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Kein Event ohne Web-2.0-Strategie

Eine Pressekonferenz war eine Pressekonferenz, ein Kongress ein Kongress. Bisher war das ein klarer Fall. Es galt das gesprochene Wort. Nach Ende der Veranstaltung kam dann die Presse zum Zug und informierte zum Schluss den Leser, Hörer, Zuschauer, der dafür dankbar war und – ganz selten – vielleicht einen Leserbrief schrieb oder das Thema am Stammtisch weiter diskutierte.

Doch die Regeln ändern sich: Web 2.0 hält zunehmend auch in der bisher am wenigsten vom Internet beeinflussten Disziplin der Öffentlichkeitsarbeit ein, der Veranstaltung vor Ort, dem klassischen Event. Immer häufiger wird über Veranstaltungen live im Internet berichtet – nicht unbedingt vom Veranstalter, sondern von Besuchern des Events.

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Twitter Wall beim Barcamp Berlin 2008 (Foto: Blogging Dagger / Flickr)

In der Regel ist Twitter das Medium der Wahl. Man einigt sich auf ein Schlagwort (in der Fachsprache: Hashtag), das die einzelnen Twitter-Textchen eindeutig der Veranstaltung zuordenbar macht, und los geht’s. Vorträge der Referenten werden ebenso kommentiert wie ihre Körpersprache oder vermeintliche Kompetenz – die Grenzen zwischen echter inhaltlicher Bereicherung und zusätzlicher Reichweite auf der einen, Peinlichkeit oder Ehrverletzung auf der anderen Seite sind fließend. Zu fließend.

Dennoch: Veranstalter von Pressekonferenzen, Kongressen, Preisverleihungen und anderen Events sind gut beraten, sich auf diese Entwicklung einzustellen. Noch ist der Trend nicht überall angekommen. Je nach Publikum und Zielgruppe bleibt die Mehrheit öffentlicher Veranstaltungen heute noch von Twitter-Reportern und Kommentaren aus dem anonymen Off unberührt. Doch das wird sich ändern – junge Zielgruppen wachsen nach und werden Schritt für Schritt beginnen, heute noch Web-2.0-freie Events ebenfalls live zu kommentieren. Darauf sollten wir als Public-Relations-Verantwortliche gefasst sein.

Event-Manager und Unternehmenssprecher sollten das Social Web daher von vornherein in ihre Kommunikationsstrategie rund um Veranstaltungen integrieren. Wie das geschieht muss in jedem Einzelfall entschieden werden: Wie kritisch ist das Thema, welche Kommunikationsgewohnheiten haben die Zielgruppen, könnten sich Wettbewerber oder andere Interessengruppen in die Kommunikation rund um das Event einklinken? Wenn das alles geklärt ist, geht es um die konkreten Instrumente. Sogenannte Twitter Walls können ein Ansatz sein, der die eventbegleitende Kommunikation kanalisiert. Dabei handelt es sich um große Displays (Monitore, Beamerlösungen), die das Feedback zur Veranstaltung direkt vor Ort allen Besuchern zu Gesicht bringen. Analog funktionieren Feedback-Kanäle bei Videoübertragungen via Web, hier können Veranstalter den Zuschauern erlauben, neben dem Videofenster zu kommentieren und zu diskutieren.

Was auf diesen Twitter Walls erscheint, das kann, sollte aber nicht zensiert werden. So ist prinzipiell nicht vermeidbar, dass unsachliche, reputationsschädigende und die Interessen des Veranstalters schädigende Bemerkungen plötzlich für alle Gäste sichtbar eingeblendet werden.

Verständlich, dass Kommunikationsverantwortliche Angst vor dem damit einhergehenden Kontrollverlust haben. Doch den Kontrollverlust bringt nicht die Twitter Wall. Ihn bringen die offenen Kommunikationsstrukturen des Web 2.0. Durch die Installation einer Twitter Wall schafft der Veranstalter keine Feedback-Möglichkeit, die es nicht sowieso schon gibt – auch ohne Twitter Wall werden sich die Besucher von Events künftig live vom Handy oder Notebook aus über die Veranstaltung austauschen, mit dem Unterschied, dass es die nicht mobil via Internet Vernetzten unter den Besuchern erst hinterher erfahren.

