialmedian soll das Hamburger Social Network zurück an die Speerspitze im Bereich Web 2.0 finden. Künftig sollen die Mitglieder von Xing die Möglichkeit haben, relevante “Business-News” aus externen Quellen miteinander auszutauschen. Xing ist dann nicht nur Social-Networking-Plattform, sondern auch eine Aggregationsplattform für Neuigkeiten aller Art und Social Media wie beispielsweise Friendfeed.

Warum? Abgesehen von der rudimentären Funktion “Neues aus meinem Netzwerk” hatte Xing den in den letzten beiden Jahren rasant an Bedeutung gewinnenden Trend zu Microblogging, Social Bookmarking und Social News nicht verfolgt. Gemeint ist damit der intensive Austausch der Netzwerk-Mitglieder über rudimentäre “Status-Messages” und das Editieren der eigenen Interessen hinaus. Also der Trend, für den die im Moment explosiv wachsenden und erfolgreichen Dienste wie Twitter, Friendfeed etc. stehen: Informationsaustausch via RSS, der Blogbeiträge, Verweise auf interessanten Content an anderer Stelle (Social Bookmarking) und unterschiedliche weitere Medien (Bilder, Videos) umfasst.

Sicherlich wird Xing durch den Kauf und die Übernahme des socialmedian-CEO als Vice President Applications Platforms deutlich aufholen. Immerhin kann socialmedian schon heute wichtige Plattformen wie Digg, Delicious, Twitter, Flickr, YouTube, Google Reader integrieren. Erste Kommentare heute morgen in Blogs und Kommentaren sind in der Regel positiv bis euphorisch. Dennoch ist die Frage aus meiner Sicht, ob die Positionierung von Xing als eher konservatives Social Network, in dem man eben nicht alle Social-Media-Aktivitäten teilt, in dem es eben etwas ruhiger zugeht, nicht schon so weit fortgeschritten ist, dass die Einführung von Social News und Social-Media-Aggregation etwas spät kommt. Die Konkurrenz is sowohl qualitativ als auch quantitativ beachtlich; wer sich aktiv im Web 2.0 bewegt und dort gut vernetzt ist, der stöhnt schon seit einiger Zeit über die tägliche Content-Flut. Lifestreaming und Microblogging stehen just in diesen Tagen an der Schwelle zum Mainstream, und Xing zögerte hier bislang – bewusst, wie ich dachte – an der Seitenlinie.

Spannend, spannend – was sich hier andeutet, ist eine deutliche Repositionierung. Sicherlich ist grundsätzlich davon auszugehen, dass die Verweildauer des durchschnittlichen Xing-Nutzers auf den Seiten des Netzwerks deutlich steigen wird, wenn – womit bald zu rechnen ist – Xing-Profile um via RSS aggregierten externen Content erweitert werden. Andererseits: Mancher Xing-Nutzer, der mit Social Media und Lifestreaming bisher so gar nichts zu tun hatte, wird vielleicht auch einen Kulturschock erleben, wenn er plötzlich mit den Feeds seiner Geschäftspartner und Kollegen konfrontiert wird. Ich könnte mir vorstellen, dass sich nach Integration der Funktionen von socialmedian bei den Xing-Mitgliedern zwei unterschiedliche Gruppen herausbilden werden. Die einen werden die neuen Möglichkeiten nutzen, die anderen nicht.

Persönliche Anmerkung: Ich aggregiere meine Social-Media-Aktivitäten derzeit bei Friendfeed, habe aber beispielsweise sehr rasch wieder damit aufgehört, diverse andere Verbindungen zu nutzen, etwa zwischen Twitter und Plaxo. Nicht jede RSS-Schnittstelle, die technisch machbar ist, macht im Business auch Sinn! Jeder, der sich bisher nicht mit Social Media beschäftigt hat, hat jetzt durch die anstehende Einführung entsprechender Technologien bei Xing einen großen Anreiz dazu.

I twitter therefore I am?

Photocase6qf78a8y1-300x289 in Facebook status messages, twitter et al have been playing a huge role in our society for some time now. At our last PRN meeting all the agencies confirmed the significant increase in online social media PR that they were doing. Not really a surprising development. A few years ago, I had lost all contact with most of my old school and uni friends – had no idea what was happening in their lives – were they married, were they divorced, were they still alive even? Now, Facebook not only allows access to their lives and core data: married, 2 children, interested in dogs, cats and the state of the world, but I’m also provided with information such as “I got into a scrap with the taxi driver last night” and “I had a wild time and spent the whole night suffering on for it” – really who cares? In the past year we have gone from absolutely no information to far too much information and more interestingly, information that is completely irrelevant and that no-one is even interested in. In a world of advertising and fierce marketing have we come to the point where we continually have to market ourselves? If we aren’t on Facebook, we have no face, we don’t exist? If we don’t continually write status messages, we have no status?