Digitale Rückkanäle bei Veranstaltungen signalisieren Offenheit und Souveränität

Offenheit signalisiert Souveränität. Veranstalter zeigen durch die Einbindung digitaler Rückkanäle wie Twitter Walls oder Kommentarfenstern bei Webcasts, dass sie das Feedback ihrer Zielgruppen auf dem kommunikativen Radar haben. Sie signalisieren damit Dialogorientierung und Wachsamkeit, ebenso die Zuversicht, dass sie einer öffentlichen Diskussion über ihre Themen gewachsen sind. Wären sie das nicht – wozu das Event?

Natürlich ist es ärgerlich, wenn unqualifizierte oder bösartige Kommentare eine Veranstaltung negativ beeinflussen, vor allem, wenn sie anonym geäußert werden, was einen Zug von Feigheit hat. Twitter Walls haben hier eine nicht zu unterschätzende Schwäche: Werden automatisch alle Tweets mit einem bestimmten Stichwort (Hashtag) während der Veranstaltung im Saal eingeblendet, so kann das Event aus der Anonymität heraus digital sabotiert werden.

Zensur ist keine Lösung

Ganz schön cool, wenn man als Veranstalter so selbstbewusst ist, mit dieser Gefahr zu leben. Doch die Mehrheit der Unternehmen und Institutionen wollen dieses Risiko auch in Zukunft nicht eingehen. Eine Moderation der Kommentare – wie diese in Blogs üblich ist – hat jedoch immer einen schalen Beigeschmack, sie ist sicherlich nicht die beste Lösung. Veranstalter, die sich dafür entscheiden, stehen vor technischen und ethischen Problemen, müssen die Kriterien für eine Filterung klar offenlegen, am besten auf strafrechtlich Relevantes begrenzen, und während des Events zusätzliches Personal für die Kommentarmoderation in Echtzeit bereithalten. Zudem wirkt sich die Moderation natürlich nur auf die Twitter Wall beim Event aus – im Internet steht die Schmähkritik trotzdem, und eine Filterung vor Ort gießt weiter Öl ins Feuer. So viele Nachteile, dass man den Live-Feedbackkanal vielleicht lieber gleich ganz weglässt. Wer will schon mit Zensur in Verbindung gebracht werden!

Vertrauensnetze punkten – wie wäre es mit einer Xing Wall statt einer Twitter Wall?

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Bissige Kommentare während der Vodafone-Pressekonferenz am 8. Juli 2008 (Screenshot: macomber.posterous.com)

Besser als eine Filterung oder Moderation von Kommentaren ist es, auf Vertrauensnetze zu setzen. Twitter selbst bietet dazu die Mechanismen von Folgen und Zurückfolgen – es ist denkbar, auf der Twitterwall nur Tweets aus dem eigenen Twitter-Netzwerk des Veranstalters während des Events zuzulassen. Neue Chancen gibt es auch für die etablierten Social Networks: Bei Facebook, LinkedIn, Xing existieren halbwegs verlässliche Personenprofile und Vertrauensverhältnisse, die sich in soziale Netzwerkstrukturen abbilden. Denkbar, künftig keine Twitterwall anzubieten, sondern einen (Live-!) Feedback-Kanal via Facebook, Xing etc. Bei einer Online-Pressekonferenz von Vodafone gestern am 8. Juli hat das mit Facebook Connect leider nicht so recht funktioniert, im Gegenteil – da auch anonyme Kommentare in dem Facebook-Fenster erlaubt waren heizte sich die Stimmung stark auf, es ließen sich Personen dazu verführen, unter ihrem Echtnamen äußerst polemische Kommentare zu hinterlassen, die für den Moment betrachtet vielleicht “saßen”, langfristig dokumentiert aber vielleicht nicht so vorteilhaft sind – auch für den Urheber.

Meine Idee ist, dass hier die Business-Netzwerke bald ihre Stunde als Feedback-Kanal zu Business-Events erleben: Die Vorstellung eines Live-Feedbackkanals nicht via Twitter oder Facebook, sondern auf Basis von Xing-Mitgliederprofilen, halte ich für recht attraktiv. Gerade weil auf Xing andere Regeln gelten als auf Facebook oder gar Twitter. Eine Funktionalität, die es erlauben würde, bei Veranstaltungen live auf eine Xing Wall statt Twitter Wall zu schreiben, könnte vielen Veranstaltern entgegenkommen. Ich bin gespannt, ob Xing an einem solche Feature arbeitet und es künftig in Kombination mit den Xing-Gruppen oder -Events anbietet.

Live-Feedback via Monitor oder Leinwand bei Pressekonferenzen und Kongressen – weiterhin ein Randphänomen oder bald Mainstream? Gefahr und unnötig oder eine Bereicherung? Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare unter diesem Posting.

Links:
Besucher-Feedback bei DemokratieZweiNull vor allem zur Twitterwall: Video auf Youtube
Dokumentation des Nutzer-Feedbacks zur Vodafone-Pressekonferenz am 8. Juli 2009

Wenn Sie die Diskussion mit mir via Twitter fortsetzen möchten: @jodeleit

Fragen stellen und News posten bei Xing

Es tut sich was bei Xing: Das Business-Netzwerk hat heute Vormittag auf Basis des Opensocial-Framework ohne großes Aufsehen zwei neue Applikationen gestartet, mit denen Mitglieder verstärkt interagieren können. Zum einen die Xing-News: Hier werden Nachrichten angezeigt, die im persönlichen Kontaktnetz auf Xing von anderen Nutzern als lesenswert eingestellt wurden. Zum anderen die Anwendung “Xing-Mitglieder fragen”: Hier ist es möglich, andere Xing-Mitglieder nach ihrer Meinung oder ihrem Fachwissen zu fragen. Beide Anwendungen müssen zunächst manuell vom Mitglied aktiviert werden. Im Anschluss erscheint auf dem eigenen Profil eine neue Registerkarte “Applikationen” (siehe hier Profil des Autoren dieser Zeilen). Aktivität in den Anwendungen wird allen persönlichen Kontankten dann im Bereich “Neues aus meinem Netzwerk” angezeigt. Dies ist etwa der Fall, wenn ein Mitglied eine Frage stellt oder beantwortet. Genau hieraus ergeben sich die Potenziale der neuen Anwendungen im Bereich Viralität.

Revolutionär sind die heutigen News von Xing zwar nicht. Allerdings unterstreichen die Innovationen, dass Xing künftig wichtiger für Marketing und PR wird. Umso mehr, weil künftig auch Drittanbieter Applikationen auf und für Xing entwickeln können. Auch diese haben dann dort die Chance, sich viral auszubreiten. Genau diesen Ausbreitungsweg hat Xing übrigens auch für “Mitglieder fragen” und “News” gewählt.

Volles Haus bei DemokratieZweiNull

Zum Glück hatten wir zwei weitere Stuhlreihen einbauen lassen: So konnten wir mehr als 120 Gästen einen Sitzplatz bieten, um die Vorträge bei DemokratieZweiNull zu verfolgen. Parallel übertrugen wir die Veranstaltung als Audiostream ins Web, sodass wir weitere 260 Personen am Event teilhaben lassen konnten. Das Publikum im Saal: gemischt – Vertreter von Parteien, der öffentlichen Verwaltung, Marketingfachleute aus Unternehmen, Journalisten, Mitglieder der Web-2.0-Community, Leute aus der Kommunikationsbranche; Gäste aus der Region und von weit weg; solche, die mit Blogs, Twitter & Co. bislang noch wenig zu tun haben, einige, die schon (recht viel) Erfahrung gesammelt haben, wenige Geeks.

Wahlkampf und Web 2.0

Nach kurzer Begrüßung durch Rüdiger Dresel, Partner vom Hausherrn PricewaterhouseCoopers, machte Prof. Dr. Frank Brettschneider den Anfang mit seinem Referat: „Von Obama lernen heißt siegen lernen?“ Als ein profilierter Kenner des vergangenen US-Wahlkampfs berichtete er über die langfristig angelegten Social-Media-Aktivitäten von Barack Obama, über deren Zusammenspiel mit den klassischen Massenmedien, und ging insbesondere auch auf die Macht der Bilder ein. Jeder kennt die emotionalen Bilder aus dem Wahlkampf, auf denen Obama vor einer Menge von Menschen steht, die ihm Plakate mit „Change!“ entgegenhalten. (Im Detail gehe ich gar nicht auf die Vorträge ein; sie stehen als Video und Audio auf DemokratieZweiNull.de bereit).

Nächster Referent war mein Kollege Bernhard Jodeleit, der einen Überblick über aktuelle Plattformen, Informations- und Kommunikationskanäle gab und deren Einsatzmöglichkeiten für die Politik (aber auch für Unternehmen und Institutionen) beschrieb. Sein Credo: Social Media Relations müssen Teil der Gesamt-Kommunikationsstrategie sein, sie müssen systematisch, ernsthaft und engagiert genutzt werden – und ihr Einsatz kostet Zeit oder Geld oder beides.