Sitting at the airport with a colleague a few weeks ago, he logged onto Twitter and read the following feed from a friend: “I’m sitting at the station in Berlin” – oh this begs, begs, begs the question “who really, really cares?”. Had he written “I’m sitting in Berlin and am surrounded by people who are bumping into me and are inconsiderate” or “The sun is shining and I feel positive”, I can do something with this information, I feel an emotion but what can I do with I’m sitting at the station – sorry, not interesting unless I am planning on picking him up. I wonder – is this one newsbyte the most he can say about himself? If that’s the most he has to say to put himself out there, let’s hope he doesn’t work in any kind of creative industry.

Is this what communication nowadays has come down to? Feeds that no-one is interested in – one way pieces of irrelevant communication? And if so, what are we supposed to do with this information? Can we possibly find it interesting because it shows a person’s attitude to everyday events – are we supposed to look behind the feed “I’m sitting at the station in Berlin” and meant to read “I’m busy and important because I am jetting around the country?” In effect, we have to “look behind” the twitter if we want a dialogue or conversation to go further – is this really communication now – one-liners that everyone ignores. Have we become a one-byte society? Do we have to put ourselves out there to show we exist – I twitter therefore I am?

Social Web Breakfast: Twitter zum Frühstück

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Suche auf der Twitter-Seite nach Socialbreakfast

Wohl kaum ein anderer Dienst beschäftigt die PR-Welt im Moment derart wie das Micro-Blogging-Tool Twitter. Zumindest konnte man an diesem Dezember-Morgen in Frankfurt diesen Eindruck gewinnen: Die Initiative Social Web World hatte zu einem Social Web Breakfast eingeladen. Und über 30 Interessierte sind gekommen. Die meisten davon PR-Leute, darunter viele passionierte Twitterer, passive (?!) Twitterer und ganz Mutige, die in der Runde erzählen, sie hätten noch nie getwittert.

Thema der Veranstaltung: Twitter & Co. im Einsatz der Unternehmenskommunikation – extern wie intern. Für das Impulsreferat sorgte Carmen Hillebrand. Schnell entwickelte sich eine rege Diskussion, in der bald klar wurde, dass alle ein bisschen (und manche mehr) wissen, aber keiner Antworten auf alle Fragen zu Twitter hat.

Intern macht vor allem der schnelle Wissensaustausch Sinn. Ganz wichtig ist es aber, vorher zu definieren über welche Themen getwittert werden soll. Gegebenfalls müssen Gruppen definiert werden. Ein wildes Drauflos-Zwitschern bringt nichts. Das bestätigen zwei Mitarbeiter der Daimler AG, wo Yammer, eine Lösung für firmeninternes Micro-Blogging im Einsatz ist. Das Projekt drohe einzuschlafen. Schuld daran sind nicht zuletzt Sicherheitsbedenken; denn schließlich läuft die Yammer-Kommunikation über einen externen Server in den USA. Nicht auszudenken, wenn diese Server gehackt werden. Inzwischen gibt es aber bereits Open-Source-Alternativen wie Identi.ca die auf eigenen Servern betreiben werden können.

Viel schillernder erscheint der Einsatz von Twitter für die externe Kommunikation. Twitter kann Sinn machen, um mit Redaktionen und Multiplikatoren in Kontakt zu treten. Dabei gelten die gleichen Spielregeln wie in Weblogs: Garantien und Kontrolle gibt’s keine. Man kann Kritik am Unternehmen oder Produkt nicht verbieten. Vielmehr müssen sich twitternde Unternehmen im Vorfeld überlegen, wie sie mit Gegenwind umgehen: Die Segel streichen und oder Fahrt aufnehmen und die direkte Ansprache suchen. Im Falle des Pharmaherstellers Johnson & Johnson wäre vermutlich der Dialog der bessere Weg gewesen. Denn erst der Rückzieher machte die Geschichte um eine missglückte Werbekampagne richtig publik.