Podcasting war Thema von Dusan Minic. Er hat aufgezeigt, welche Rolle Video und Audio im Kommunikations-Mix spielen, und wies darauf hin, dass ein Video- oder Audioclip nicht nur auf der eigenen Website stattfinden muss, sondern auch auf YouTube oder iTunes gestellt werden sollte, um gesehen oder gehört zu werden. Die Veranstaltung und diese Website selbst sind ein gute Beispiel für die Einsatzmöglichkeiten von Audio und Video.

Unsere Veranstaltung hieß DemokratieZweiNull, und ein sehr schönes Beispiel dafür, wie das Internet Bürger dabei unterstützen kann, politische Entscheidungen zu beeinflussen, stellte zum Schluss Johanna Schepers von der MFG Baden-Württemberg vor. Sie ist hier Projektleiterin e-Participation Plattform und ist für das Projekt VoicE verantwortlich, bei dem sich z. B. Bürger aus Baden-Württemberg und Valencia/Spanien über Verbraucherschutzthemen und die entsprechende Gesetzgebung in Brüssel informieren können.

Social Media live!

Oliver Gassner von carpe.com, einer der aktivsten Blogger, Twitterer, Kommentatoren und Social-Networker der Region, bloggte und twitterte live und informierte die Web-Community darüber, was gerade referiert wurde. Seinen Namen kennen viele, ihn als Person nur wenige. Mir ging es übrigens bei einigen anderen Gästen gleich: Die kannte ich von ihren Tweets, von ihren Blogkommentaren, manche sogar via Mail – und sah sie an diesem Abend zum ersten Mal live.

Wir hatten eine Twitterwall aufgebaut, und während die Referenten sprachen, erschienen dort die Tweets von Personen, die die Veranstaltung entweder am PC oder im Saal verfolgten. Sie gaben Inhalte der Vorträge wieder, kommentierten diese, fragten an, ob es noch Platz für sie gäbe und ob sie noch kommen dürften, stellten Fragen für die Diskussionsrunde. Ich habe zum ersten Mal live die Twitterbegleitung eines laufenden Events miterlebt und hatte anfangs Bedenken, dass diese „Parallelplattform“ von den Vorträgen ablenken könnte. Im Gegenteil – es war eine tolle Ergänzung und ein superschneller Feedbackkanal.

Überwiegend positive Reaktionen

Der Abend endete mit einem Get-Together im Foyer von PwC. Das Team von Prof. Dr. Brettschneider hatte einen Eye-Tracker aufgebaut, mit dessen Hilfe man z. B. den Blickverlauf über Parteienwebsites verfolgen konnte. Sehr aufschlussreich!

In den Gesprächen mit den Gästen bekamen wir fast ausschließlich positives Feedback. Klar, dass man es bei einem so heterogenen Publikum nicht allen Recht machen kann. Einige aus der Web-2.0-Community fühlten sich unterfordert („ist alles ziemlich einsnullig hier“), manche Aussagen der Referenten waren aus ihrer Sicht diskussionswürdig („Finde ja auch, dass gelackte Agenturvideos niemanden interessieren. Es geht um Authenzität – auch technisch.“). Eine ganze Reihe von Menschen scheinen wir aber auch wachgerüttelt zu haben und bekamen Kommentare zu hören wie: „Die Themen packen und lassen nicht ruhen: Werde umgehend anregen, diese auch in unserem Unternehmen eingehender zu vertiefen.“ Manche tauchten wohl zum ersten Mal in die Welt von Social Media ein und hatten zum ersten Mal Kontakt mit dem sagenumwobenen Twitter oder dem Phänomen Facebook („Ob ich auch twittern sollte?“, „Bislang kannte ich ja nur xing.de“).

Gesprächsstoff gab’s jedenfalls reichlich. Geplant war das Get-Together bis ca. 20.00 Uhr, um 21.30 Uhr war’s noch recht voll, die Letzten gingen kurz vor halb elf.

Für uns war das Event ein vorläufiger Höhepunkt von DemokratieZweiNull. Auch wir haben in der Vorbereitung viele Erfahrungen sammeln können, die wir in Folgeprojekten berücksichtigen werden. Eine davon: Mit Social Media und Online-PR lässt sich ein Event hervorragend promoten, die Reichweite ist gigantisch – aber es kostet auch viel Mühe, Zeit und Freizeit. Und: Man kommt in Kontakt mit vielen Menschen, die man bisher nicht gekannt hat.

Was wir bisher an Rückmeldungen – persönlich, via Mail, via Twitter – erhalten haben, bestätigt uns, dass wir einen interessanten Abend gestaltet haben. Heute Vormittag erreichte mich der Anruf eines Politikberaters aus Hessen, der mit uns ein ähnliches Event organisieren möchte. Und am 5. Mai 2009 geht’s ja schon konkret weiter mit „DIE BLAUE STUNDE ZUR DEMOKRATIE 2.0 – Bürgerkommunikation im Web“, einer Veranstaltung von Sympra und der MFG Baden-Württemberg im Rahmen von Kreativraum.

DemokratieZweiNull: Eine Chronologie

Sympra goes Social Media: DemokratieZweiNull, ein integriertes Projekt mit Event und begleitender Online-PR, ist ein schönes Beispiel dafür, was sich mit Social Media und einem spannenden Thema innerhalb kürzester Zeit auf die Beine stellen lässt. Innerhalb von 14 Tagen konnte Sympra in diesem Fall eine Community rund um das Thema Social Media, Public Relations und Wahlkampf im Web aufbauen, die zum einen die geplante Veranstaltung vorbereitet und Networking im Vorfeld ermöglicht, zum andern aber auch über den Event-Termin hinaus bestehen bleibt.

Eine kleine Chronologie:

12. Februar 2009: Das Kernteam (Dusan Minic von anspruch, Veit Mathauer und Bernhard Jodeleit von Sympra) trifft sich am Vormittag bei Sympra zum Brainstorming und spricht über potenzielle Locations sowie das Motto für die Veranstaltung. WahlkampfZweiNull ist im Gespräch, doch DemokratieZweiNull setzt sich durch. Der Begriff kann auch über das Superwahljahr 2009 hinaus mit Leben erfüllt werden. Nachmittags ist die Domain demokratiezweinull.de registriert und aktiviert, ebenso der Twitter-Account “demokratie20″. Die technische Umsetzung beginnt am frühen Abend.

13. Februar, halb zehn am Morgen: “Der Rohbau für unsere Seite steht”, heißt es in einer E-Mail.

D20home1 in 16. Februar: http://demokratiezweinull.de erhält sein endgültiges Design. Letzte Blog-Funktionen werden implementiert, dazu gehörigen einige Plugins, der Spamfilter Akismet. Die Aufgaben der Autoren sowie der Moderatoren für die Kommentarfunktion werden verteilt. Die Aktions-E-Mail demokratiezweinull (at) sympra.de wird eingerichtet. Um 16.54 Uhr erscheint der erste Artikel auf der Website: “Ein Blog zum Event.”

17. Februar: Morgens um halb zehn twittert @demokratie20 zum ersten Mal. Inzwischen hat das Kernteam bereits etliche mögliche Locations besichtigt und angefragt. Es wird eng. Heute geht eine Anfrage an PricewaterhouseCoopers in Stuttgart auf den Weg – und diese Location in der Friedrichstraße 14 wird es dann auch.

18. Februar: PricewaterhouseCoopers sagt zu, die Location wird nach Besichtigung gebucht. Der Twitter-Account hat innerhalb von zwei Tagen 44 Follower gewonnen.

19. Februar: Zweiter Artikel im Blog ist online. Das Anmeldeformular zur Veranstaltung wird eingebaut.

21. Februar: Xing hat rechtzeitig zum Wochenende die beantragte Gruppe “DemokratieZweiNull – Wahlkampf im Web” eingerichtet.

23. Februar: Die Xing-Gruppe hat bereits 70 Mitglieder.

24. Februar: 100 Mitglieder bei Xing.

25. Februar: Das Blog DemokratieZweiNull wird erstmals als Quelle bei Rivva gelistet.

27. Februar: 174 Mitglieder in der Xing-Gruppe, bereits mehr als 40 Anmeldungen zum Event, insgesamt knapp 600 Unique Visits auf dem Blog DemokratieZweiNull und 202 Follower für den Twitter-Account @demokratie20. Das alles innerhalb von zehn Tagen. Drei Institutionen haben bereits angefragt, ob wir mit ihnen ein ähnliches Vortragsevent veranstalten möchten.

Resümee aus unserer Sicht ist: Mit dem richtigen Thema zum richtigen Zeitpunkt lassen sich Blogs und Social Networks ganz hervorragend nutzen, um eine interessierte Zielgruppe zusammenzuführen und für eine Sache zu begeistern. Wir freuen uns über den Erfolg von DemokratieZweiNull und auf eine spannende Veranstaltung am 25. März in Stuttgart.