Tenor der anwesenden Twitterer: Unternehmen sollten Micro-Blogging weniger als zusätzliches Medium sehen, um Informationen zu verbreiten, sondern vielmehr, um in Dialog mit Kunden und Öffentlichkeit zu treten. Da das spontan erfolgen muss, bleibt keine Zeit für Freigabeschleifen wie in der klassischen PR. Welcher Mitarbeiter (oder welche Agentur) den Twitter-Account betreut, muss daher wohlüberlegt sein.

Online-PR: Web meets Reality

Google-maps-300x200 in Dass Social Media und Social Networking unsere Kommunikation schon heute grundlegend verändern, dass Online-PR und im gleichen Zug persönliche Netzwerke immer wichtiger werden, daran glaubt, wie Studien belegen, längst ein großer Teil der Kommunikationsexperten in ganz Europa. Mir persönlich macht es Spaß, immer ein wenig weiter in die Zukunft zu denken, auch über Trends zu diskutieren, die sich erst langsam abzeichnen. Geobasierte und nähebasierte mobile Dienste sind für mich das Paradebeispiel solcher vor einigen Jahren kurz gehypten und seitdem völlig zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Technologien, die auch für Public Relations noch große Bedeutung entfalten werden.

Ich gehe von zwei wesentlichen Entwicklungen aus, die unseren Alltag und unsere Kommunikation verändern und bereichern werden:

1. Social Networking wird mobil

Schon heute existieren geobasierte soziale Netze wie brightkite oder nähebasierte wie aka-aki.

- Bei geobasierten Netzen fließt der aktuelle Aufenthaltsort, ermittelt via GPS oder Mobilfunkortung, in den Dienst und die Interaktion zwischen den Nutzern ein. Motto: Mein Social Network sagt mir “Sie sind in München? Ihr Ex-Kollege auch, wollen Sie ihn fragen, ob er Zeit für ein Mittagessen hat?”
- Bei nähebasierten Diensten spielt lediglich der Abstand zwischen zwei Nutzern eine Rolle, Motto: “Die Dame am Nebentisch verkauft ihr Mofa, Sie suchen doch ein Mofa.”

Sowohl nähebasierte als auch geobasierte Dienste scheitern bislang an der kritischen Masse interessierter Nutzer. Da dies zum einen aufgrund bislang fehlender Voraussetzungen (Hardware, Tarife) nicht verwundert und zum anderen Social Networking und Kontaktbörsen ergiebige und monetär vielversprechende Märkte sind, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich diese mobil nutzbaren Formen von Social Networks durchsetzen werden.

2. Social Media werden mobil

Das Hochladen von Fotos direkt vom Handy ins Web, die Zuordnung dieser Fotos zu bestimmten Orten dank GPS-Geotagging oder der Abruf des nächsten Restaurants samt Nutzer-Rezensionen sind erst der Anfang. Zudem werden Nutzer künftig immer häufiger bereits vom Handy aus ihre Meinung zu einer Dienstleistung, einem Unternehmen, einem öffentlichen Platz zum Ausdruck bringen können. Oder zu einem Menschen – bei aka-aki kann man anderen Mitgliedern, die man unterwegs trifft, einen „Sticker“, also einen Tag, zuweisen. Das Web 2.0 mit all seiner Dynamik wird geobasiert.

Fazit: Online-PR muss auch geobasierte Dienste berücksichtigen

Bestimmte reale Orte werden in Zukunft eine bestimmte digitale Reputation aufweisen, die man unterwegs sowohl abfragen kann („Gehe ich in dieses Restaurant hier?“) als auch beeinflussen darf („Mir hat’s hier nicht geschmeckt, und das soll ruhig jeder wissen.“) – Nutzer können bereits heute in sozialen Netzen wie beispielsweise brighkite öffentliche Notizen digital an jeden beliebigen Ort auf dem Globus heften. Bisher interessieren diese Notizen nur niemand.

Das wird sich ändern. In drei Jahren wird das Thema Mobile Social Media Relations in der Online-PR eine ernstzunehmende Bedeutung einnehmen. Um es mit Verlaub und Jean-Remy von Matt zu sagen: Die digitalen Klowände des Internet kann jetzt jeder nach Lust und Laune mitten auf die Friedrichstraße, Berlin, mitten in Ihre – ja, Ihre – Unternehmenszentrale oder irgendwo sonst mitten in die Landschaft stellen. Dahin eben, wo er gerade will. Ich find’ das toll und freue mich auf die kommunikative Herausforderung.

Weiterführende Links:

qype – eine Community mit geobasiert abrufbaren Rezensionen
aka-aki – ein nähebasiertes Social Network (Details dazu in meinem persönlichen Blog)
brightkite – ein geobasiertes Social Network