Zur Projektwebsite: http://demokratiezweinull.de
Zum Twitter-Account: http://twitter.com/demokratie20
Zur Xing-Gruppe: https://www.xing.com/net/demokratiezweinull

Xing gibt Gas

Nach dem beschlossenen Wechsel in der Chefetage geht es bei Xing jetzt rasch weiter mit den Veränderungen: Durch die Übernahme der New Yorker Firma socialmedian soll das Hamburger Social Network zurück an die Speerspitze im Bereich Web 2.0 finden. Künftig sollen die Mitglieder von Xing die Möglichkeit haben, relevante “Business-News” aus externen Quellen miteinander auszutauschen. Xing ist dann nicht nur Social-Networking-Plattform, sondern auch eine Aggregationsplattform für Neuigkeiten aller Art und Social Media wie beispielsweise Friendfeed.

Warum? Abgesehen von der rudimentären Funktion “Neues aus meinem Netzwerk” hatte Xing den in den letzten beiden Jahren rasant an Bedeutung gewinnenden Trend zu Microblogging, Social Bookmarking und Social News nicht verfolgt. Gemeint ist damit der intensive Austausch der Netzwerk-Mitglieder über rudimentäre “Status-Messages” und das Editieren der eigenen Interessen hinaus. Also der Trend, für den die im Moment explosiv wachsenden und erfolgreichen Dienste wie Twitter, Friendfeed etc. stehen: Informationsaustausch via RSS, der Blogbeiträge, Verweise auf interessanten Content an anderer Stelle (Social Bookmarking) und unterschiedliche weitere Medien (Bilder, Videos) umfasst.

Sicherlich wird Xing durch den Kauf und die Übernahme des socialmedian-CEO als Vice President Applications Platforms deutlich aufholen. Immerhin kann socialmedian schon heute wichtige Plattformen wie Digg, Delicious, Twitter, Flickr, YouTube, Google Reader integrieren. Erste Kommentare heute morgen in Blogs und Kommentaren sind in der Regel positiv bis euphorisch. Dennoch ist die Frage aus meiner Sicht, ob die Positionierung von Xing als eher konservatives Social Network, in dem man eben nicht alle Social-Media-Aktivitäten teilt, in dem es eben etwas ruhiger zugeht, nicht schon so weit fortgeschritten ist, dass die Einführung von Social News und Social-Media-Aggregation etwas spät kommt. Die Konkurrenz is sowohl qualitativ als auch quantitativ beachtlich; wer sich aktiv im Web 2.0 bewegt und dort gut vernetzt ist, der stöhnt schon seit einiger Zeit über die tägliche Content-Flut. Lifestreaming und Microblogging stehen just in diesen Tagen an der Schwelle zum Mainstream, und Xing zögerte hier bislang – bewusst, wie ich dachte – an der Seitenlinie.

Spannend, spannend – was sich hier andeutet, ist eine deutliche Repositionierung. Sicherlich ist grundsätzlich davon auszugehen, dass die Verweildauer des durchschnittlichen Xing-Nutzers auf den Seiten des Netzwerks deutlich steigen wird, wenn – womit bald zu rechnen ist – Xing-Profile um via RSS aggregierten externen Content erweitert werden. Andererseits: Mancher Xing-Nutzer, der mit Social Media und Lifestreaming bisher so gar nichts zu tun hatte, wird vielleicht auch einen Kulturschock erleben, wenn er plötzlich mit den Feeds seiner Geschäftspartner und Kollegen konfrontiert wird. Ich könnte mir vorstellen, dass sich nach Integration der Funktionen von socialmedian bei den Xing-Mitgliedern zwei unterschiedliche Gruppen herausbilden werden. Die einen werden die neuen Möglichkeiten nutzen, die anderen nicht.

Persönliche Anmerkung: Ich aggregiere meine Social-Media-Aktivitäten derzeit bei Friendfeed, habe aber beispielsweise sehr rasch wieder damit aufgehört, diverse andere Verbindungen zu nutzen, etwa zwischen Twitter und Plaxo. Nicht jede RSS-Schnittstelle, die technisch machbar ist, macht im Business auch Sinn! Jeder, der sich bisher nicht mit Social Media beschäftigt hat, hat jetzt durch die anstehende Einführung entsprechender Technologien bei Xing einen großen Anreiz dazu.